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Sehenswürdigkeiten im Südharz – kulturelle und historische Highlights

Sehenswuerdigkeiten-Suedharz

(ᴡᴇʀʙᴜɴɢ*) Der Harz hat uns schon auf vergangenen Reisen mit seinen kulturellen und vor allem historischen Sehenswürdigkeiten überzeugt. Überall in der reizvollen Berglandschaft und den tiefen Wäldern finden, sich Burgen oder Burgruinen, in den größeren Städten sind, meist auf einer Anhöhe gelegen, prachtvolle Schlösser zu besichtigen und die kleineren Städte und Ortschaften präsentieren sich mit hübscher Fachwerk- und für den Harz typischer Schieferarchitektur. Hinzu kommen geheimnisvolle Höhlen und erlebnisreiche ehemalige Bergwerke.

Nun durften wir drei Tage lang die kulturellen und vor allem die historischen Sehenswürdigkeiten im Südharz und einige Malerblicke entdecken.

 

Sehenswürdigkeiten und Malerblicke im Südharz

Seit Ende des 18. Jahrhunderts zog es immer mehr Maler und Künstler in die Region des Harzes. Zahlreiche Kunstwerke sind entstanden und 39 von ihnen wurden nun digital in Szene gesetzt und können von den heutigen Harz-Reisenden erwandert und entdeckt werden. So kannst Du Dich an Orte der Maler des 18. und 19. Jahrhunderts begeben und ihren Blickwinkel einnehmen. Manch ein Ort hat sich kaum verändert, andere wiederum sind kaum mehr zu erkennen.

Alle 39. Malerblicke findest Du auf der Website des Harzer Tourismus Verbandes. Damit Du auch vor Ort die Malerblicke mit den Originalen vergleichen kannst, empfehle ich Dir den Multimedia Guide.

Im Folgenden werde ich Dir verschiedene kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten im Südharz vorstellen und auch die dazugehörigen Malerblicke zeigen.

 

Kloster Walkenried – UNESCO Weltkulturerbe

Ehrfürchtig stehe ich vor der Ruine der Klosterkirche in Walkenried. Mit ihren fast 100m Länge war die gotische Kirche nach 80 jähriger Bauzeit 1290 eine der größten Sakralbauten Norddeutschlands. Auch wenn von ihr nicht mehr viel erhalten ist, kommt man sich als kleiner Mensch neben den noch empor ragenden Überresten irgendwie klein und bedeutungslos vor.

Die Ruine der Klosterkirche Walkenried

 

1127 stiftete eine Frau, nämlich Adelheid von Walkenried die im Südharz gelegene Abtei. In der Blütezeit des Klosters arbeiteten und lebten dort rund 100 Mönche. Bemerkenswert finde ich die wirtschaftliche Bedeutung des Klosters, denn sie hatte einen großen Grundbesitz und Anteile am Bergbau im Oberharz.

Mitte des 14. Jahrhunderts gingen die Einkünfte aus dem Montanwesen zurück. Die Pest und zahlreiche Überfälle auf das Kloster führten zu einer großen Krise. Die durch die Bauernkriege 1525 hervorgerufenen Zerstörungen sowie die Auswirkungen der Reformation führten schließlich zum gänzlichen Niedergang des Klosters.

Die Klostergebäude zerfielen und dienten ebenso wie die Kirche als Steinbruch und wurden abgetragen. Heute kannst Du Dich im 2005 errichteten multimedialen Zisterziensermuseum Walkenried über die wechselvolle Geschichte informieren.

Seit 2010 gehört die Klosteranlage übrigens zum UNESCO Weltkulturerbe “Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“.

 

Kulturelles Highlight: die Klosterkonzerte in Walkenried

Ein tolles Erlebnis mit historischem Ambiente sind die Walkenrieder Kreuzgangkonzerte die seit 1983 jährlich stattfinden. An unserem Wochenende spielte dort Götz Alsmann & Band. Im ehemaligen Kloster finden dann wahlweise im Kreuzgarten oder im doppelschiffigen Kreuzgang Lesungen oder Konzerte statt.

 

Der Malerblick auf die Klosterruine Walkenried

Der Malerblick 32 zeigt ein Gemälde von Carl Hasenpflug aus dem Jahre 1839. Er malte die Ruine im Schnee sowie Caspar David Friedrich schon viele Jahre zuvor. Es gab zu der Zeit tatsächlich einige sehr kalte Winter. heute ist die Ruine zwar nicht mehr bewachsen aber ihre romantische Ausstrahlung hat sie nie verloren.

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Malerblick 32 von Carl Hasenpflug

 

Übernachtungstipp beim Kloster Walkenried : das Klosterhotel Walkenried

Das süße Klosterhotel Walkenried befindet sich in einem historischen Gebäude, welches einen gleich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit mitnimmt. Immerhin ist das Haus bereits 350 Jahre alt. Mit nur 15 Zimmern ist es klein und individuell aber mit ganz viel Liebe und Leidenschaft geführt. Das durften wir auch beim  vegetarisch/veganem Frühstücksbuffet erleben, bei dem zudem auch darauf geachtet wird, dass so viele Speisen wie möglich das Bio-Siegel tragen.

Zum Klosterhotel gehört auch das Kloster Café, welches sich unmittelbar neben dem Haupteingang ins Zisterzienserkloster befindet.

 

Rundgang durch Ellrich- die nördlichste Stadt Thüringens

Ellrich ist mit seinen etwas über 3.000 Einwohnern eher eine Kleinstadt mit besonderem Charme. Die Stadt wurde 876 das erste Mal urkundlich erwähnt. Es folgten einige Stadtbrände und die Pest, mit der die Menschen im Laufe der Geschichte fertig werden mussten.

Mit Eröffnung der Eisenbahnstrecke zwischen Nordhausen und Northeim 1869 kam der wirtschaftliche Aufschwung. Bei einem kleinen Stadtrundgang mussten wir allerdings feststellen, dass viele Straßenzüge dem Verfall überlassen sind. Als Archäologin blutet mir immer das Herz, wenn ich das alte Fachwerk der Häuser so “nackig” sehe, wie es den Elementen ausgesetzt ist.

Andere Straßenzüge, z.B. entlang dem Fluss Zorge wiederum sehen besser aus. Aber auch hier stehen zwischen liebevoll wieder hergerichteten Häusern, gleich nebenan solche, die mit blinden Fensterscheiben und bröckelnder Fassade ein trauriges Dasein fristen.

Auch vom Zerfall geht eine gewisse Faszination aus

 

Historische Sehenswürdigkeiten in Ellrich

Bei einem Bummel durch die Stadt, kannst Du noch umfangreiche Reste der einstigen Stadtmauer (in der Straße Am Stadttor), einen Turm (in der Ravenstraße) sowie ein früheres Tor (zwischen Salzmarkt und Wernaer Tor) entdecken. Außerdem findest Du zahlreiche Stolpersteine, die die traurige Geschichte der jüdischen Bevölkerung Ellrichs erzählen.

Etwas außerhalb des Stadtzentrums, auf dem Weg zur Frauenkirche befindet sich noch das Feuerwehrmuseum Ellrich mit dem weithin gut sichtbaren Turm.

Wer sich für die Stadtgeschichte interessiert, dem empfehle ich, neben einem Bummel durch die Stadt, das Stadt- und Heimatmuseum Ellrich im ehemaligen Hospitalgebäude.

 

Frauenkirche Ellrich

Die kleine Kirche St. Marien, auch Frauenbergkirche genannt, steht auf dem kleinen Frauenberg in Ellrich, der nördlichsten Stadt in Thüringen. Die Geschichte der Kirche reicht bis ins Jahr 876 zurück. Damals war der Kirchenbau vermutlich aus Holz, wie so viele Kirchen in dieser Zeit. Der Bau, der heute noch zu sehen ist stammt aber aus dem 15. Jahrhundert. Eigentlich stehen Kirchen immer recht präsent im Zentrum einer Stadt. Die hübsche Frauenkirche muss man hingegen schon suchen, denn der dichte Baumbestand des Frauenberges verdeckt eine direkte Sicht auf das Gebäude. Nur hier und da lässt sich ein kurzer Blick erhaschen.

 

Malerblick auf die Frauenkirche in Ellrich

Der Malerblick 34 hat mir besonders gut gefallen, denn die kleine Kirche ist im Vergleich zum Gemälde des Malers Heinrich Litzmann von 1854 bis heute so gut wie unverändert. Ein in sich ruhender Ort, der kaum besucht wird. Ein Blick ins Innere der Kirche blieb uns aber leider verwehrt, vermutlich weil, zumindest laut einem Schild, ein Teil der Kirche mittlerweile vom Einsturz gefährdet ist.

Heinrich Litzmann mochte diesen ruhigen Ort offensichtlich sehr, so dass er ihn auf seinem Ölgemälde verewigte und es der Kunsthalle Kiel schenkte.

 

KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Die KZ Gedenkstätte Mittelbau-Dora liegt nur etwa 20 Autominuten von Ellrich entfernt. Besonders sehenswert sind neben dem Museum und der Anlage selber die Stollenanlage der unterirdischen Rüstungsfabrik Mittelwerk GmbH. Hier wurden die V2 Raketen und die V1 Flugbombe durch die Ausbeutung der Häftlinge produziert. Die Stollenanlagen sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Dieser Ort hat nicht nur mich einmal wieder sehr bewegt.

 

Ilfeld – Kleinod mit Historie

Der landschaftlich sehr schön gelegene Ort Ilfeld ist ein Ortsteil der Gemeinde Harztor im Landkreis Nordhausen (Thüringen). Dort wurde um 1100 auf dem heutigen Burgberg die Ilburg errichtet. Heute ist von der einstigen Burganlage mit Ringwall und Burggraben nicht mehr viel erhalten und es braucht schon etwas Phantasie, um sich das einstige Gebäude vorstellen zu können.

So sah die Ilburg einmal aus.

 

Malerblicke Ilfeld

Der Malerblick 35 vom Burgberg auf den Ort Ilfeld blieb uns verborgen, da sich der Baumbestand, im Gegensatz zum Jahr 1759, aus dem die Radierung von Johann Ludwig Meil stammt, erholt hat. So konnten wir nur erahnen, wo sich der Künstler einst befand, als er seine Radierung anfertigte.

Hier ist Phantasie gefragt…

Etwas mehr Glück hatten wir dann bei der Suche nach dem Standort von Adrian Ludwig Richter, als er seine Skizze für den Stahlstich anfertigte. Er hatte sich dafür nämlich den schön angelegten Kurpark ausgesucht. Zwar war auch damals das Gelände noch unbebaut, allerdings kann man sich heute mit ein bißchen Phantasie sehr gut vorstellen, wie es hier zu Zeiten der Heuernte wohl ausgesehen haben mag.

 

Bad Sachsa

Die Kleinstadt am südlichen Rand des Harzes hat uns mit ihrem hübschen und sehr gepflegten Zentrum sehr gefallen. Neben alten Fachwerkbauten tummeln sich prächtige Jugendstilvillen. Direkt im Zentrum befindet sich das älteste noch erhaltene Gebäude der Kleinstadt, der Turm der heutigen St. Nikolai Kirche. Zwischen 1180 und 1200 wurde er erbaut und trotzt seit dem allen Widrigkeiten.

 

Museen in Bad Sachsa

Besonders toll, und gerade für Familien ein absolutes Highlight, ist das NatUrzeitmuseum Bad Sachsa mit seiner Dinosaurierausstellung. Dort erfahren nicht nur die kleinen Besucher sehr anschaulich etwas über die bewegte geologische Vergangenheit des Südharzes. (Geöffnet Montag bis Freitag 9-17 Uhr, Samstag und Sonntag von 14-17 Uhr).

Das NatUrzeitmuseum in Bad Sachsa

 

Ein weiteres Museum ist das Grenzlandmuseum Bad Sachsa. Hier erfährst Du allerhand über die Teilungsgeschichte Deutschlands von 1945 bis 1990. (Geöffnet von März bis Dezember am Mittwoch, Freitag, Samstag und Sontag von 13-17 Uhr.)

 

Weitere kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten im Harz

Janett von Teilzeitreisender hat sich z.B. auf die Suche nach Malerblicken rund um ihre Heimatstadt Sangerhausen gemacht.

Die Burgdame Eva war ebenfalls im Südharz unterwegs und hat dabei die kulturellen und historischen Sehenswürdigkeiten sowie die Malerblicke rund um Nordhausen entdeckt.

Eine Wanderempfehlung: Wandern auf dem Klosterwanderweg von Thale nach Goslar

Die schönsten Burgen und Schlösser im Harz, die man sich nicht entgehen lassen sollte findest Du in einem separaten Artikel von uns.


*Offenlegung: Wir wurden zu dieser Reise vom Harzer Tourismusverband e.V. eingeladen. Vielen Dank für die gute Organisation und die schöne Zeit. Unsere Meinung bleibt wie immer unsere eigene!

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