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Auf den Spuren der Rheinromantik – eine Zeitreise

Königswinter Siebengebirgsmuseum

Der Rhein stand bis vor Kurzem so gar nicht auf meiner Liste der zu besuchenden Reiseziele. Warum, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht.

Dabei mag ich gerade die Malerei der Romantik besonders gerne, da sie so eine Stimmung des Aufbruches, des Entdeckens und des Reisens verbreitet.

Als ich im Oktober vergangenen Jahres im Rahmen einer Pressereise ein Wochenende in Königswinter verbrachte, habe ich mich auch mit der Geschichte der Region und vor allem dem Begriff Rheinromantik etwas weiter beschäftigt, um die Faszination besser verstehen zu können, die diese Gegend auf die Menschen damals ausgeübt hatte.

Der Rhein zur Zeit der Romantik

Der Rhein war schon immer eine der wichtigsten Verbindungsachsen zwischen Nord und Süd in Europa. Schon die Römer wussten das und ihnen folgten im Mittelalter die Kaufleute und ganze Kriegsheere. Praktisch war er, der Rhein. Romantisch wahrscheinlich weniger. Dies kam erst mit den Dichtern und Malern der Romantik (Ende 18. Jh. bis spätes 19. Jh.), die zum einen in ihren blumigen Beschreibungen der Landschaft, zusammen mit Geschichten von schönen und traurigen Frauen, und zum anderen mit Gemälden von ursprünglicher Landschaft sowie Burg- und Schlossruinen ein Bild der Sehnsucht konstruierten.

Rheinromantik

Stahlstich aus „Views of the Rhine“ von William Tombleson (um 1840): Ruine von Drachenfels. Quelle: Wikipedia (gemeinfrei)

Die Begeisterung vom Rhein und die daraus entstehende Rheinromantik, welche z.B. durch den britischen Maler William Turner und den britischen Dichter Lord Byron, aber auch durch die deutschen Maler Johannes Jakob und Anton Diezler geprägt wurde, ließ im ersten Drittel des 19. Jh. den Rheintourismus entstehen. Aber nicht nur in der Kunst und Literatur fand die Rheinromantik Einzug, sondern auch in der Musik und Politik. Mit der Dampfschiffahrt auf dem Rhein kamen immer mehr und mehr Menschen, die sich in den Bann dieser tollen Landschaft gezogen fühlten. Einsame Burgruinen auf steilen Berghängen wurden wiederentdeckt und vervollständigten das Bild der romantischen Landschaft.

Der Rheintourismus im 19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts reiste nur ein kleiner privilegierter Teil der Bevölkerung. Es waren die wohlhabenden Bürger und ein Teil des Adels, die es sich leisten konnten, ihnen unbekannte Gebiete zu bereisen. Die Reisen von damals hatten in der Mehrzahl Bildungscharakter und beschränkten sich auf landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten.

Das mittlere Rheintal bot da natürlich mit seinen Burgen, Ruinen und Schlössern einen optimalen Ausgangspunkt. Englische Aristokraten und wohlhabende Bürger waren die ersten die das Reisen am Rhein bekannt machten. Später folgten auch die Deutschen. Nach den napoleonischen Kriegen, wurde das Reisen auch für deutsche Touristen populär. Damit war der Grundstein zum Massentourismus gelegt.

Zur Ausstattung der Reisenden gehörten damals, Abhängig von der Art des Transportmittels, zahlreiche Gegenstände.

In einer Kutsche beispielsweise konnten die wohlhabenden Reisenden eine Vielzahl von Gepäckstücken, ja zum Teil sogar kleine Möbelstücke mitnehmen. In den meisten Reisekoffern befanden sich Glasflaschen mit Silberdeckeln für Parfüm, Nagelfeile, Zahnbürste und Puder oder auch Kleiderbürsten.

Königswinter Siebengebirgsmuseum

Kleiderbürsten des 19. Jahrhunderts, aufgenommen im Siebengebirgsmuseum Königswinter

Um 1800 kamen die Fußreisen, also das Wandern, in Mode. Hierbei  war die Reiseausstattung eher minimalistisch ausgelegt, da der Wanderer alles was er benötigte bei sich tragen musste. Zur üblichen Ausstattung gehörte immer ein guter Reiseführer, sowie Fahrpläne mit Angaben zu Verkehrsverbindungen und Unterkünften.

Allerdings hatten die Herrschaftsgebiete rund um den Rhein ihre eigenen Münzsysteme, was das Bezahlen immer kompliziert machte, da man verschiedene Währungen benötigte.

Entlang des Rheins entstanden zahlreiche Villen und Hotels für die Reisenden. Die mittelalterliche Stadtmauer in Königswinter wurde abgetragen, sie hatte ihren Nutzen verloren, und an ihre Stelle baute man die Rheinpromenade auf der man nun entlang des Ufers flanieren konnte. Die Wanderer der Zeit übernachteten allerdings, statt in den noblen Hotels oder Villen, in den zahlreichen Waldgaststätten, die es auch heute noch in einer Vielzahl gibt.

Königswinter, Drachenfels

Auch heute noch gibt es zahlreiche kleine Waldgaststätten.

Dampfschifffahrt auf dem Rhein

Im frühen 19. Jahrhundert brachte die Dampfschifffahrt einen enormen Aufschwung im Tourismus, da sie auch als technische Sensation galten.

Das ganze gleicht einer Höllenmaschine, doch soll keine Gefahr dabei sein.

(Annette von Droste- Hülshoff, 1825)

Der erste Rheindampfer fuhr 1816 rheinaufwärts bis Köln. Die Reisezeit wurde insgesamt verringert, denn vorher wurden die Rheinschiffe getreidelt, also von Zugtieren an Land vorwärts bewegt. Schon in den ersten Jahren, nachdem sich zwei Dampfschiffahrtsgesellschaften zusammengeschlossen hatten ( um 1850), wurden  über eine Millionen Menschen transportiert.

Die Esel von Königswinter

Als den Steinhauern 1830 der Steinabbau am Drachenfels verboten wurde, mussten sie sich eine neue Einkommensquelle suchen. So nutzen sie ihre Esel, die man für bestimmte Strecken oder sogar tageweise mieten konnte, um damit Touristen zu transportieren und ihnen beispielsweise den Weg hinauf zur Ruine der Burg Drachenfels zu erleichtern.

Gleich neben der Drachenbahn gab es einen Standplatz für die Tiere.

In einem Reglement von 1841, verfasst vom Bürgermeister von Königswinter, heisst es in §2 „Die aufzustellenden Esel müssen zum Bergbesteigen tauglich und dürfen nicht bösartig sein, die untauglichen sollen zurückgewiesen werden.“

Weiter steht in §5 geschrieben, „die Eselsführer sind verpflichtet sich ruhig und anständig gegen das Publikum zu benehmen.“

Ebenso sind in diesem Reglement die Preise für eine Tour bzw. einen ganzen Tag festgehalten (inkl. Eselführer), damit niemand Wucher betreiben konnte.

Königswinter Tourismus

Rheinromantik am Drachenfels

1883 wurde die erste Zahnradbahn Deutschlands in Betrieb genommen, die sich auf einer Strecke von 1,5 km den Drachenfels, immerhin 220 Höhenmeter, hinauf schnaufte. Sie wurde schnell zur Touristenattraktion und rentierte sich prima, da viele der Gäste es bevorzugten sich von ihr nach oben zur Ruine fahren zu lassen. Diese Zahnradbahn ist auch heute noch immer aktiv und fährt die Gäste genauso schnaufend und ratternd wie damals auf die Spitze des Drachenfels.

Im gesamten Siebengebirge und entlang des Rheins entstanden Waldgaststätten, Hotels in verschiedenen Preisklassen und Wanderwege zu den interessantesten Ausflugszielen.

Besonders am Drachenfels gab es viele Tanzhallen, Schnellfotografen und Souvenirbuden.

Die Schnellfotografen errichteten am Drachenfels eigene Ateliers, um die belichteten Fotoplatten schnell entwickeln, und das Bild dann an den Reisenden verkaufen zu können. So konnten die Touristen ihre fertigen Abzüge gleich auf dem Rückweg gegen Geld erstehen. Vor gemalten Kulissenwänden stellte man sich in Position, wobei man sich auch gerne mit beliebten Requisiten wie z.B. Esel, Drachen oder Flugzeugattrappen ablichten ließ.

Der pittoreske Bergfried mit der Ruine der Burg Drachenfels inspirierte viele Gelehrte der damaligen Zeit. Der englische Dichter Lord Byron schrieb seine berühmten Zeilen und machte mit einem Gedicht den Drachenfels über die Grenzen hinaus bekannt und verhalf der Region so zu einem boomenden Tourismus. Eine Vielzahl britischer Gäste reiste im 19. Jahrhundert den Rhein entlang. Die deutschen Touristen kamen erst eine ganze Zeit später hinzu.

Weit droht ins offne Rheingefild
Der turmgekrönte Drachenstein;
Die breite Brust der Wasser schwillt
An Ufern hin, bekränzt vom Wein,
Und Hügeln, reich an Blüt’ und Frucht
Und Au’n, wo Traub’ und Korn gedeihn,
Und Städten, die an jeder Bucht
Schimmern im hellen Sonnenschein:
Ein Zauberbild! – Doch fänd’ ich hier
Zwiefache Lust, wärst du bei mir!

(Auszug aus dem Gedicht „Der turmgekrönte Drachenfels“ (1816) von Lord Byron, deutsche Übersetzung)

Der britische Maler William Turner schuf zahlreiche Gemälde mit der Ruine der Burg, und 1819 schließlich, war auch Heinrich Heine mit seiner studentischen Burschenschaft mit von der Partie, als sie den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig auf der Ruine der Burg Drachenfels feierten. Dort schrieb er natürlich auch ein Gedicht über dieses alte Bauwerk und trug somit ebenfalls zur Rheinromantik der damaligen Zeit bei.

Wir tranken Deutschlands Wohl aus Rheinweinkrügen,
Wir sahn den Burggeist auf dem Turme lauern,
Viel dunkle Ritterschatten uns umschauern,
Viel Nebelfraun bei uns vorüberfliegen.

(Auszug aus dem Gedicht „Die Nacht auf dem Drachenfels“, 1830)

Auch zahlreiche Sagen und Mythen prägten die Gegend und steigerten ihren Bekanntheitsgrad, so z.B. „Der Drache vom Drachenfels“ oder auch der Drachenkampf von Siegfried aus dem Nibelungenlied.

Bald wurde Königswinter zu einem der attraktivsten Reiseziele im Rheintal.

Rheintourismus im 20. Jahrhundert

Schon um 1900 war der Rhein zu einem der beliebtesten Urlaubsziele Europas avanciert. Die Infrastruktur wurde, aufgrund des wachsenden Wohlstandes, im gesamten Land durch Straßen und Schienennetze, aber auch zu Wasser verbessert, welches die Anzahl der Reisen stark anstiegen ließ. Nun wurde das Reisen auch für die breite Bevölkerung erschwinglich.

Gerade die Ausflugsschiffe auf dem Rhein erfreuten sich mit der Zeit sehr großer Beliebtheit.

Rheinromantik im Siebengebirge: das Kloster Heisterbach

Etwas weiter von Rhein entfernt, direkt im Siebengebirge beim Weinort Oberdollerndorf liegend, befindet sich die Ruine des ehem. Zisterzienser Abtei Heisterbach aus dem 13. Jh.

Die Kirche des Klosters war die zweitgrößte der Region, hinter dem Kölner Dom versteht sich. Nach dem Niedergang des Klosters ließ der damalige Besitzer, der Gutsherr Graf zu Lippe-Biesterfeld, den Sakralbau von 1810 bis 1827 abreißen, da er keine Verwendung mehr für das Kloster sah. Übrig blieb nur die Chorruine. Andere Wirtschaftsgebäude auf dem Gelände blieben aber stehen, da sie dem damaligen Gutsherren noch dienten.

Auch diese Ruine erscheint auf zahlreichen Gemälden aus der Epoche der Romantik. Man sieht darauf, wie die Menschen im Schatten des Gemäuers ein Fest veranstalten oder picknicken.

Rheinromantik

Karl Schlickum, Heisterbach im Schnee, Öl auf Leinwand (um 1845) [Public domain], via Wikimedia Commons


Wieviel ist von der Rheinromantik heute noch übrig geblieben, und was lässt sich heute alles in Königswinter entdecken? Das erfahrt ihr im nächsten Artikel über die „Rheinromantik heute“.

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6 Kommentare

  • Antworten
    Andreas Fischer
    4. Februar 2018 an 21:43

    Hallo Miriam, ein sehr inspirativer, schöner Text von Dir ! Danke fürs Teilen !! Ja der Rhein hat es vielseitig „in sich, Du verbindest anhand von „KöWi“ schon so zahlreiche Elemente miteinander — klasse ! Und enbdlich ward mir das Geheimnis der „Esel“ geküftet, hihi Reist Du weiter in diesen Gefilden? Ich selbst wohne auch am Rhein, etwa 50 km südlich im ehemaligen Fürstentum Neuwied. Hier sind auch so manche „romantische Rhein- Elemente “ versteckt, angefangen vom Fürstenhaus, zur Schriftstellerin Carmen Sylva bishin zur Wied, die auf gut 100 km z.T. sehr romantisch adurch den Westerwald rauscht.. definitiv auch einen Abstecher wert!

  • Antworten
    Michaela
    20. Januar 2018 an 10:38

    Liebe Miriam,
    ich finde diesen Artikel super spannend und interessant. Ich mag solche Zeitreisen sehr gerne und vor allem alte Fotos könnte ich stundenlang betrachten. Wirklich sehr tolle Eindrücke.

    Liebe Grüße,
    Michaela

  • Antworten
    Sarah
    20. Januar 2018 an 6:36

    Es freut mich, dass der Rhein dich begeistert hat! Rhein und Mosel sind eine wundervolle Gegend voller Geheimnisse. Ich hoffe du kommst wieder 🙂

  • Antworten
    Tarja
    19. Januar 2018 an 22:10

    Liebe Miriam! WOW – was für ein schöner Blog – ich stöbere schon eine ganze Zeit lang und bin ganz begeistert, mit wie viel Liebe und Begeisterung du deine Geschichten schreibst. Vielen Dank, dass du all deine Eindrücke und dein Wissen mit uns teilst! Herzliche Grüße, tarja von tarjasblog.de

  • Antworten
    Dagmar
    19. Januar 2018 an 16:13

    Mit dem Rhein will ich mich im Laufe des Jahres auch noch beschäftigen. Ich denke darüber nach, eine Cabriotour entlang des Rheins zu machen. Danke für deine Inspirationen

  • Antworten
    Steffi
    17. Januar 2018 an 22:53

    Liebe Miriam, was für ein schöner Artikel! Ich mag es auch sehr, mich mit der Vergangenheit der Orte, die ich bereise, zu beschäftigen. Es ist schon lange mein Wunsch, einmal eine ausgiebige Rheinwanderung zu unternehmen, Dein Artikel hat mich daran wieder erinnert. Und ich liebe die Bilder von William Turner 😉 Liebe Grüße, Steffi

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