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USA Südwesten: Interview mit Reiseführer Autor Volker Feser

Volker-Feser

Druckfrisch liegt er auf meinem Tisch, einer der neuen Reiseführer aus dem Michael Müller Verlag über den Südwesten der USA mit Kalifornien. Fast 1 kg schwer und 911 Seiten stark ist das gute Stück. Als ich erfuhr, dass der Autor Volker Feser dafür in 7 Jahren 9 Mal in den USA gewesen ist, ganze 45.000 km zurückgelegt hat und dabei rund 35.000 Euro Recherchekosten auf den Kopf gehauen hat, war mir klar, den muss ich einmal interviewen!

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Superstition Mountains ©Volker Feser

 

Über den Autor Volker Feser

Es war sein allererster Flug, der ihn mit 26 Jahren nach Ecuador führte, wo der Autor heute, 33 Jahre später, immer noch lebt. Sein Plan war nicht unbedingt in Ecuador zu bleiben, aber er wollte auch nicht nach Deutschland zurückkehren.

Er verliebte sich in die wilde Natur und organisierte bald extreme Trekkingtouren, durchquerte Urwälder, stand bis zur Hüfte in reißenden Bächen und zeltete gerne in einem aktiven, dampfenden Vulkankrater.  Der Blick über die schneebedeckte Andenkordillere auf der einen Seite und die silbrig glänzenden Flussmäander im Amazonasbecken auf der anderen Seite prägten ihn für immer.

In den 1990ern erschien sein erster Ecuador-Reiseführer, und er gründete ein Reisebüro für Galapagos-Kreuzfahrten und private Touren durch die Region. In all den Jahren gab es miserable wie erfolgreiche Momente für ihn. „Eigentlich sollte ich einen Roman darüber schreiben – und keinen Reiseführer!“ Gleichzeitig gefällt ihm aber auch die Gattung: „Nirgendwo sonst bringt man die Wirklichkeit (wie sie sich zeigt) und den eigenen Eindruck (wie er sich zeigt) so gut zusammen.“

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Unterwegs auf der legendären Route 66 ©Volker Feser

 

9 Fragen an Reiseführer Autor Volker Feser

1. Du lebst ja in Ecuador. Was verbindet Dich so sehr mit dem Südwesten der USA, dass Du beschlossen hast, einen Reiseführer über diese Region zu schreiben?

In Sachen Natur glänzen beide. Dschungel und Berge versus Wüste und Berge – und beides fasziniert mich. Trotzdem sind Ecuador und Southwest so ziemlich das Gegenteil. Hinzu kam die politische Unsicherheit in den zehn Jahren nach 2007. Ecuador wäre ja fast ein zweites Venezuela geworden. Das reichte von der Zensur bis zur Volksverhetzung unter der Maxime, den „tödlichen Individualismus“ auszumerzen: „Wir ersetzen Ich kann durch Wir können!“ Da machte ich mir schon so meine trüben Gedanken. Für mich liegt das wertvollste gesellschaftliche Gut gerade im Individualismus, der auf freier Entfaltung, Kreativität und Tatendrang beruht. Im Südwesten der USA fand ich meinesgleichen und genoss diese Back-to-my-Roots-Emotionen.

2. Was war das verrückteste Erlebnis auf Deinen USA-Reisen?

Es gab viele „verrückteste“ Erlebnisse. Einmal fuhr ich mit dem Obdachlosen Michael und seinen zwei dressierten Hunden den ganzen lieben langen Tag durch Los Angeles. Er kannte sich aus, gab mir nützliche Tipps und erzählte aus seinem Leben im Bereich des Hollywood Boulevards. Auch stellte er mir einige seiner „Kollegen“ vor. Einer von ihnen zeltete direkt vor dem Laden, der ihm einst mal gehört hatte. Die Finanzkrise hatte ihn komplett aus der Bahn geworfen.

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Columbus, New Mexico ©Volker Feser

 

3. Du bist für diesen Reiseführer 9-mal in 7 Jahren in den USA gewesen, hast 45.000 km zurückgelegt und insgesamt 35.000 EUR Recherchekosten gehabt. Ist Dir irgendwann der Gedanke ans Aufgeben gekommen? Was hat Dich bewegt, das Projekt zu Ende zu bringen?

Ja schon, als mir z. B. voll bewusst wurde, dass es in San Francisco 6.000 Restaurants gibt und welches Ausmaß an Recherche ein Terrain von etwa einer Million Quadratkilometern mit sich bringt. Doch schaffte ich es immer aufs Neue, einen Point of no Return zu überschreiten. Als alter Wanderer verglich ich das Projekt mit dem längsten Trail meines Lebens, und der Glaube an das Ziel versetzt nun mal Berge. Dass dieses Leitmotiv der Bibel entstammt, erfuhr ich erst im Nachhinein.

4. Wenn Geld und Zeit keine Rolle spielen würden, welches Land oder welche Region möchtest Du dann unbedingt einmal bereisen und warum?

Gerne würde ich mal von Nord- nach Südindien fahren. Das muss kulturgeschichtlich die pure Exotik sein. Auch der landschaftlich dem Südwesten der USA wohl etwas ähnelnde einsame Norden Argentiniens oder die wilde Karibische Riviera von Panama reizen mich sehr.

 

5. Du schreibst von einer Lotterie, um „the Wave“, die berühmte Felsformation in Arizona, besuchen zu können. Wie viele Versuche hast Du benötigt, um eines der begehrten Tickets zu erhalten?

Ich hatte Glück! Es brauchte tatsächlich nur einen einzigen Versuch. Dabei kam ich fast noch zu spät, weil ich im Nachbarstaat übernachtete und es dort einen Unterschied zur Sommerzeit gab … Das letzte von den zehn Losen fiel dann auf mich. Das war überhaupt eine grandiose Reise, wo ich praktisch täglich ein Supererlebnis hatte.

6. Wir mögen ja historische/archäologische Orte sehr gerne und schreiben darüber. Welchen historischen Ort im Südwesten der USA würdest Du unseren Bloglesern auf jeden Fall empfehlen und warum?

Wer gerne ausgiebig wandert, sollte das Felsnischendorf Keet Seel im Nordosten von Arizona besuchen. Man wird sich dort wie ein Entdecker fühlen. Die im 13. Jahrhundert erbaute Anlage in einer mit Wüstenlack gemaserten Nische unter der Steilwand war einst für die Hopi eine Art Nirwana am Ende ihrer langen Wanderschaft. Kein anderer Cliff Palace hat mich derart beeindruckt.

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Arts District in Los Angeles ©Volker Feser

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Bisti Badlands in New Mexico ©Volker Feser

 

7. Wir lieben es auch, Museen auf unseren Reisen zu besuchen. Egal ob klein oder groß, international oder eher regional ausgelegt. Gibt es ein Museum im Südwesten der USA, welches Dich beeindruckt hat oder besonders verrückt war? 

Im Musical Instrument Museum in Phoenix taucht man, mit einem Kopfhörer ausgerüstet, in ein epochales Universum aus Musikgenres mit rund 200 Gruppen und 15.000 Instrumenten – von den American Indians über Alice Cooper, Coltrane und Beethoven bis zur Volksmusik aus allen erdenklichen Winkeln des Planeten. Ich wippte und tänzelte stundenlang entzückt umher.

8. Wir versuchen auf unseren Reisen immer auch die kulinarischen Eigenheiten einer Region oder eines Landes zu entdecken. Was hat Dir im Südwesten der USA besonders gut geschmeckt und auf was kannst Du gerne verzichten?

Ich mag die bodenständige wie innovative New Mexico Cuisine sehr. Sie basiert auf Chilischoten, Fleisch, Käse, Quark, frischem Gemüse und hunderterlei von Gewürzen sowie der als „Three Sisters“ bezeichneten indianischen Dreieinigkeit aus Mais, Kürbis und nussigen Pinto-Bohnen. Ganz lecker ist z. B. Mole mit aphrodisierender Schokoladensoße, ursprünglich von den Mayas und Azteken stammend. Verzichten kann ich auf überteuerte Gourmet-Restaurants und Michelin-Sterne.

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Golden Gate Bridge in San Francisco ©Volker Feser

 

9. Für alle, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, einen Reiseführer schreiben zu wollen: Was würdest Du allen zukünftigen Reiseführer-Autoren mit auf den Weg geben? 

Schreibtalent, Durchhaltevermögen, eine gut gehäufte Messerspitze Madness und am besten ein ausreichend dickes Bankkonto. Nur wenige Autoren können von ihren Reiseführern oder anderen Büchern leben. Dass man die aufzurollende Region trotzdem innig liebt, versteht sich von selbst. Ich jedenfalls habe den Trip und das Buch, das es jetzt darüber gibt, nie bereut. Es ist, wenn man so will, mein eigenes Road Movie, das jeder anders erlebt, den es in den Südwesten der USA zieht.

 

Vielen Dank an Volker Feser für dieses Interview.

 

 

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