Kulinarisches Madeira (Portugal)

Madeira kulinarisch – Von Espada, Bolo de Mel und Poncha

Madeira kulinarisch

Die traditionelle Küche Madeiras ist eher deftig, denn sie musste die schwer arbeitende Bevölkerung der Insel ernähren. Die feien kulinarischen Noten haben sich erst mit der Zeit entwickelt, in der Madeira zur Urlaubsinsel der Wohlhabenden wurde.

Fisch- und Fleischesser, aber auch Vegetarier kommen hier auf ihre Kosten.

Als Vegetarier esse ich normaler Weise auch keinen Fisch. Da ich aber zur Zeit als wir auf Madeira waren im 7. Monat schwanger war, habe ich auch ab und zu mal Fisch gegessen. Die Fleischgerichte wurden vom Mann getestet und als sehr gut empfunden.

 

Fischgerichte auf Madeira

Espada

Espada ist eigentlich der Begriff für den Degen des Matadors. Hier aber bezeichnet er den ca. 1,6 m langen schwarzen Degenfisch, der in der Tiefsee lebt und der auf Madeira überall gekauft und gegessen wird. Er kommt frisch auf den Teller und sein festes weißes Fleisch schmeckt relativ neutral. Häufig findet man ihn mit Tomaten und reichlich Knoblauch auf den Speisekarten. Ich allerdings empfehle Euch ihn mit Banane (ja richtig!) zu essen. In einigen Lokalen wird der Fisch mit einer gebratenen Banane und Maracuja-Sauce serviert. Das ganze Gericht bekommt dadurch einen karibischen Hauch (wirklich unglaublich lecker).

Madeira kulinarisch

Der schwarze Degenfisch…

Fisch mit Banane auf Madeira

…schmeckt mit Banane und Maracuja besonders gut.

 

Bacalhau

Bacalhau ist Stockfisch und weit über Madeira hinaus bekannt und auch in Portugal sehr beliebt. Es ist gesalzener und getrockneter Kabeljau, der mit vielen verschiedenen Zutaten geschmort wird. Wir hatten ihn in verschiedener Zubereitung gegessen (einmal gegart und einmal in Form einer Fischfrikadelle) und uns war er zu salzig, aber das ist wohl Geschmackssache.

Küche auf Madeira

Bacalhau Fischfrikadelle

 

Lapas

Lapas sind Napfschnecken, die man mit viel Kräueterbutter und Kräutern gegart serviert bekommt. Sie sind eine lokale Spezialität und stehen bei vielen Restaurants auf der Karte. Da der Mann (und ich sowieso nicht) kein Schnecken-Fan ist, haben wir die Lapas ausgelassen.

 

Fleischgerichte auf Madeira

Espetada

Am bekanntesten ist wohl der Fleischspieß Espetada. Traditionell wird das Rindfleisch auf lange Lorbeerspieße gespickt, mit groben Salz, Knoblauch und Lorbeerblättern gewürzt und über dem offenen Feuer gegart. In Restaurants bekommt man das Fleisch meist auf langen Metallspießen serviert. Diese werden über einem an einer langen Stange aufgehängt, so dass der Saft des Fleisches dann an dem Spieß herunter in eine kleine Schale tropfen kann. Im Grunde genommen ein riesiger Schaschlik Spieß aus purem Fleisch. Espetada darf auf keinem größeren Fest fehlen, und oft haben wir die Fleischspieße aus Lorbeerholz in den Gärten der Einheimischen gesehen, wenn sie gerade ein Fest mit Freunden und Familie gefeiert haben.

 

Beilagen auf Madeira

Milhos fritos

Milhos fritos sind frittierte Polentawürfel, häufig leicht gewürzt, die man sich zu vielen Gerichten dazu bestellen kann. Häufig isst man die Milhos fritos zu Espetada oder dem schwarzen Degenfisch. Für Vegetarier sind sie ebenfalls sehr gut als Sättigungsbeilage zu empfehlen.

frittierte Polenta auf Madeira

 

Bolo do Caco

Das Bolo do Caco isst man auf Madeira als Appetizer vor dem Hauptgericht, oder auch mal als Snack zwischendurch. Es ist ein flaches rundes Brot in Form eines Kuchens (portugiesisch: bolo), das auf einem flachen Basaltstein gegart wird (portugiesisch: caco). Zu den Hauptgerichten wird es meistens mit einer Knoblauchbutter serviert.

Knoblauchbrot auf Madeira

Bolo de Caco mit Knoblauchbutter, ein Klassiker.

 

Exotische Früchte

Exotische Früchte bekommt man auf Madeira auf nahezu jedem Markt. Am bekanntesten ist der Mercado dos Lavradores in der Hauptstadt Funchal. Hier findet man ein reichhaltiges Angebot an tropischem und subtropischem Obst und Gemüse. Aber Achtung: die Preise sind hier höher als in Deutschland! Ich habe es genossen die bunten Früchte zu fotografieren und mir wurden auch einige zum Probieren angeboten. Daher wollte ich so fair sein, und auch etwas kaufen. Am Ende zahlte ich für 4 verschiedene Maracujas 12€!!! Das gesamte Obst kann man auch bei kleineren Händlern außerhalb des Marktes für einen Bruchteil des von mir gezahlten Preises kaufen. Also lasst Euch nicht über´s Ohr hauen!

Am interessantesten fand ich den Geschmack der (so wurde sie mir angepriesen!) „Ananasbanane“. Jeder Botaniker schlägt jetzt wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen, denn so eine Pflanze gibt es gar nicht. Geschmeckt hat der grüne Kolben trotzdem nach Ananas und Banane. Die Frucht heißt eigentlich Monstera (auf deutsch „Fensterblatt“).

Madeira kulinarisch

Madeira kulinarisch

Die exotischen Früchte laden zum Probieren ein.

 

Getränke

Nikita

Nikita stammt aus dem Fischerörtchen Câmara de Lobos, in der Nähe der Hauptstadt Funchal, und wird dort in Bars und Restaurants serviert. Hauptsächlich wird das Getränk von Frauen getrunken und der Mann wurde von mir gewissermaßen „gezwungen“ den Drink zu probieren, da die ursprüngliche Version mit Bier gemacht wird (aufgrund meiner damaligen Schwangerschaft fiel Alkohol natürlich weg). Für mich gab es die alkoholfreie Variante, die als Erfrischungsgetränk in der Mittagshitze sowieso besser geeignet war.

Nikita besteht ursprünglich aus Bier, gemischt mit Vanilleeis und Ananassaft und -stückchen.

In den alkoholfreien Fällen wird das Bier auch durch Orangen- oder Zitronenlimonade ersetzt, und bildet somit ein wunderbares Erfrischungsgetränk. Auch wenn die Mischung mit Bier und Vanilleeis zunächst etwas seltsam erscheint, selbst der Mann war angetan und fand es sehr lecker!

traditionelles Getränk auf Madeira

 

Poncha

Ein Getränk, welches wirklich überall auf der Insel in kaltem oder heißen Zustand getrunken wird, ist Poncha. Poncha wird von einigen Einheimischen auch als Medizin bezeichnet. Es besteht aus Zuckerrohrhonig (mel de cana), Zuckerrohrschnaps (aguadente), und Zitronensaft oder Maracujasaft. Gemixt wird das Getränk traditionell mit einem Holzquirl. Als Mitbringsel für Zuhause empfehle ich die meist aus Plastik bestehenden Flaschen aus den Supermärkten.

Madeira kulinarisch

fertiger Poncha und Zuckerrohrschnaps

 

Madeirawein

Der Madeirawein ist kein gewöhnlicher Wein, sondern ein höher prozentiger, mit Branntwein angereicherter, Likörwein (daher auch nur in geringen Mengen genießen). Sein Alkoholgehalt kann zwischen 17% und 22% variieren. Es ist übrigens der wohl einzige Wein, den man stehend lagern sollte. Den Madeirawein trinkt man als Aperitif, zum Nachtisch oder auch zum Kaffee. Seine Entstehung verdankt er übrigens einem Zufall. Eine Ladung Wein wurde im Jahr 1700 in der damals britischen Kronkolonie Hongkong nicht akzeptiert, und musste zurück geschifft werden. Man ging davon aus, das der Wein durch die lange Seereise verdorben war, nahm der Form halber aber noch eine Probe. Zum Erstaunen aller stellte sich heraus, dass der Wein an Qualität gewonnen hatte. Nur den Grund konnte man rund 100 Jahre lang nicht erfassen. War es die salzige Seeluft oder das Salzwasser, welches durch die Fässer drang, die Tatsache, dass der Wein in den Fässern hin und her geschaukelt wurde oder vielleicht auch die Wärme der Tropen? Es stachen viele Schiffe einer eigenen Flotte, die sogenannten Madeira Shippers, mit dem Wein in See und man versuchte den Grund der Qualitätssteigerung herauszufinden. Am Ende war es tatsächlich die Erwärmung, die zum außergewöhnlichen Geschmack führte.

Auch zum Kochen und Backen eignet sich der Madeirawein sehr gut und er darf in keinem Originalrezept des Bolo de Mel fehlen!

Madeira kulinarisch

Kleine Aufmerksamkeit unseres Airbnb hosts: Madeirawein und Maracuja Kekse

 

Nachspeisen

Pastéis de nata (mit Maracuja)

Die kleinen mit Pudding gefüllten Blätterteigtörtchen wurden vermutlich im 18. Jh. im Hieronymus-Kloster in Belém in Lissabon hergestellt. Nachdem das Kloster irgendwann geschlossen wurde, verkauften die Mönche das Rezept an eine Zuckerraffinerie. Die Füllung besteht aus Eigelb, Zucker, Milch und Mehl. Auf Madeira gibt es die Pastéis de nata häufig auch mit Maracuja (unbedingt probieren in der Boutique Lido, Estrada Monumental 294 in Funchal)

 

Queijadas (Madeira Käsekuchen)

Die Queijadas kommen ursprünglich aus Sintra in Portugal und werden auf Madeira mit cremigem Frischkäse, Eiern und Zucker hergestellt. Die meist Handteller großen Kuchen lassen sich auch prima als Snack mit auf Wanderungen nehmen. Die besten haben wir ebenfalls in der Boutique Lido gegessen.

Käsekuchen auf Madeira

 

Bolo de Mel

Auch der Bolo de Mel (Honigkuchen) und die Honigkekse sind sehr beliebt. Der Bolo de Mel, Madeiras älteste Süßigkeit, stammt aus den Zeiten, als die Insel ein bedeutender Zuckerhersteller war und steht traditionell mit Weihnachten in Zusammenhang. Allerdings kann man den Kuchen weit über Weihnachten hinaus auf der Insel genießen. Auch er eignet sich wunderbar als Mitbringsel für Zuhause, da er sich sehr lange hält. Wer die etwas kleinere Variante bevorzugt, der sollte die Broas de Mel probieren (Honigkekse).

Madeira kulinarisch


Welche kulinarischen Spezialitäten hast Du auf Madeira gegessen oder getrunken?

Ich freue mich über einen Kommentar!

Wenn Dir der Beitrag gefallen hat, teile ihn gerne!

Das könnte Dir noch gefallen

10 Kommentare

  • Antworten
    Reisepuzzle
    11. Juni 2018 an 20:38

    Madeira steht auch noch auf unserer Reiseliste; leider hat es sich noch nicht ergeben. Aber dein Artikel macht uns noch mehr Lust. Danke Dir! LG Anna & Michael

    • Antworten
      Miriam
      11. Juni 2018 an 20:40

      Freut mich wenn er Euch gefällt. Madeira hat uns auch in jeder Hinsicht sehr positiv überrascht und ist absolut zu empfehlen!

  • Antworten
    Andreas
    11. Juni 2018 an 12:28

    Hm, ich war ja noch nicht auf Madeira bisher und eigtl.dachte ich immer WENN ich mal dorthin fahren dann zum wandern. Jetzt muss ich aber wohl auch zwischendurch mal etwas essen wenn ich dort bin 😀 Der Espetada Spieß schaut vielversprechend aus.

  • Antworten
    Susanne
    9. Juni 2018 an 23:42

    Hi Miriam,
    eine schöne Übersicht hast du da zusammengetragen! Nach Bolo so Caco mit Knoblauchbutter bin ich einfach süchtig und milho frito sowie Espetadas gehören auch zu meinen Favoriten. Nur Poncha fand ich echt widerlich, aber ich bin generell kein Fan von Alkohol 😅.
    LG aus Portugal

    • Antworten
      Miriam
      9. Juni 2018 an 23:46

      Ja, das Knobi Brot war immer super lecker! Einfach, aber gut!

  • Antworten
    Gudrun
    8. Juni 2018 an 18:11

    Natürlich habe ich eifrig Poncha geschlürft! Der Wein ist jetzt nicht so meins, ich mag es eher trocken. Was ich auch besonders gut fand, ist der Bolo de Mel. Die kleinste Variante war ein super Wandersnack.

    • Antworten
      Miriam
      8. Juni 2018 an 18:49

      Liebe Gudrun,
      bei uns war der Bolo de Mel und der „Madeira Cheesecake“ immer der Wandersnack. Ich habe mir eine Flasche Poncha mitgenommen, da ich ja vor Ort wegen der Schwangerschaft kein Alkohol trinken konnte. Allerdings denke ich, dass er vor Ort immer noch besser schmeckt 🙂

  • Antworten
    Diana
    2. Juni 2018 an 9:04

    Poncha und Madeirawein haben wir auch probiert und das hat uns gut geschmeckt. An das Essen kann ich mich gar nicht mehr so erinnern… Zu viel Poncha? 😉

  • Antworten
    Sabine von Ferngeweht
    30. Mai 2018 an 22:48

    Durch all das habe ich mich auch durchgefuttert, inklusive der Lapas 🙂 Madeirawein und Poncha konnten wir leider keinen mitbringen, da wir nur mit Handgepäck gereist sind.

    • Antworten
      Miriam
      30. Mai 2018 an 23:10

      Das ist dann natürlich schade, aber wenn Du die Sachen vor Ort getrunken hast, dann ist es ja auch gut! Wir hatten Glück, denn bei unserem Tarif war 1 Aufgabegepäckstück inkl., somit hatten wir den Luxus „shoppen“ zu gehen.
      Lg Miriam

    Hinterlasse ein Kommentar