Archäologie und Geschichte Dänemark

Die Runensteine von Jelling

Wir schreiben das Jahr 965 n.Chr.

Harald I. „Blauzahn“ Gormsson der von ca. 958 bis 985 König von Dänemark und von ca.970 bis 975 König von Norwegen war, schwor den nordischen Göttern ab und bekannte sich zum Christentum. Wie es sich für einen König gehört, musste dieses Ereignis natürlich für alle Zeiten festgehalten werden. So ließ er sein Bekenntnis auch gleich in Stein meißeln und verewigen.

Außerdem ließ er für die Nachwelt festhalten, dass er selbst Dänemark und Norwegen erobert habe, und die Dänen zum Christentum geführt habe.

 

Der große Runenstein von Jelling

Der Stein zeigt Runen sowie Tierdarstellungen und ein Abbild von Jesus Christus

 

Der große Jellingstein zeigt auf der einen Seite nur Runeninschriften, auf der anderen Seite ein nicht eindeutig zu identifizierendes Tier, welches Elemente eines Löwen, Drachen oder auch Greifs hat. Dieses schwer zu identifizierende Tier wird von einer Schlange umrahmt.

Eine weitere Seite zeigt das Relief von Jesus Christus. Allerdings nicht in der typischen Darstellungsweise als fast nackter gekreuzigter, sonder bekleidet und in einem Baum des Lebens dargestellt.

 

Der kleine Runenstein von Jelling

Der kleine Runenstein von Jelling errichtet von Gorm dem Alten

 

Der kleinere Runenstein, den sein Vater Gorm der Alte, ein paar Jahre zuvor hat aufstellen lassen trägt die Inschrift, dass König Gorm dieses Totenmahl für seine Frau Thyra hat errichten lassen, Dänemarks Zierde. Damit ist es zugleich die älteste Erwähnung des Ländernamens und wird als Geburtsurkunde Dänemarks gesehen.

Wo genau der Stein ursprünglich stand ist nicht bekannt. Errichtet wurde er vermutlich um 940-955 n.Chr. Es wird angenommen, dass er einst neben Gorms Schiffsgrab stand. Laut einer Beschreibung des damaligen Statthalters des dänischen Königs von 1591 stand der Stein auf dem Nordhügel, bevor er um 1600 vor der Kirche platziert wurde.

Gorm ist Begründer der Jelling Dynastie gewesen, seiner Frau Thyra wird die Errichtung des Dannewerks zugeschrieben, welches Du heute zum Teil bei Haithabu in Schleswig-Holstein besichtigen kannst.

 

Die Schiffssetzung von Jelling

Schiffssetzung von Jelling

 

Zunächst konnte man die Steine, die man bei Ausgrabungen immer wieder fand, nicht zuordnen, da einige Steine in der Aneinanderreihung fehlten. Zudem wurden immer nur Teile des Areals ausgegraben, so dass man erst das Puzzle aus vielen Einzelteilen erst  zusammensetzen musste.

Bei der Ausgrabung des Südhügels entdeckte man große Steine, die in einer Reihe standen und sich unter dem Hügel befanden. Somit sind sie älter zu datieren als der Grabhügel.

Nach fast 240 Jahren und zahlreichen kleineren und größeren Grabungen stand am Ende fest: die Steine gehörten zu einer riesigen Schiffssetzung aus Stein, 356m lang und 80m breit aus der Zeit von Gorm dem Alten. Sie ist die größte ihrer Art und fast viermal so groß wie die Schiffssetzungen auf Seeland.

Heute wurden zur Veranschaulichung diese Steine durch moderne Platten ersetzt, so dass die Form eines Schiffsrumpfes deutlich zu erkennen ist.

 

Die Grabhügel

Der nördliche und der südliche Grabhügel mit Feldsteinkirche in der Mitte

 

Im Nordhügel wurde eine Doppelgrabkammer gefunden, die allerdings bei der Grabung 1820 weitgehend leer war. Dendrochronologische Untersuchungen er Baumstämme an der Grabkammer konnten ein Fälldatum der Stämme um 958/959 ergeben, was wiederum mit dem Sterbedatum von Gorm dem Alten übereinstimmt.

Nur wenige Jahre später öffnete man den Grabhügel und die Grabkammer von oben, entnahm die Knochen, kochte sie aus und platzierte sie unter einer in der Nähe errichteten Holzkirche, die an jenem Ort stand, an der sich heute die Steinkirche von Jelling befindet.

Es wird allgemein angenommen, dass Harald Blauzahn, der ja zum Christentum konvertierte, die Knochen seines Vaters in die Kirche umbetten ließ.

Was mit den Überresten von Thyra geschah bleibt ungeklärt. Vielleicht waren sie bereits zu verfallen um sie umzubetten (Thyra starb bereits vor ihrem Mann) oder aber eine Umbettung in die christliche Kirche kam nicht in Frage, da Thyra das Christentum ablehnte.

Der Südhügel hingegen diente nie als Grabhügel. Es wird vermutet, dass er im Auftrag Harald Blauzahns aufgeschüttet wurde, um seiner Mutter zu gedenken, die demnach anderswo verstarb und beigesetzt wurde. Vielleicht diente der Südhügel aber auch als Thingplatz (einem Ort an dem Volks- und Gerichtsversammlungen stattfanden).

 

Die Kirche von Jelling

Eine der ältesten Feldsteinkirchen Dänemarks

 

Die Kirche von Jelling wurde um 1100 n.Chr. erreichtet und gehört zu den ältesten Steinkirchen Dänemarks. Am selben Ort befand sich zuvor eine Holzkirche, die von Harald Blauzahn um 965 n.Chr. errichtet wurde.

Sie liegt genau zwischen den beiden Grabhügeln.

In der Nähe des heutigen Chorbogens der Feldsteinkirche, und somit in der Mitte der hölzernen Vorgängerbauten, wurde eine hölzerne Grabkammer entdeckt, die die Überreste von vermutlich Gorm des Alten, sowie kostbare Grabbeigaben enthielt.

Weitere Informationen

Informationen zum Jelling-Projekt und den wissenschaftlichen  Arbeiten

Für einen Besuch empfiehlt sich die Seite des Erlebniscenter Kongernes Jelling

Hier findest Du weitere Artikel zu den UNESCO Welterbestätten der Welt

 


Kirche, Grabhügel und die Runensteine wurden 1994 als Ensemble von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

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