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Freilichtmuseum Molfsee – Landleben der Urgroßeltern

Freilichtmuseum-Molfsee-Kiel-Norddeutschland

Hühner laufen frei herum, scharren, picken hier und da und suchen sich ein schattiges Plätzchen unter einem großen Baum. Vor mir erstreckt sich ein Gehweg, eingefasst mit zahlreichen Bäumen. Eine Allee aus Linden, die im 18. Jahrhundert als Windschutz vor die Häuser gepflanzt wurden. Hier bieten sie außerdem Schatten an diesem heißen Spätsommertag. Alte Holzzäune grenzen den Weg zu den einzelnen Grundstücken der Bauern ab. Ein alter Heuwagen steht vor eine Scheune aus dem 19. Jahrhundert. „Wer Gott vertraut hat Wohl gebaut im Himmel und auf Erden“ steht über dem Eingang geschrieben. Ohne Gottvertrauen ging damals gar nichts. Es ist die perfekte friedliche Szenerie des ländlichen Raumes in Schleswig-Holstein des 18. und 19. Jahrhunderts.

Freilichtmuseum-Molfsee-Kiel-Norddeutschland

Freilichtmuseum-Molfsee-Kiel-Norddeutschland

Im größten Freilichtmuseum Norddeutschlands, mit einer Fläche von 40 ha, wurden über 60 historische Gebäude, Hofanlagen und Windmühlen aus Schleswig-Holstein zusammengetragen. Zwischen den einzelnen Gebäuden und rekonstruierten Hofanlagen liegen weite Wiesen, Weiden und Felder. Hier und dort finden sich angelegte Gärten und Teiche, aber auch Tierställe und Weiden mit Schafen, Ziegen, Rindern, Schweinen, Eseln und Pferden. Eigentlich alles, was zu einem Landleben dazu gehört.

So spaziert man an einem Tag durch Holstein, Dithmarschen, Fehmarn oder z.B. Nordfriesland. Dabei lässt sich der Unterschied zwischen den verschiedenen Regionen mit ihren Gebäudearten und ihrem typischen Mobiliar leicht erkennen.

Um eine lebendige Darstellung des Lebens und Arbeitens der vergangenen Jahrhunderte zu vermitteln, sind die Häuser mit dem typischen Mobiliar der Zeit und der entsprechenden Region ausgestattet. Wer genau hinsieht, erkennt die Liebe zum Detail, die hier drin steckt. So hängen die „naßen“ Socken eines Bewohners des friesischen Langhauses aus Klockries (erbaut 1634) auf einen kleinen Holzgerät direkt über dem Ofen zum Trocknen.

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Friesisches Langhaus aus Klockries, erbaut 1634

 

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Jütisches Geesthardenhaus aus Borsbüll, 1770

 

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Kornspeicher aus Osterbelmhusen, 1780

 

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Friesisches Langhaus mit Wohn-und angrenzendem Stallgebäude.

 

Ich habe mich sofort in die Region Nordfriesland verliebt. Weite Wiesen prägen das Areal, eine Windmühle und u.a. das Haus eines Walfang-Kommandeurs, erbaut 1699, sind hier rekonstruiert und stechen sofort hervor. Der Walfänger und spätere Strandvogt Lorens Petersen de Hahn ließ dieses Langhaus für sich und seine Frau in Westerland auf Sylt errichten. Die Jahreszahl über dem Eingang (1750), sowie die Initialen „BH“ und „IB“, deuten darauf hin, dass das Haus im Jahre 1750 an die Tochter von Lorens Petersen de Hahn, Inken, überging. Die damaligen Walfänger brachten häufig Trophäen, in Form von Knochen, mit nach Hause. So auch Lorens Petersen de Hahn. Er grub die Unterkieferknochen eines Wals an einem Ende vor seinem Haus ein, so dass sie senkrecht in die Höhe standen und den Eingang zum Grundstück säumten.

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Haus des Walfang-Kommandeurs.

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Zwischen dem späten 16. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert lebten Mensch und Tier im ländlichen Raum häufig unter einem Dach, was man auch an den Wohngebäuden mit direkt angrenzenden Stallteil erkennen kann. Tiere waren ein wichtiger Bestandteil jedes Hofes und so kann man sich heute z.B. Ziegen und Schafe, glückliche Schweine und Esel ansehen, die zwischen den einzelnen Hofanlagen gehalten werden. Das Ziegen- und Schafsgelände darf man auch betreten um die Tiere zu streicheln.

Bei manchen Häusern scheint die Zeit einfach für einen Moment eingefroren zu sein. So hängt die gerade gewaschene und gemangelte Wäsche draußen auf der Leine, der Eimer liegt umgestoßen auf dem Rasen, die Bewohner des Hauses scheinen nur gerade anderweitig beschäftigt zu sein.

Freilichtmuseum-Molfsee_Kiel

Kiel-Norddeutschland

 

Ein Besuch des Freilichtmuseums Molfsee lässt sich wunderbar mit einem Ausflug in die Arche Warder, dem Tierpark für bedrohte Haus- und Nutztierrassen verbinden, da dieser nur rund 20 Autominuten entfernt liegt.

 

  • Öffnungszeiten

2018 noch bis Ende Oktober

Mo – So 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr, Einlass bis 17:00 Uhr

 

  • Adresse

Freilichtmuseum Molfsee

Hamburger Landstrasse 97

24113 Molfsee

 

  • Anreise

Das Museum liegt ca. 6 km von Kiel entfernt.

 

  • Eintritt

Kinder unter 6 Jahren frei

Erwachsene 8,00 €

Familienkarte (Eltern/Großeltern mit Kindern bis 16 Jahren) 17,00 €

 

  • weitere Tipps

Da das Gelände sehr weitläufig ist und auch genug Ecken zum verweilen bietet, sollte man Minimum einen halben Tag als Aufenthaltsdauer einplanen um sich ein ausreichendes Bild der Thematik machen zu können ohne über das Gelände zu hetzen.

Hunde dürfen mitgebracht werden, sind aber aufgrund der freilaufenden Tiere an der Leine zu führen. Außerdem freut sich das Museum darüber, wenn ihr die Hinterlassenschaften Eures Vierbeines auch entfernt. Mülltonnen stehen ausreichend auf dem Gelände zur Verfügung.

Eine kleine Museumsbahn bringt die Besucher bei Bedarf durch das weitläufige Gelände. Sie hält an verschiedenen Stationen, so dass man die Gelegenheit hat auszusteigen um verschiedenen Regionen weiter zu Fuß zu erkunden. Ihre Nutzung ist wie die des historischen Karussells kostenfrei.

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1 Kommentar

  • Antworten
    Ina
    10. Juni 2018 an 16:55

    Ich liebe Freilichtmuseen, danke für den einblick in dieses Schöne! Ich frage mich gerade warum ich da noch nicht war? Wird auf jeden Fall nachgeholt wenn wir mal in der Nähe sind. Danke für das virtuelle mitnehmen in die Zeit unserer Großeltern.

    Lg aus Norwegen
    Ina

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