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Lübeck an einem Tag: die besten Tipps

Lübeck

Lübeck, die kleine hanseatische Perle an der Trave, liegt ca. 1 Autostunde nördlich von Hamburg entfernt und ist ein ideales Reiseziel für einen Tagestrip von Hamburg oder von der Ostsee aus. Ihr historisches Zentrum besticht nicht nur durch das bekannte Holstentor und ihre Backsteingotik, sondern auch durch zum Teil kleine verwinkelte Gassen mit gemütlichen Cafés, alten Speicher- und Kaufmannshäusern, zahlreichen Kirchen, dem alten Museumshafen und gut erhaltenen Stadttoren.

Lübeck wird auch gerne als „Königin der Hanse“ bezeichnet, denn die Stadt wurde im Jahre 1143 gegründet und galt als Vorbild für die weiteren Hansestädte im gesamten Ostseeraum. Betrachtet man die Stadt vom Wallhafen oder Stadtgraben aus, mit Blick auf das gut erhaltene und berühmte Holstentor und die zahlreichen alten Speichergebäude, dann fühlt man sich in die Vergangenheit zurückversetzt, als Lübeck ein frühes Zentrum des Welthandels war.

Auch heute noch ist das historische Zentrum der Stadt von Wasser umschlossen, als wolle es die historische Bausubstanz vor dem Eindringen weiterer neuer und moderner „Bausünden“, die es leider einige in der Altstadt gibt, beschützen.

Die historische Altstadt ist, auf die Fläche bezogen, recht übersichtlich und gut an einem Tag, inkl. Mittagessen und Kaffee trinken, zu erkunden. Damit es Euch etwas leichter fällt, habe ich meine Highlights hier einmal aufgeführt.

 

 1. Tipp für Lübeck – Holstentor

Das Holstentor, oder auch Holsteiner-Tor, ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Lübecks und neben dem Burgtor, das einzige heute noch erhaltene Stadttor Lübecks. Betritt man die historische Altstadt vom Holstentorplatz aus, so geht man direkt durch das im 15. Jahrhundert errichtete Tor hindurch, welches zu den Überresten der Stadtbefestigung gehört.

Das heute noch erhaltene Holstentor hatte einst ein sogenanntes Orgelwerk, bei dem Eisenstangen einzeln und nicht als Ganzes heruntergelassen werden konnten. So konnte man, im Falle eines Angriffes, sicherstellen, dass den eigenen Männern noch ein Durchkommen möglich war, bevor man auch die letzten ein bis zwei Eisenstangen zum Verhindern des Eindringens des Feindes hinunter ließ.

Schaut man sich das Holstentor genauer an, so fällt auf, dass die sogenannte Feld- und die Stadtseite ganz unterschiedlich gestaltet sind. Zur Stadt hin sieht man zahlreiche Fenster, während die Feldseite nur mit sehr wenigen kleinen Fenstern ausgestattet ist, stattdessen befinden sich dort zahlreiche Schießscharten. Im Mittelbau des Tores wiederum sieht man keine der Schießscharten. Die Fenster, die sich hier befinden und die genau über dem Tordurchgang liegen, wurden dazu genutzt, den eindringenden Feind mit Pech oder kochendem Wasser zu überschütten.

Lübeck

Holstentor (Stadtseite) mit alten Salzspeichern im Vordergrund.

Übrigens:

Das heute noch erhaltene Holstentor, war nur eines von insgesamt vier Holstentoren, die in einer Reihe  hintereinander standen. Die übrigen Holstentore wurden im Verlauf der Geschichte abgerissen.

Lübeck Holstentore

Stadtansicht von 1728 mit den vier hintereinander liegenden Holstentoren.
Quelle: Antjekathrin Graßmann: Lübeckische Geschichte. Verlag Schmidt-Römhild, 1989
Urheber: Friedrich Bernhard Werner (1690-1776)

Seit 1950 befindet sich in den Räumen des Holstentores das Stadtgeschichtliche Museum von Lübeck.

 

2. Tipp für Lübeck – Kirchturm St. Petri mit Aussichtsplattform

Insgesamt zählt die historische Altstadt von Lübeck sieben Hauptkirchen, deren Türme in den Himmel aufragen. Die St. Petri Kirche zu Lübeck befindet sich in fast unmittelbarer Nähe zum Holstentor. Zwar wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, aber bis auf die Inneneinrichtung konnte man sie vollständig restaurieren. Betritt man die Kirche, so fällt einem der schlichte Innenraum auf, der heute nur noch für besondere Gottesdienste, hauptsächlich aber für Kulturveranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt wird.

Von der Aussichtsplattform der St. Petri Kirche in 50m Höhe, hat man einen fantastischen Rundum-Blick über die historische Altstadt, die vielen Giebel der Patrizierhäuser, die Ausflugsboote auf der Trave und bei gutem Wetter sogar bis zur Ostseeküste (der Zugang zum Fahrstuhl ist nicht barrierefrei).

Der Eintritt in die Kirche ist frei.

Preise Aussichtsplattform:

Erwachsene 4,00€

Familienkarte (2 Erwachsene und bis zu 2 Kinder): 9,00€

 

3. Tipp für Lübeck – Spaziergang an der Untertrave mit Museumshafen

Freunde des maritimen Lebens können bei einem Spaziergang an der Untertrave die alten Traditionssegler und Versorgungsschiffe im Museumshafen bewundern. So war ich ganz begeistert, dass ich hier die FRIDTHJOF sah, die als 1895-1896 als Versorgungsschiff für die arktischen Expeditionen von Fridtjof Nansen diente.

Zwischen der Fußgängerbrücke und der Drehbrücke liegen die meisten der historischen Schiffe. Insgesamt sind es über 20 die auch noch seetüchtig sind, und auf denen man zu bestimmten Anlässen auch noch mitfahren kann.

Lübeck

Hafen Lübeck

 

4. Tipp für Lübeck – Marzipan bei Niederegger und im Marzipanspeicher

Ein Besuch der Lübecker Altstadt geht kaum ohne Marzipan (ok, man muss es mögen). Der Klassiker ist natürlich das Café und die Konditorei von Niederegger, Breite Strasse 89 (gegenüber der Rathaustreppe). Das Unternehmen hat hier seit seiner Gründung 1806 seinen Sitz. Das Café ist der Anlaufpunkt für alle Touristen und deshalb meistens auch sehr voll. In der Marzipanerie im Erdgeschoss lassen sich so allerlei Marzipan-Leckereien kaufen, von Pralinen, Baumkuchen, Stollen, Torten, Gebäck bis hin zu ganzen Geschenkkörben. Ein wahres El Dorado für Marzipan Fans wie mich. Im selben Haus befindet sich auch ein kleines Museum mit der Geschichte des Marzipans in Lübeck und natürlich dem Hause Niederegger. Hier gibt es sogar ganze lebensgroße Figuren aus der süßen Masse modelliert.

Ursprünglich stammt das Marzipan aus dem Orient und wurde durch die Kreuzzüge über Venedig weiter nach Europa gebracht. Lange Zeit wurde es ausschließlich von Nonnen und Apothekern hergestellt und galt als Heilmittel u.a. gegen Kopf-und Herzschmerzen. Als Anfang des 19. Jahrhunderts dann das Monopol auf Marzipan fiel, entstanden viele Konditoreien die sich der Herstellung widmeten.

Übrigens war Marzipan sehr lange auf Grund der teuren Importe von Zucker und Mandeln ein kostspieliges Vergnügen, welches sich nur die reichere Oberschicht leisten konnte. Erst als der günstigere Rübenzucker die teuren Importe ablöste, blühte der Handel mit Marzipan so richtig auf.

An der Untertrave gibt es noch den Marzipanspeicher mit mehreren Häusern, in denen man nicht nur Marzipan kaufen, sondern auch bei Sonnenschein mit Blick auf den Museumshafen, draußen seinen Kaffee und seine Torte genießen kann.

Lübeck

Marzipanspeicher an der Untertrave.

 

5. Tipp für Lübeck – Lübecker Gänge und Hinterhöfe

Wer dem mittelalterlichen Städtebau noch näher kommen und Lübeck etwas abseits der ausgetretenen Pfade erkunden möchte, dem empfehle ich einen Blick in die rund 90 Gänge, Torwege und Höfe zu werfen (nicht alle sind öffentlich zugänglich).

Lübeck

Vorderfront mit Durchgang zu den Hinterhöfen.

Als der Handel in der Hansezeit blühte wuchs auch die Stadtbevölkerung an. Nur der Wohnraum kam nicht mit und wurde knapp. So durchbrach man an manchen Stellen die Häuser zur Strassenseite hin und bebaute die dahinter liegenden Höfe mit sogenannten Buden. Dicht aneinander gedrängt und oftmals nur mit einem Zimmer ausgestattet, wohnten hier Tagelöhner und/oder die Bediensteten der vorderen Bürgerhäuser.

Heute sind es, dank zahlreicher Sanierungen, kleine attraktive Häuschen, und wenn man diese Hinterhöfe betritt (bitte respektiert die Privatsphäre der Anwohner), dann ist man in einer ganz anderen Welt. Klein, gemeinschaftlich, ruhig geht es zu. Ein zentraler kleiner Platz in der Mitte, wird häufig durch einen Baum oder einen Mini-Spielplatz geschmückt. Fast wie eine Puppenwelt wirken die Hinterhöfe auf einen.

Hier galt, wie auch in Hamburg, die Gänge zu den Hinterhöfen mussten eine Sargbreite breit sein. Viele Gänge sind nicht hoch, so dass man den Kopf beim Hindurchgehen einziehen muss. Man beritt durch die schmalen Gänge eine ganz andere Welt um dann schließlich durch einen weiteren Gang in einer anderen Strasse oder einem anderen Hinterhof wieder ausgespuckt zu werden.

 

6. Tipp für Lübeck – Historische Gebäude und Fassaden entdecken

In der Altstadt von Lübeck kann man sich so richtig treiben lassen. Es gibt einige breitere Strassen, wie die Königstrasse oder die Burgstrasse und natürlich auch die Breite Strasse, die die Altstadt quasi von Nord nach Süd durchziehen. Links und rechts davon zweigen die unzähligen kleinen, zum Teil mit Kopfsteinpflaster, belegten Gassen ab. Richtet man seinen Blick nach oben bzw. zur Seite, so sieht man zum einen den architektonischen Stilmix der Häuser, von Gotik und Renaissance über Barock und Klassizismus, nebeneinander, zum anderen aber auch die verschiedenen Haustypen, wie Speicher- und Kaufmannshäuser.

Lübeck Altstadt

Lübeck

Heiligen Geist Hospital.

In diesen Gassen ist es ruhig, da kaum Verkehr vorhanden ist. Vorbei an den sieben Kirchtürmen der Stadt geht es zu den Bürgerhäusern, Handwerkshöfen und Klöstern zum Burgtor im Norden, welches neben dem Holstentor das einzige noch verbleibende Stadttor ist, zum Heiligen Geist Hospital in die Große Gröpelgrube, von der aus an in die kleinen Hinterhöfe der Stadt schauen kann.

Ein Besuch in den Häusern der großen Literaten wie Thomas Mann und Günter Grass darf natürlich auch nicht fehlen.

 

7.  Tipp für Lübeck – tolle Cafés entdecken

In der Altstadt von Lübeck gibt es zahlreiche tolle Cafés und Restaurants in denen man sich von seinem Stadtbummel erholen und stärken kann. Drei kleine Schätze möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Fräulein Brömse

(An der Untertrave 1, beim Europäischen Hansemuseum)

Lübeck

Wer die Ruhe sucht, ist hier genau richtig. Gemütlich in geschichtsträchtigen Klostermauern, kann man drinnen oder bei gutem Wetter auch draußen sitzen, etwas windgeschützt an einer Mauer, mit Blick über die Dächer Lübecks.

Hier kann man es sich bei Kaffee und Kuchen oder auch herzhaften Snacks, wie einer Brotzeit, gut gehen lassen.

Lübeck

Preise:

Cappuccino 2,90€

Hausgem. Limonade (groß) 4,50€

Brotzeit 8,50€

 

Kaffeehaus

(Hüxstrasse 35)

Hier legt man besonderen Wert auf guten Kaffee und fair bezahlte Kaffeebauern! Dazu gibt es unglaublich leckeren Kuchen, hausgemachte Marmeladen und auch sonst sind die Zutaten so weit es geht regional und bio. Auf der Galerie im Inneren des Cafés sitzt man besonders schön!

Lübeck

Preise:

Cappuccino 2,80 €

Bio Apfelschorle (0,33) 3,60€

 

Tonfink Kulturcafé & Bar

(Große Burgstrasse 46, tägl. ab 16:00 Uhr)

Hier könnt ihr nachmittags Euren Kaffee genießen und abends bei Live Musik oder einer Lesung ein Bierchen oder Euren Wein trinken. Auch hier legt man großen Wert auf Nachhaltigkeit und regional produzierte Produkte.

Lübeck

Preise:

Cappuccino 2,50€

Apfelschorle (0,4) 4,10€

Rotwein (0,2) ab 4,00 €

Fassbier (0,33) ab 2,70€


1987 wurden große Teile des historischen Stadtzentrums in Lübeck zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Somit ist die historische Altstadt Lübecks das größte deutsche Flächendenkmal.


Habt ihr noch weitere Tipps für Lübeck? Dann ab damit in die Kommentare!

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Hansestadt-Luebeck

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8 Kommentare

  • Antworten
    Ein perfekter Tag in: Lübeck ⋆ weltreize
    23. September 2018 an 10:01

    […] Lübeck an einem Tag: die besten Tipps […]

  • Antworten
    Meine Lieblingsstadt im Norden-Lübeck - Mit Kind im Rucksack
    18. Juni 2018 an 8:13

    […] sucht, dann gibt es in der Altstadt rund 90 Gänge und Torwege durch die man einen Blick in die kleinen Hinterhöfe der Häuser werfen kann. Einige sind öffentlich zugänglich, und hinter den zur Straße gerichteten […]

  • Antworten
    Danni
    13. Juni 2018 an 9:58

    Hallo Miriam,
    Lübeck haben wir zu Ostern diesen Jahres besucht. Leider war aufgrund des Schneegestöbers unsere Sightseeingtour nicht so schön. Aber wenn ich jetzt so Deine Bilder und Tipps lese, werden wir auf jeden Fall nochmals einen Städtetrip einplanen.

    • Antworten
      Miriam
      17. Juni 2018 an 10:29

      Hallo Danni,
      das mit dem Schneegestöber ist natürlich schade.Wenn ihr die Möglichkeit habt noch einmal nach Lübeck zu kommen dann versucht es im Sommer. Mit den netten Cafes ist es auch total nett wenn man draussen sitzen kann.

  • Antworten
    Tina
    22. April 2018 an 12:43

    Lübeck wollte ich schon immer mal sehen! Nachdem ich deinen Artikel mit den wunderschönen Bildern 😍 gelesen habe steht es jetzt ganz oben auf meiner Liste!

    • Antworten
      Miriam
      25. April 2018 an 11:59

      Hallo Tina,
      das freut mich. Ich mag die Altstadt von Lübeck auch total gerne. Es gibt so viele Kleine und große Städte in Deutschland die wirklich wundervoll sind.
      Viele Grüße Miriam

  • Antworten
    Ina
    21. April 2018 an 11:56

    Ich liebe Lübeck, zuletzt haben wir in Deutschland in der Nähe von Wismar gelebt, also war Lübeck nicht weit und da haben wir Lübeck häufig besucht. Einfach eine charmante alte Hansestadt! Ich fand vor allem den Weihnachtsmarkt unheimlich schön.

    Lg aus Norwegen
    Ina

    • Antworten
      Miriam
      25. April 2018 an 12:01

      Ja, der Weihnachtsmarkt in Lübeck hat wirklich eine ganz besondere Atmosphäre. Ich war vor vielen Jahren mal dort und habe mir für dieses Jahr auch wieder vorgenommen, die Stadt im Winter zu besuchen.
      Viele Grüße
      Miriam

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