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Tierpark Arche Warder – Ausflugsziel in Norddeutschland

Arche Warder bei Kiel

Habt ihr schon mal etwas von dem Vorwerkhuhn (nein, das hat nichts mit dem Staubsauger zu tun!), dem Angler Rind, dem rauwolligen Pommernschaf oder dem chinesischen Maskenschwein gehört? Nein? Ich vorher auch nicht.

Alle diese Tiere und noch sehr viele mehr gehören zu den vom Aussterben bedrohten Haus- und Nutztierrassen und haben in der Arche Warder, in der Nähe von Kiel ein Zuhause gefunden. Sie alle wurden früher in den verschiedenen Regionen Europas von den Landwirten gehalten und sind heute leider aus den „modernen“ Tierbeständen der Landwirtschaft verschwunden. Einige der hier lebenden Rassen sollen sogar seltener als der Sibirische Tiger sein!

 

Konzept der Arche Warder

Wie bei den landwirtschaftlich genutzten Pflanzen, so gehen auch die Anzahl der Nutztierrassen immer weiter zurück. In der heutigen Landwirtschaft finden wir nur noch eine Handvoll ausgewählter Hochleistungsrassen und Arten, die unser Bedürfnis nach immer ertragreicherer Erzeugung widerspiegeln. Alte Pflanzen- und Tierarten, die diesen Hochleistungsansprüchen nicht genügen, verschwinden zunehmend von der Bildfläche. Damit geht uns allerdings auch die Vielfalt verloren.

In der Arche Warder werden seltene und vorm Aussterben bedrohte Nutztierrassen gehalten und durch Erhaltungszucht vermehrt, damit wir diese Rassen in Zukunft nicht verlieren, da sie auch ein kulturelles Erbe bestimmter Kulturen und Landschaften darstellen, wie z.B. die Heidschnucken in der Lüneburger Heide, die dort einen unverzichtbaren Beitrag zur Landschaftspflege leisten. Des Weiteren sollten wir uns Gedanken machen, was passieren kann, wenn sich die Produktions- oder auch die Umweltbedingungen verändern würden. In so einem Fall ist es sehr wichtig, dass wir uns in der Landwirtschaft genetisch nicht nur auf einige wenige Rassen beschränken, sondern versuchen die Biodiversität so groß wie möglich zu halten. Genau deshalb versucht man in der Arche Warder diese alten Nutztierrassen zu erhalten.

 

Die Tiere der Arche Warder

Auf dem weitläufigen Gelände leben über 80 verschiedene vorm Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen. Neben zahlreichen Entenrassen, kann man in dem Arche Warder Landschaftspark auch verschiedene Schweine, Rinder, Esel, Pferde, Schafe, Ziegen und Gänse beobachten. So gibt es auch einige Rückzüchtungen von längst ausgestorbenen Nutztierrassen zu bestaunen, wie zum Beispiel dem Heck Rind, welches eine Rückzüchtung des ausgestorbenen Auerochsen ist. Leider wollte sich dieses Exemplar nicht so recht fotografieren lassen, und zeigte mir nur sein Hinterteil, welches ich als nicht so fotogen empfand. Einige interessante Tierrassen zeigten sich dagegen in ihrer vollen Schönheit, und ich fand ihre Geschichten, die man auf Infotafeln an den jeweiligen Gehegen nachlesen kann, teilweise sehr amüsant, so dass ich Euch nun einige der gefährdeten Nutztierrassen genauer vorstellen möchte.

 

Orpington Ente

Die Orpington Ente stammt aus Großbritannien und wurde dort gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus indischen Laufenten, der Aylesbury- und der Rouenente heraus, von William Cook auf dessen Farm gezüchtet. Die Eier der Orpington Ente sollen ebenso gut schmecken wie Hühnereier. Leider stehen Enteneier in Verdacht anfälliger für Salmonellen zu sein, weshalb der Verzehr stark zurückgegangen ist und somit auch der Bestand der Enten selber. Es wird übrigens empfohlen, Enteneier mindestens 10 Minuten lang zu erhitzen um sich vor Salmonellen zu schützen.

Arche Warder Kiel

Orpington Ente beim Schlafen

 

Girgentana Ziege

Die Girgentana Ziege, die ursprünglich aus Sizilien stammt und deren Bestand heute extrem gefährdet ist, erkennt man unweigerlich an ihrem prachtvollen Korkenzieher Gehörn. Aus ihrer Milch, von der sie im Jahr bis zu 450 Liter geben kann, wird Käse hergestellt, der bis heute als Delikatesse geführt wird. Ab den 1970er Jahren wurde diese Rasse von anderen Hochleistungsrassen verdrängt und nur einigen alteingesessenen sizilianischen Familien ist es zu verdanken, das diese Nutztierrasse nicht untergegangen ist.

Arche Warder bei Kiel

 

Rotbuntes Husumer Schwein

Das rotbunte Husumer Schwein ist auch als „Dänisches Protestschwein“ bekannt. Einer Legende nach, soll diese Schweinerasse nämlich aus Protest entstanden sein. Schleswig und Holstein wurden 1864 durch preußische und österreichische Truppen erobert und die dänischen Bauern durften ihre Flaggen nicht mehr hissen. Also züchteten sie aus dem Angler Sattelschwein und dem jütländischen Marschschwein diese rot weißen Husumer Schweine (ähnlich ihrer Flagge). Diese ließen sie dann in ihren Gärten herumlaufen um somit ihren Protest zum Ausdruck zu bringen.

Das eigentliche rotbunte Husumer Schwein ist leider ausgestorben. Bei der heutigen Rasse handelt es sich um eine Rückzüchtung von 1984.

Arche Warder bei Kiel

Das „dänische Protestschwein“

 

Blondes Mangalitza Wollschwein

Man könnte es auch „das kühle Blonde“ nennen, denn Kälte macht den aus Ungarn stammenden Wollschweinen nichts aus. Im Sommer hingegen benötigen sie unbedingt feuchte Stellen, in denen sie sich suhlen können um sich abzukühlen. Um 1900 gab es noch über 6 mio. dieser Tiere, die die weite Puszta Steppe in Ungarn bevölkerten. Schinken und Salami von diesem Schwein galten als hochwertige Delikatesse. Nach dem zweiten Weltkrieg allerdings gab es ein Umdenken in der Bevölkerung und man wollte wieder mageren Schinken haben. Von daher verlor das Mangalitza Wollschwein an Bedeutung, und seine heutige Existenz ist nur einer Rückbesinnung auf alte landestypische Wurstspezialitäten zu verdanken.

Arche Warder bei Kiel

Das „kühle Blonde“ aus Ungarn

 

Poitou Esel

Den ziemlich groß gewachsenen, aus Frankreich stammenden, Poitou Esel kann man immer sehr gut an seinem zotteligen Fell erkennen. Allerdings ist es nicht die größte Eselrasse der Welt, dafür aber die Schwerste. So ein Poitou kann nämlich bis zu 450 kg auf die Waage bringen und erreicht mit einer Widerristhöhe von 1,50m auch schon Pferdegröße. Der Ursprung der Rasse liegt wahrscheinlich in Nordafrika. Einigen Schriftdokumenten zufolge, sollen bereits im 10. Jahrhundert Maultiere aus Frankreich exportiert worden sein.  Maultiere sind übrigens die unfruchtbaren Nachkommen einer Pferdestute und eines Eselhengstes. Die Poitou Esel eigneten sich besonders gut zur Erzeugung von Maultieren, da sie körperlich sehr stark sind. So waren die entstandenen Maultiere stark genug, um zum Beispiel die schwere Artillerie in den napoleonischen Kriegen zu ziehen.

Arche Warder bei Kiel

 

Die Anlagen der Arche Warder

Das gesamte Areal der Arche Warder verteilt sich auf eine Fläche von 40 ha, die durch ein Wegenetz in die einzelnen Tierareale unterteilt ist. So gibt es zum Beispiel das Schweineland, in dem alle Schweinearten der Arche Warder Zuhause sind. Hier gibt es neben alten Obstbäumen, Teiche und viele Suhl- und Wühlmöglichkeiten für die Tiere, damit sie ihr natürliches Verhalten ausleben können. Auch an Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere wurde gedacht, so dass sie sich vor Wind und Wetter schützen können. Wenn man in die Augen dieser intelligenten Tiere schaut, dann sieht man eindeutig, dass sie hier ein traumhaftes Schweineleben haben!

Arche Warder bei Kiel

So sieht ein glückliches Schweineleben aus!

 

Auf den weitläufigen Weiden finden die verschiedenen Schafe, Ziegen und Pferde wunderbare Weidemöglichkeiten und viel Auslauf.

Entlang der sogenannten Trockenrasenbereiche, auf denen die Esel Zuhause sind, entdeckten wir auch eine angelegte Bienenweide, die Hummeln, Bienen und anderen Insekten ein ausreichendes Nahrungsangebot sowie Rückzugsmöglichkeiten bieten soll. Bei der heute betriebenen Landwirtschaft haben diese nützlichen Insekten kaum noch Möglichkeiten ausreichend Nahrung zu finden, denn Naturwiesen sind rar gesäht. Hier versucht man mit verschiedenen ausgesuchten Wildkräutern ein kleines Bienen El Dorado zu schaffen.

Arche Warder bei Kiel

 

Arche Warder mit Kindern

Auch Familien mit Kindern haben hier nicht nur eine interessante und informative Zeit, sowohl die Kleinen als auch die Großen können sich hier in verschiedenen Aktivitäten ausprobieren. So kann man z.B. üben eine Kuh zu melken, oder sich auf dem tollen Spielplatz mit einer Strohburg oder der Kletterspielarche vergnügen. Wer hier übernachten möchte, kann dies sogar in rustikalen Hütten oder der Ferienwohnung im Landhausstil tun.

Im Restaurant der Arche Warder kann man aus verschiedenen regionalen und frischen Produkten wählen (gleiches gilt auch für den Hofladen). Auch das selber mitgebrachte Essen kann auf den vorhandenen Picknick- und Lagerfeuerplätzen verzehrt werden.

Arche Warder bei Kiel

Wer gerne einmal versuchen möchte eine Kuh zu melken, ist hier genau richtig.

 

Weitere Informationen

Die Arche Warder liegt in Schleswig-Holstein und ist in ca. 50 Minuten von Hamburg aus mit dem Auto zu erreichen. Mit ca. 20 Minuten ist es von Kiel etwas näher dran.

Öffnungszeiten:

1. März bis 31. Oktober: täglich ab 10:00 Uhr (letzter Einlass bis 18:00 Uhr)

1. November bis 28. Februar: täglich ab 10:00 Uhr (letzter Einlass bis 16 Uhr).

Eintrittspreise:

Erwachsene 9,00 €

Kinder (4-14 Jahre) 5,00 €

Kinder unter 4 Jahren frei

Familienkarte 25,00 €

Ein kostenloser Parkplatz ist vorhanden, Hunde sind an der Leine erlaubt.


Habt ihr die Arche Warder schon einmal besucht? Was sind Eure Erfahrungen? Ich freue mich über Eure Kommentare!

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4 Kommentare

  • Antworten
    Ina von Genussbummler
    18. November 2018 an 10:51

    Ich finde solche Archen sind eine tolle Sache. Hier in der Nähe gibt es auch so eine. Da lernen nicht nur die Kinder viel über unsere „Nutztiere“ und woher manche Lebensmittel kommen. Und süß sind die ganzen Tiere ja auch noch.
    Lieben Gruss
    Ina

  • Antworten
    Auszeitgeniesser
    15. November 2018 an 12:45

    Wenn Tiere ein glückliches Leben führen dürfen finde ich es völlig legitim, wenn sie gegessen werden. Doch genau hier liegt unser Problem. Würdevolle Behandlung und damit eine lebenswerte Umwelt. Wenn jeder ein bisschen vor seiner Haustüre kehrt, dann wäre es sicher einfach der Umwelt und den Tieren zu helfen.
    Durch solche Einrichtungen erfahren Kinder auch wieder, was es bedeutet Fleisch zu essen. Denn das kommt bekanntlich nicht aus dem Supermarkt und Kühe sind auch nicht lila.

    Nebenbei, hast du dich im melken versucht?

    Liebe Grüße aus dem https://wellspa-portal.de, Katja

  • Antworten
    Wir auf Reise
    14. November 2018 an 7:55

    Liebe Miriam,
    ich bin dankbar, dass es Refugien wie den Tierpark Arche Warder gibt und ich hoffe, dass in Zukunft noch viele weitere folgen. Wenn der Mensch eines kann, dann ist es die Natur und Tierwelt nachhaltig zu zerstören. Ich bete, dass noch mehr Menschen anfangen umzudenken, dass Fleisch wieder etwas besonderes wird und dass wir endlich damit anfangen für Lebensmittel Geld auszugeben und nicht immer nur an Quantität statt Qualität denken.
    VG
    Charnette

  • Antworten
    Michelle | The Road Most Traveled
    13. November 2018 an 23:34

    Das sind ja abgefahrene Tierarten! Ich kenne keine einzige davon, würde ich behaupten.
    Den Esel finde ich richtig niedlich mit seinen Flauscheohren 🙂
    Und die Geschichten sind echt kurios.. ein Protestschwein 😀

    Liebe Grüße!
    Michelle <3

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