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Das Alte Land bei Hamburg entdecken – Tipps für einen Ausflug

Altes-Land-Twielenfleth

(ᴡᴇʀʙᴜɴɢ)*

Eine steife Brise kam von der Elbe zu mir herüber geweht, als ein fast schon nostalgisch anmutender Traktor mich sanft beiseite hupte, als ich die Hofeinfahrt zu einem der unzähligen Obsthöfe im Alten Land bei Hamburg überquerte. Im Oktober ist Erntezeit und überall kann man die Traktoren mit ihren vielen Anhängern voller Äpfel sehen. Bestes Wetter und milde Temperaturen machen die Region an der Elbe auch im Herbst zu einem beliebten Ausflugsziel für gestresste Städter und Touristen von weiter her.

Bekannt und als Reiseziel beliebt ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Nordeuropas bei Hamburg vor allem zur Apfelblüte- und Erntezeit. Aber auch jenseits der großen Höfe mit ihren vollen Parkplätzen, auf denen Busse immer neue Ladungen von Menschen ausspucken, die zum Apfelkuchen essen und Kaffeetrinken hier her kommen, gibt es in der Region vieles zu entdecken. Unter der Woche hat man vieler Orts die Landschaft für sich alleine (auch zur Erntezeit) und sogar am Wochenende ist nicht überall viel los. Daher habe ich mich auf die Suche nach den schönsten Orten im Alten Land gemacht und vieles entdeckt, weshalb sich ein Besuch der Region auch außerhalb der Saison lohnt.

 

Geschichte des Obstanbaus im Alten Land

Im 12. Jahrhundert schon bat der Graf von Stade holländische Deichbau- und Entwässerungsspezialisten um Hilfe, um das Marschland entlang der Elbe bewirtschaften zu können und es somit urbar zu machen, denn hier befand sich vorher nichts als Sumpf.

Die Holländer bauten also Deiche um sich vor dem Hochwasser der Elbe zu schützen, bauten Dörfer  und legten Gräben an, um das Land bewirtschaften zu können. Noch heute kann man ihren Einfluss im Landschaftsbild sehen.

Seit Mitte des 17. Jh. ist der Borsteler Hafen urkundlich belegt. Von hier aus gelangte das im Alten Land geerntete Obst meist auf kleinen Jollen nach Hamburg. Heute kann man hier noch die Tjalk „Annemarie“ besichtigen. Dieser Schiffstyp ging ursprünglich aus der Kogge (dem großen Handelsschiff aus der Hansezeit) hervor, und war aufgrund des flachen Rumpfes insbesondere für flache Binnengewässer gut geeignet. Ende des 18. Jh. lagen hier im Borsteler Hafen noch rund 60 Schiffe. Auch diese Schiffe sind Zeugnisse der Holländer.

Altes-Land-Jork
 

Die schönsten Orte im Alten Land

Am bekanntesten im Alten Land sind wohl die Gemeinden Cranz und Jork. Von Blankenese aus, kann man z.B. mit der Fähre nach Cranz im Alten Land übersetzen und dabei sein HVV Ticket benutzen. In Cranz gibt es zahlreiche Lokale, Cafés und Hofläden. Hier findet man hübsche Fachwerkhäuser, gemischt mit Gebäuden aus der Gründerzeit. Durch den direkten Fähranleger ist das kleine Örtchen allerdings gerade am Wochenende sehr überlaufen. Wer mehr Ruhe möchte, der macht sich auf zum Wandern auf dem Este-Wanderweg Richtung Buxtehude, oder in die anderen Gemeinden im Alten Land wie z.B. Jork, Steinkirchen oder Hollern-Twielenfleth. Doch welche Orte sind nun die Schönsten? Das ist sicherlich auch Geschmackssache. Ich stelle Dir zunächst fünf Orte vor, die mich besonders begeistert haben und zeige Dir im Anschluß noch weitere Entdeckungen die ich für einen Besuch des Alten Landes empfehle.

 

1. Windmühle „Aurora“ im Ortsteil Borstel

Dieser sogenannte Galerieholländer wurde 1856 von dem Müller Adolf  Friedrich Peters erbaut und war einst eine Kornmühle, in der heute ein schönes Restaurant untergebracht ist. Den Namen „Aurora“ erhielt sie übrigens zu Ehren von Aurora, Gräfin von Königsmarck. Sie war die Enkelin des ersten schwedischen Generalgouverneurs von Stade. Für Voltaire war sie zusammen mit Katharina II. die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte. Übrigens soll nach alten Schriftdokumenten zufolge Aurora selber die Bockmühle besessen haben, die sich als Vorgängerbau am selben Standort befand, wie heute der Galerieholländer.

Altes-Land-Jork

Die alte Mühle fügt sich so wunderbar in das Bild des von Fachwerk geprägten Ortsteils Borstel ein, dass man sich manchmal schon ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Man braucht sich nur auf eine Hochzeitsbank in der Nähe der Kirche zu setzen, die Augen zu schließen und sich das Getrappel der Pferde auf den Kopfsteinpflasterstraßen vorzustellen, die schwer beladene Wagen mit frischem Obst aus dem Alten Land hier zum Borsteler Hafen transportieren.

Wer hier übrigens in Jork heiraten möchte, der kann sich eine Hochzeitsbank schenken lassen, auf der dann der Name des Brautpaares steht. So kann man z.B. immer am Hochzeitstag zu seiner Bank zurückkehren und den Ausblick und hoffentlich auch seine Ehe genießen. Dieser Brauch geht übrigens auf Lessing zurück, dessen Hochzeitsbank vor dem Rathaus in der Gemeinde Jork steht!

 

2. Auf den Spuren der Holländer in Steinkirchen

Der Name „Altes Land“ kommt aus dem plattdeutschen „Olland“, und geht auf die Kolonisierung durch die holländischen Siedler zurück, ebenso wie z.B. der Name der Gemeinde Hollern. In Steinkirchen, welches ein kleines süßes Örtchen an dem Fluß Lühe ist, findet man nicht nur mehr Ruhe und Abgeschiedenheit als in den anderen Gemeinden, sondern auch Überbleibsel der Holländer wie z.B. die Hogendiekbrücke, die die Lühe überspannt. Zwar ist sie erst 1975 errichtet worden, aber der holländische Einfluss ist hier klar erkennbar.

Altes-Land-Steinkirchen

In dem idyllischen Örtchen Steinkirchen kann man das ganze Jahr über entlang des Flüsschens Lühe auf dem Deich spazieren und begegnet hier und dort nicht nur hübschen reetgedeckten Fischerkaten und Fachwerkhäusern, sondern auch einem tollen, etwas versteckten Bio Hofcafé mit dem klangvollen Namen „Ottilie“.

Altes-Land-Steinkirchen

Der Biohof „Ottilie“

Altes-Land-Steinkirchen

Bei der Auswahl an leckeren, selbst gebackenen Kuchen kann die Entscheidung schon einmal schwer fallen. Am Ende fiel unsere Wahl auf einen klassischen Apfelkuchen und ein Stück Apfeltorte mit Vanillecreme und Mandeln, mit einem Glas frischem Apfelsaft. Auf diesem Bio Hofcafé wird auch auf die Auswahl der Zutaten sehr viel Wert gelegt und die Kuchen bzw. Torten sind z.B. alle mit wenig Zucker gebacken. Welch ein Genuss!

Hofcafé Ottilie
April bis Mitte Oktober: Mo 12-17:30 Uhr, Do-So 11-17:30 Uhr

Mitte Oktober, November & Dezember: Fr, Sa & So 11-17:30 Uhr

Januar bis März: Fr-So 13:30 – 17:30 Uhr

Gestärkt ging es weiter, immer auf dem Deich des Flüsschens Lühe entlang, vorbei an wunderschönen alten Fachwerkhäusern und modernen Bauten, die sich aber optimal in das Gesamtbild einfügten.

Altes-Land-Steinkirchen

Altes-Land-Steinkirchen

Ein typisches Hallenhaus in dem der Wohntrakt mit dem (ehem.) Stallteil kombiniert ist.

Altes-Land-Steinkirchen

Altes-Land-Steinkirchen

 

3. Spazieren entlang der Apfelbäume

Gerade im Herbst, wenn die Bäume voll sind mit roten reifen Äpfeln, ist ein Spaziergang entlang der unzähligen Apfelbaumreihen ein unbedingtes MUSS. Immer wieder tauchen zwischen den Baumreihen, die gefühlt bis zum Horizont reichen, kleine Entwässerungsgräben auf, die auch auf die Zeit der Holländer zurückzuführen sind.

Altes-Land-Twielenfleth

Obstbaumreihe in Hollern-Twielenfleth

Altes-Land-Twielenfleth

Entwässerungsgraben zwischen den Apfelbaumreihen

Apfelkiste-Altes-Land

Auch auf den vielen Obsthöfen selber kann man durch die Apfelbaumreihen spazieren. Allerdings sind mir hier einige sehr negative Dinge aufgefallen. Viele der Äpfel lagen auf dem Boden, von Menschen angebissen und weggeworfen. Menschen mit Hunden, die den Kot der Tiere zwischen den Bäumen nicht entfernen, Kinder, die auf Bäume klettern und die Äpfel herunterwerfen. Einige kleinere Betriebe sehen sich zuweilen gezwungen, das Betreten der Apfelanbauflächen nur nach vorheriger Absprache zu genehmigen. Solch ein Verhalten der Besucher ist unterirdisch. Jede Apfelsorte kann in den Hofläden probiert werden, somit muss man nicht von jedem Baum einen Apfel klauen, anbeißen und wegwerfen. Auch kann man, nach vorheriger Absprache, Äpfel selber pflücken und kaufen. Wäre doch schade, wenn es irgendwann nicht mehr möglich wäre, diese schönen Apfelbaumreihen aus der Nähe zu betrachten.

 

4. Wandern auf dem Elbdeich

Wer mit der Fähre von der anderen Elbseite von Schulau aus ins Alte Land kommt, legt am Fähranleger Lühe an. Von hier aus kann man ganz gemütlich auf dem Elbdeich entlang, vorbei an der Elbinsel Lühesand, zum Beispiel in Richtung Hollern-Twielenfleth wandern. Auf dem Weg passiert man Postkartenmotive wie diesen Leuchtturm in der Nähe des Fähranlegers oder zahlreiche Restaurants und Cafés mit Elbblick. Nicht zu vergessen ist natürlich der schöne Blick auf die Elbe mit ihren großen Pötten und kleinen Segelbooten.

Altes-Land-Elbe

 

5. Der Leuchttum von Hollern-Twielenfleth

Im gesamten Alten Land finden sich Leuchttürme. Mal rotweiß gestreift, mal im schwarzweißen Look. Aber auch ältere Exemplare lassen sich sowohl am Elbdeich, als auch in den Ortschaften finden.

In Twielenfleth, gleich hinter dem Elbdeich und hinter dem neuen schwarz-weißen moderneren Leuchtturm, wartet der alte Vorgänger auf die Besucher. Die 1893 erbaute viereckige Leuchtbarke wies fast 100 Jahre lang den Schiffen auf der Elbe den sicheren Weg.

Altes-Land-Hollern-Twielenfleth

 

Weitere Entdeckungen im Alten Land

Neben so vielen kleinen und größeren alten Gemeinden mit ihren reetgedeckten Fachwerkhäusern, hübschen Flüsschen und Deichen und natürlich den unzähligen Apfelbäumen habe ich weitere Entdeckungen im Alten Land gemacht, die einen Besuch wert sind.

 

Geschichten aus den Apfelkisten

Irgendwie sehen sie aus wie Strandkörbe, die Erntegroßkisten, die an mehreren Orten im Alten Land z.B. am Borsteler Hafen oder dem alten Leuchtturm in Twielenfleth aufgestellt sind. Gespickt mit Bildern und Informationen entdeckten wir auch Knöpfe, die die Kiste zum Sprechen brachten. In deutsch oder englisch kann man verschiedenen Geschichten über das Alte Land, die Seefahrt oder den Obstanbau lauschen. Auch gibt es einen kleinen roten Apfel, den „Glosti“ der Informationen für Kinder bereit hält.

Altes-Land-Geschichten-aus-der-Apfelkiste

 

Das typische Buntmauerfachwerk im Alten Land

Diese Art von Fachwerk gibt es nur im Alten Land zu sehen. Auch hier wird der Ursprung in den Niederlanden vermutet. Bei diesem Altländer Buntmauerfachwerk sind einzelne Bereiche rechteckig weiß verputzt. Auf den verputzen Flächen hat man die Ziegel in verschiedenen Mustern angelegt. Manche von ihnen sollen Abwehrsymbole sein, andere dienen lediglich der Verzierung der Fassade. So sollen in der Fassade dargestellte Windmühlen dafür sorgen, dass es nie an Nahrung mangeln sollte, Donnerbesen hingegen sollen Unheil abwenden. Übrigens findet man die sogenannten Donnerbesen in vielen Fachwerkfassaden Deutschlands.

Na, könnt ihr Mühle und Donnerbesen in der Fassade dieses Hauses finden?

Altes-Land-Jork

Kleiner Tipp: den Donnerbesen und die Mühle könnt ihr zwischen der unteren Fensterreihe entdecken. Donnerbesen ganz links und Mühle ganz rechts. Als Giebelzier wurden häufig gekreuzte Schwäne verwendet. Auch Tulpen wurden oft, wie bei diesem Haus, mit eingearbeitet. Auch dies geht auf die holländischen Siedler zurück.

 

Die Prunkpforten

Auch ganz typisch für das Alte Land sind die Prunkpforten, die den Eingang zum Hof darstellen. An ihnen lässt sich der Wohlstand der jeweiligen Besitzer ablesen. Die Traube in der Mitte des Bogens steht für die Fruchtbarkeit, die beiden Löwenköpfe, die grimmig auf jeden hinab schauen, der den Hof betritt, waren stilisierte Torhüter. Neben dem großen Torbogen, durch den die Pferdegespanne hindurch fuhren, gab es die kleineren Durchlässe für Personen. So fühlt man sich doch gleich willkommen, wenn man so einen Eingang durchschreitet.

Altes-Land-Jork

 

Das Kürbisfest im Alten Land

Nicht nur die Apfelblüte und die spätere Ernte wird in der Region gefeiert, sondern Mitte Oktober, pünktlich zu Halloween, auch der Kürbis. Auf dem Obsthof Schuback kann man nicht nur alle möglichen Sorten von Kürbissen und natürlich Äpfeln kaufen, man kann sich auch bei Kartoffelpuffer und Apfelkuchen im weiträumigen Garten des Hofes entspannen, Kürbisse schnitzen, Traktor fahren oder der Musik einer Live-Band lauschen.

Altes-Land-Jork

Altes-Land-Jork

Altes-Land-Jork

 

Das Alte Land bei Hamburg ist wirklich zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert und wir werden bestimmt im Winter noch einmal wieder kommen und mit Sicherheit noch sehr viele schöne Ecken der Region entdecken.

Übrigens kann man auf der Elbinsel Lühesand, die zwischen dem Alten Land und der Hamburger Elbseite liegt, auf einem schönen Campingplatz übernachten. Tanja vom Blog Spaness hat das mal getestet.

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Altes-Land-bei-Hamburg


*Offenlegung: Im Auftrag von Hamburg Marketing sind die Reiseblogger Hamburg als Hamburg-Botschafter unterwegs. Die Mission: Findet in der Metropolregion Hamburg die coolsten und schönsten Ausflugsideen, Aktivitäten und Veranstaltungen an, im und rund ums Wasser. Im Gegenzug werden wir dafür bezahlt. Unsere persönliche Meinung wird durch diese Kooperation nicht beeinflußt, denn wir schreiben authentische Reiseberichte.

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7 Kommentare

  • Antworten
    Marina
    23. Oktober 2018 an 18:49

    Hi Miriam, das sieht ja traumhaft aus! Also ich muss definitiv zur Apfelernte und in das süße Café. Und am besten nehme ich noch den Este-Wanderwege mit. Tolle Fotos und inspirierender Artikel. Altes Land ich komme! LG Marina

    • Antworten
      Miriam
      27. Oktober 2018 an 18:04

      Hi Marina,
      ja, das Hofcafé Ottilie ist wirklich super süß! Und auch noch so idyllisch! den Este-Wanderweg wollte ich auch noch einmal machen, den stelle ich mir nämlich auch sehr fein vor.
      Lg Miriam

  • Antworten
    Ricarda Christina Hollweg
    23. Oktober 2018 an 9:59

    Hallo Miriam,
    die Idylle des Alten Landes reizt mich schon länger. Leider ist Hamburg bei uns nicht ganz um die Ecke, aber beim nächsten Hamburg-Besuch möchte ich es auf jeden Fall entdecken. Bin großer Fan idyllischer Oasen in und um Großstädte. Danke für die schöne Inspiration.
    Liebe Grüße
    Ricarda

    • Antworten
      Miriam
      27. Oktober 2018 an 18:03

      Liebe Ricarda,
      das Alte Land ist wirklich so eine schöne Oase! Vor allem kann man von Frühling bis Herbst auch total nett auf dem Elbdeich spazieren gehen. Wenn Du die Möglichkeit hast und nach Hamburg kommst, dann lohnt ein Tagesausflug is Alte Land auf jeden Fall!
      Viele Grüße
      Miriam

  • Antworten
    Elbtalaue bei Bleckede - Tagesausflug ab Hamburg | Travelinspired
    22. Oktober 2018 an 19:42

    […] Ausflug ins Alte Land […]

  • Antworten
    Kristin
    22. Oktober 2018 an 15:29

    Hallo Miriam,
    was für schöne Fotos! Das Alte Land ist aber auch einfach super idyllisch mit seinen alten Fachwerkhäusern und Apfelbäumen. Da müssen wir auch dringend mal wieder hin!
    Liebe Grüße
    Kristin

    • Antworten
      Miriam
      27. Oktober 2018 an 18:05

      Hallo Kristin,
      ja, man ist einfach viel zu selten dort, obwohl es ja sozusagen vor der Haustür liegt 😉
      Ich kenne das Problem sehr gut.
      Lg Miriam

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