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Belgiens Belfriede: Die Glockentürme von Tongeren und Namur

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Wo in manchen Orten und Städten im Mittelalter prächtige Burgen errichtet wurden, um die Macht der einzelnen Fürsten und Herrscher über das Volk zu zeigen, so stehen in anderen Städten monumentale Kirchen, um die Macht Gottes über die Menschen zu demonstrieren.

Im heutigen Belgien und in Teilen Frankreichs gab es sogenannte Belfriede, die die Wichtigkeit einer Stadt demonstrierten. Doch was hat es nun mit diesen Türmen auf sich und für wen oder wofür waren sie gedacht?

Was sind Belfriede und wofür stehen sie?

Belfriede sind hohe schlanke Glockentürme und gehören häufig zu Profanbauten, und weniger zu Kirchen. Oft sind es sogar die Türme eines Rathauses oder einer ehemaligen Tuchhalle. Der Begriff Glockenturm ist hier allerdings etwas irreführend. Zwar hatten die Türme Glocken, waren aber nicht rein für diesen einen Zweck errichtet, so wie z.B ein Kirchturm.

Die Glocken in ihrem Inneren dienten dazu, die Bürger der Stadt über wichtige Ereignisse, wie z.B. die Öffnung oder Schließung der Stadttore oder einen Stadtbrand zu unterrichten, aber auch einfach um die Zeit anzuzeigen.

Die Belfriede in Flandern und Wallonien sind ein Symbol der bürgerlichen Macht und der Freiheit. Sie stellen ein Macht- und Prestigesymbol der Bürgerschaft und der Kaufleute dar.

Demonstrierten zuvor die Herrscher und der Adel, sowie die Kirche ihre Macht über die Bürger einer Stadt, so wandelte sich das Bild ab dem 11. Jahrhundert mit Entstehung der Gilden und anderer Zusammenschlüsse der Kaufleute und Bürger.

Die Forderung nach einer Selbstverwaltung und Loslösung vom Adel und den Stadtherren wurde immer größer. So errichteten die Kaufleute und Bürger diese Türme, die so auch ein Gegengewicht zu den Türmen der Kirche und den Wohntürmen des Adels darstellten.

Die Belfriede hatten eine vielseitige Verwendung. So dienten sie als Wachtürme, Archive oder auch als Gefängnisse. Im Laufe der Jahrhunderte verloren sie aber an Bedeutung und Funktion.

Bis heute sind sie aber ein Symbol der Stadt und des Freiheitsgedankens ihrer Bürger und man findet sie recht häufig in der Kulturlandschaft Flanderns und der Wallonie.

 

Der Belfried in Tongeren

Belfriede-Belgien

In Tongeren ist der Belfried der Kirchturm der Liebfrauenbasilika

 

In manchen Städten ist allerdings auch der Kirchturm zugleich ein Stadt- und Glockenturm, so auch in Tongeren, in der Provinz Limburg.

Der Turm gehört dort zur Liebfrauenbasilika und zählt zu den schönsten gotischen Kirchenbauwerken Belgiens. Über 300 Jahre baute man an der Basilika so wie man sie heute bewundern kann. Die Spitze fehlt dem imposant wirkenden Turm allerdings.

Archäologisch kann man zahlreiche Vorgängerbauten der heutigen Basilika nachweisen, die bis auf das 1. Jahrhundert n.Chr. zurückreichen. Von Holzwohnhäusern zu einer römischen Basilika bis zur heutigen Kirche, mit deren Bau man 1240 begann, nachdem ihr Vorgängerbau bei einem Angriff zerstört wurde.

Heute kann man in der Liebfrauenbasilika die Kunstschätze von Tongeren und das Silber in den Schatzkammern bewundern. Seit 2018 gibt es auch die Möglichkeit in die archäologische Stätte hinabzusteigen und 2.000 Jahre Stadtgeschichte zu erfahren.

 

Der Belfried in Namur

Der Belfried in Namur war einst Bestandteil der Stadtmauer und befindet sich gleich hinter dem Rathaus

 

Der Bau dieses runden Turmes begann 1388. Sein heutiges Aussehen erlangte er aber erst im 16. Jahrhundert. Damals reduzierte man die Stadtmauern, in die der Turm eingebaut war. Ebenso wurden die Zinnen entfernt, so dass der Belfried von Namur nun einen Glockenturm ermöglichte, der hoch über den Dächern der Stadt hinausstand.

1841 baute man eine Gemeindeuhr ein, die die Öffentlichkeit jede Stunde mit einem Glockenschlag über die Zeit unterrichtetet. Sie wurde auch „Cloche-Porte“ (Torglocke) genannt, da sie das Öffnen und Schließen der Stadttore anzeigte.

Der Belfried gehört seit 1999 zum  UNESCO Weltkulturerbe.

 

Welche Belfriede sind UNESCO Weltkulturerbe?

Insgesamt stehen 33 belgische Belfriede auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes sowie 23 Türme in Nordfrankreich.

Wenn du bekannte Städte wie Brügge, Gent oder Antwerpen besuchst, dann statte doch den Türmen mal einen Besuch ab. Aber auch kleinere etwas unbekanntere Städte, wie Tongeren, die älteste Stadt Belgiens, mit ihrem Belfried sind absolut sehenswert.

 

UNESCO-Weltkulturerbe-Belgien

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5 Kommentare

  • Antworten
    Auszeitgeniesser
    15. März 2019 an 9:56

    Türme und UNESCO Weltkulturerbe, wo sollte ich solch spannende Geschichten und Hintergründe sonst finden als bei euch 🙂
    Aber so langsam begebe ich mich auf eure Spuren und stelle fest, überall gibt es inzwischen Weltkult – und Weltnaturerbe Stätten.
    Unglaublich.
    Liebe Grüße, Katja

  • Antworten
    Ilona
    10. März 2019 an 11:48

    Sehr spannend! Danke für diese Hintergrundgeschichte.
    Allerdings hatten ja auch Kirchtürme meist mehrere Funktionen: Uhrzeit, Ausguck, zum Gottesdienst rufen – die Kirchen selber auch z.T. zum Verbarrikadieren im Fall eines Angriffs etc.
    Ich war ja – shame on me – noch nie in Belgien, aber eigentlich würd ich irgendwann schon mal gerne. Mal sehen, wann ich es schaffe.

  • Antworten
    Sebastian
    10. März 2019 an 10:32

    Man lernt nie aus. Burgen waren und sind ja immer interessant, aber das es Belfriede gibt und was es damit auf sich hat, das war mir neu.

    LG Sebastian

  • Antworten
    Dagmar von bestager-reiseblog
    9. März 2019 an 16:54

    Interessanter Beitrag zu Belfrieden. Über die Bedeutung dieser wussie ich bis jetzt noch nichts. Wieder was gelernt – Reisen bildet eben!
    LG Dagmar

  • Antworten
    Marina
    9. März 2019 an 10:57

    Wieder sehr interessant und nun weiß ich auch was Belfriede sind! Lesen und Lernen, perfekte Kombi. Freue mich auf weitere lehrreiche Artikel. LG Marina

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