Hamburg Norddeutschland

Segeln auf der Elbe mit der Rigmor von Glückstadt

Rigmor von Glückstadt

Sie fällt schon auf, die alte Dame mit dem dänischen Mädchennamen RIGMOR, wie sie da so im Außenhafenbereich von Glückstadt an der Kaimauer liegt. Mir fallen sofort die Seitenschwerter auf, die zur zusätzlichen Stabilisierung des Schiffes beim Segeln dienen. Ihr dunkles Außenholz schimmert stimmungsvoll in der Sonne, und an Bord wird schon fleißig gearbeitet als wir die steile Leiter mit unseren Kamerarucksäcken auf den schmalen schwankenden Ponton hinuntersteigen. Ein kleines bißchen sportlichen Einsatz braucht man schon um an Bord zu gelangen.

Die Stimmung ist herzlich, man ist sofort per-Du, sowohl mit den übrigen Gästen als auch mit der Besatzung. Ich versuche mir alle Namen zu merken, was mir aber besonders bei den Gästen am Ende dann doch misslingt. Als alle an Bord sind, auf der Elbe dürfen das inkl. Besatzung nicht mehr als 20 Personen sein, gibt Reiner, der Skipper, das Zeichen und wie auf Kommando frischt der Wind etwas auf. Perfektes Segelwetter auf der Elbe.

Wir schippern zunächst noch mit Motor, rechte Hand liegt nun Glückstadt und die Fähre nach Wischhafen kreuzt unseren Weg. Um die Insel Rhinplate herum geht es ins Hauptfahrwasser der Elbe. Gegen die großen Pötte wirken wir winzig klein. Schon die Wellen der Glückstadtfähre bekommen wir gut zu spüren. Bei den großen Pötten ist es dann noch etwas mehr.

Rigmor von Glückstadt

Die Segel werden gehisst, immerhin 129m², die Gäste dürfen selber mit Hand anlegen, Köpfe müssen eingezogen werden, wenn sich der Baum über die Schiffsseite bewegt. Sobald die Arbeit erst einmal getan ist, wird es an Bord etwas ruhiger. Aus der kleinen Schiffskombüse werden Kaffee und Kuchen gereicht. Es ist eng da unten, aber zu zweit lässt es sich auch gut arbeiten. „Übrigens gibt es in der Kombüse auch zwei Kojen, die bei Bedarf und längeren Fahrten auch genutzt werden“ erzählt mir Tina, die seit vier Jahren als Ehrenamtliche auf der RIGMOR mitsegelt und hier den Spitznamen „Tina von RIGMOR“ trägt.

Die Kontaktaufnahme zur Besatzung ist ausdrücklich erwünscht, und so kommen Tina und ich ins Gespräch. Sie erzählt mir von Heiratsanträgen und Hochzeiten an Bord aber auch von Nachwuchsproblemen im Ehrenamt, denn die Alte Dame RIGMOR ist pflegebedürftig. Ihre Rente muss sie sich durch das Befördern von Passagieren sozusagen selber verdienen. Im Winter liegen hauptsächlich Reparatur- oder Pflegearbeiten an wie z.B. das Lackieren des Mastes, das hätten sie noch nicht geschafft, sagt Tina.

Ob die Besatzung bei einer Fahrt schon mal in eine gefährliche Situation geraten ist, will ich noch von ihr wissen. „Das Schiff ist schon mal aufgelaufen. Da hieß es dann abwarten und heiße Suppe essen“ erfahre ich von ihr. Obwohl wir für den Ernstfall alle automatische Schwimmwesten tragen beruhigt mich ihre Aussage, dass die RIGMOR sehr erfahrene Skipper hat und es noch nie ernsthafte Zwischenfälle gab.

Und schon wird sie wieder gerufen und muss mit anpacken. In der Zwischenzeit genießen wir den frischen Wind, der uns um die Nase weht und die vorbeiziehende Elbuferlandschaft. Wir haben viel Glück mit dem Wetter, aber sollte es regnen, ist in der Kajüte unter Deck ebenfalls Platz für die Gäste. Direkt am Heck des Schiffes finden wir ein Plätzchen, direkt hinter dem Skipper und der Pinne, und können somit in der Sonne sitzen und uns mit einigen anderen Gästen an Bord unterhalten.

Rigmor von Glückstadt

Rigmor von Glückstadt

Rigmor von Glückstadt

Wir kommen gut voran, aber irgendwann muss auch beim schönsten Segeltörn der Rückweg angetreten werden. Leider hat der Wind so nachgelassen, dass wir kaum von der Stelle kommen. Da wird dann entschieden die Segel einzuholen und mit dem 64 PS Motor den Heimweg anzutreten. Noch einmal sind alle an Bord gefordert, Köpfe müssen wieder eingezogen werden, die Gäste werden zum Teil auf den hinteren Teil des Segelschiffes gebeten.

Armin beim Festmachen des Vorsegels

Mit fast einer Stunde Verspätung laufen wir wieder im Hafen von Glückstadt ein. So ist das halt, denn auf den Zeitpunkt genau zurückkehren ist schwer, da man von Wind und Wetter beeinflusst ist. Aber das scheint auch niemanden zu stören, ganz im Gegenteil, alle Gäste an Bord sind begeistert von der schönen Fahrt und der netten Crew.

Auch mir, der Landratte, hat es unglaublichen Spaß gemacht und beim Verlassen des Schiffes beschließen Tina und ich, dass wir uns auf der RIGMOR wiedersehen werden.

Die Geschichte der alten Dame RIGMOR

Bei Wind und Wetter kreuzte der Zollkreuzer No.5 ab 1853 mit ein paar Mann Besatzung vor der Küste Amrums, das damals noch zu Dänemark gehörte und kontrollierte im Auftrag des königlich dänischen Finanzministeriums andere Schiffe. Um auch in flachen Gewässern schnell segeln zu können, hatte der Zollkreuzer einen flachen Rumpf verpasst bekommen. Außerdem gab es sogar eine leichte Kanone, eine sogenannte Falconette an Bord.

Als die Preußen über Dänemark siegten wurde der Zollkreuzer ausgemustert. Der ehem. Kapitän des Seglers hatte wohl ein Herz für dieses Schiff und ersteigerte es 11 Jahre nach seiner Erbauung und nutzte es fortan als Frachtsegler.

1917 wurde aus dem schönen Segler ein Steinfischer mit dem Namen RIGMOR. Das sind Schiffe, die mit wenig Tiefgang für z.B. Baggerarbeiten eingesetzt werden um große Findlinge zu bergen, die dann als Baumaterial für Molen und Hafenbefestigungen dienten. So krachten dann nach und nach die großen Steine auf das schöne Holzdeck des Schiffes.

Nur der ständigen Pflege der verschiedenen Eigner über die Zeiten hinweg ist es wohl zu verdanken, dass die RIGMOR bis zum heutigen Tag überlebt hat. 1992 wurde sie dann von dem eigens gegründeten Förderverein gekauft und nach Originalplänen 10 Jahre lang aufwendig rekonstruiert und restauriert. Von 1853 stammt wohl so gut wie kein Teil des Schiffes mehr, denn es wurde ja stetig umgebaut und erneuert. Seinem Charme tut das aber keinen Abbruch.

Fahrten auf der RIGMOR können über den Förderverein RIGMOR von Glückstadt e.V. gebucht werden.

Weitere Tipps für Aktivitäten auf und am Wasser findest Du bei den anderen Hamburg Botschaftern, z.B. bei Tanja (Ausflug zur Elbinsel Lühesand), bei Marina (Erlebnistörn mit der Mare Frisium) und bei den Zwillingen von travelinspired (Hamburg vom Wasser aus).


*Offenlegung: Die Fahrt mit der RIGMOR haben wir selber bezahlt. Im Auftrag von Hamburg Marketing sind die Reiseblogger Hamburg als Hamburg-Botschafter unterwegs. Die Mission: Findet in der Metropolregion Hamburg die coolsten und schönsten Ausflugsideen, Aktivitäten und Veranstaltungen an, im und rund ums Wasser. Im Gegenzug werden wir dafür bezahlt. Unsere persönliche Meinung wird durch diese Kooperation nicht beeinflußt, denn wir schreiben authentische Reiseberichte.

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9 Kommentare

  • Antworten
    Selda
    24. September 2018 an 20:59

    Liebe Miriam,

    diese Tour stelle ich mir richtig toll vor. Ich glaube, da hätte ich auch viel Spaß mit so einem schönen Schiff zu segeln. Ist auch beruhigend, wenn man erfährt, dass die Rigmor noch nie ernsthafte Zwischenfälle gehabt hat. Deine Fotos sind richtig toll geworden, so lebendig. Toller Bericht danke dafür.

    Liebe Grüße, Selda

  • Antworten
    Kathi
    24. September 2018 an 17:47

    Liebe Miriam,
    was für ein schöner Bericht. Das klingt nach einem tollen Ausflug. Und die Bilder zeigen, dass ihr Spaß hattet. 🙂 Toll.
    Ich merke mir das mal als Ausflusgtipp für Hamburg. 😉

    Viele liebe Grüße
    Kathi

  • Antworten
    Michelle | The Road Most Traveled
    17. September 2018 an 22:23

    Oh, das klingt nach einem sehr erlebnisreichen und spannenden Trip!
    Ich bin selbst noch nie gesegelt, stelle mir das aber ziemlich cool vor!

    Liebe Grüße,
    Michelle von The Road Most Traveled

  • Antworten
    Ta nja
    17. September 2018 an 19:58

    Liebe Miriam,
    was für ein wunderschönes Schiff. Mein Mann hat erst kürzlich den Segelschein gemacht… dieses Schätzchen würde ihm bestimmt super gefallen. Ihr habt so tolle Bilder gemacht… einfach toll.
    Liebe Grüße, Tanja

  • Antworten
    Marina
    12. September 2018 an 20:56

    Sehr schöner Bericht und durch die Bilder bekommt man richtig Lust das auch zu machen! Aber musstet (durftet) ihr auch mit anpacken?

    • Antworten
      Miriam
      12. September 2018 an 21:03

      Hallo Marina,
      also man MUSS natürlich nicht, man darf wenn man möchte! Ich wollte eigentlich auch, aber es muss ja auch jemand Fotos machen 😉
      Lg Miriam

  • Antworten
    Sanne
    11. September 2018 an 19:51

    Toller Beitrag über die „alte Dame „. War bestimmt ein beeindruckendes Erlebnis!
    Viele Grüße von Sanne

    • Antworten
      Miriam
      11. September 2018 an 23:06

      Hallo Sanne,
      ja, das war es wirklich! Es war eine ganz tolle Erfahrung.
      Lg Miriam

  • Antworten
    Elbe Erlebnistörn - Hamburg vom Wasser aus | Travelinspired
    11. September 2018 an 7:24

    […] auf der Elbe mit der Rigmor ab […]

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