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Akko im Norden Israels – Stadt der Kreuzritter

Akko-Israel

Akko, die alte Kreuzfahrerstadt im Norden Israels, hat etwas Besonderes. Sie strahlt, wie auch die Altstadt von Jerusalem, eine gewisse Magie aus. So ergeht mir das häufig an alten geschichtsträchtigen Orten, an denen sich Kulturen und Religionen mischen, aber sich auch bekämpft haben. Orte, die im Laufe der Geschichte immer wieder Schauplatz für Eroberungen, Kämpfe und Machtwechsel waren. Die dicken Mauern, die die Altstadt von Akko umgeben, erzählen genaue diese wechselvolle Geschichte von Angriff und Verteidigung.

Akko war, aufgrund seiner günstigen strategischen Lage, bis ins 19. Jahrhundert der wichtigste Hafen in der Region, trat dann den Rang aber an die moderne israelische Stadt Haifa, die südlich von Akko liegt, sowie an Beirut im Libanon, ab.

Seit 2001 gehört diese Stadt mit ihrer wechselvollen, rund 5.000 Jahre andauernden Geschichte zum UNESCO Weltkulturerbe.

 

Rundgang in der Altstadt von Akko

Die Altstadt von Akko lässt sich, aufgrund ihrer Größe, wunderbar zu Fuß erkunden. Man erreicht die Altstadt durch drei Zugänge, zwei von Norden, also der Neustadt aus (Weizman Street und Ha-Hagana Street), sowie durch einen weiteren Zugang im Osten (Yehoshafat Street). Orientiert Euch bei der Anfahrt am besten an der Ausschilderung zum Akko Visitors Center.

 

Geschichte Akkos

Das heutige Bild der Altstadt stammt größtenteils aus dem 18. Jahrhundert und ist geprägt durch die osmanische Zeit. Unter den Gebäuden, die von den Osmanen errichtet wurden, hat man bei archäologischen Ausgrabungen die unterirdisch angelegten Fundamente der alten Kreuzritterstadt gefunden. Nach dem Fall von Jerusalem wurde Akko nämlich die Hauptstadt des Kreuzfahrerreiches.

1291 bereiteten die Mamelukken der christlichen Herrschaft in Akko ein Ende. Seit dem verfielen die Gebäude der Kreuzfahrerstadt. 450 Jahre lang hatte Akko keine Bedeutung mehr, bis erst im 17. Jh. die Drusen die Stadt zu neuem Leben erweckten. Ende des 18. Jh. war Akko wieder ein blühendes Tor zum Orient, so dass die Osmanen es ebenfalls eroberten und einnahmen. Auch Napoleon versuchte hier Ende des 18. Jahrhunderts sein Glück die Stadt einzunehmen, scheiterte aber.  Er soll nach seiner Niederlage gerufen haben „Wer Akko erobert, erobert die Welt“ und warf wohl frustriert seinen Hut ins Meer.

Die Menschen, die Bewohner dieser Stadt, sie sind immer geblieben, und besiedelt diesen Flecken Erde bereits seit 5000 Jahren durchgehend.

 

Hospitaliter Festung – Festung und unterirdische Stadt der Kreuzritter

Im Jahre 1105 machten die Kreuzfahrer Akko zu ihrer Stadt, zu ihrer Trutzburg des Glaubens. Sie legten Fluchttunnel an, mit Hilfe derer sich die Christen im Falle eines Angriffes flüchten konnten.

Die Kreuzfahrer übergaben den Hospitalitern, einem militärischen Mönchsorden, der sich der Pflege der Kranken und die Verteidigung der Pilger im Heilgen Land zur Aufgabe machte, Ländereien, auf denen sie letzten Endes die noch heute erhaltene, zum Teil unterirdisch angelegte, Kreuzfahrerstadt mit Zisternen und Abwassersystemen gründeten.

Jerusalem und auch Akko wurden 1187 von den Muslimen unter Sultan Salah ad-Din (Saladin) erobert. Doch so einfach gaben die Kreuzritter Akko nicht auf und belagerten die Stadt, bis sie schließlich, 4 Jahre später dank der Armeen von Richard Löwenherz, wieder in christliche Hände zurückfiel (Dritte Kreuzzüge). Während dieser Belagerung gründeten 1190 Kaufleute aus Lübeck und Bremen den Deutschen Orden (Deutschritter Orden) als Hospitalgemeinschaft, nur 8 Jahre später erfolgte die Umwandlung in einen Ritterorden.

Heute kann man die Kommandatur (Rittersäle) u.a. mit dem Refektorium, in dem schon Marco Polo auf seiner Reise nach China gespeist haben soll, besichtigen. Des Weiteren findet man z.B. einen Gefangenensaal mit zahlreichen Metallhaken an der Wand, an denen die Gefangenen befestigt wurden, sowie auch eine südliche Strasse, die verschiedenen Teile der Stadt miteinander verband. An ihren Wänden kann man seltene Gravuren in Form von u.a. Kreuzen, geometrischen Formen und  Wappen entdecken.

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Informationsleitsystem in der Kreuzritterstadt.

 

Im Eintrittspreis ist ein Audioguide in 8 verschiedenen Sprachen u.a. auch deutsch enthalten. Sobald man mit ihm in die Nähe des Informationsleitsystems gelangt, so bekommt man die Informationen der jeweiligen Station angesagt. Pfeile auf dem Boden weisen einem den Weg und die Richtung in der die gesamte Anlage zu begehen ist. In den einzelnen Sälen gibt es zahlreiche ausgestellte Exponate sowie weitere Infotexte und Tafeln mit Bildern. Auch an Animationen, die an die Wände projiziert werden, hat man bei diesem pädagogischen Museumskonzept gedacht. Dies alles macht die Reise in die Kreuzfahrerzeit zu einem abwechslungsreichen Museumserlebnis.

Die gesamte Anlage, bis auf den Templertunnel, ist zum größten Teil barrierefrei ausgerichtet!

 

Der Tunnel der Tempelritter

Der Templerorden war ebenfalls ein militärischer Mönchsorden mit ähnlichen Zielen wie der Hospitaliterorden. Seinen Namen hat er vom Tempelberg in Jerusalem, auf dem der Orden siedelte um das Heiligtum zu beschützen. Nach dem Sieg des Sultans Salah ad-Din (Saladin) 1187 verlegte der Orden seinen Sitz nach Akko und erbaute sein Viertel im Südwesten der Stadt. Dazu gehörte auch der sogenannte Templertunnel von rund 350 m Länge, der sich von der Templerfestung im Westen bis zum Hafen im Osten erstreckte.

Nach der vollständigen Freilegung und Rekonstruktion konnte der gesamte Tunnel 2007 für Besucher freigegeben werden.

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Das Badehaus – Hamam Al-Baschi

Der Besuch des einstigen Badehauses (Hamam Al-Baschi) ist ein Erlebnis für sich.

Auf Fundamenten der Vergangenheit, wurde hier in der Ottomanischen Periode Ende des 18. Jahrhunderts das Hamam von Jazzar Pascha, dem damaligen Herrscher von Akko, geschaffen und für die Besucher heute rekonstruiert.

Das Hamam war nicht nur ein Ort der Ruhe, Entspannung und Reinigung, sondern auch ein Ort an dem viele Geschichten erzählt, der neueste Klatsch und Tratsch ausgetauscht, aber auch knallharte Verhandlungen und Debatten geführt wurden.

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Der Besucher wird durch drei Hauptbereiche geführt, den Umkleideraum für den Sommer, die Übergangsräume und den heißen Raum, dem sogenannten Dampfraum, in dessen Mitte sich ein heißes Wasserbecken befindet. Hier wurde geschrubbt, massiert und „geschlagen“. Die Räume sind alle mit Figuren ausgestattet, die die typischen Aktivitäten eines Hamam wiedergeben. Leinen sind quer durch den Raum gespannt, auf ihnen hängen Tücher, die im Dampf nur schemenhaft erkennbar sind. Eine Tonspur im Hintergrund haucht der Szenerie Leben ein. Man hört Gespräche und Tropfgeräusche und fühlt sich somit mitten drin. Um das mittlere Becken liegen Männer und werden massiert und geschrubbt. Am Rande des Raumes sitzt der Verwalter des Hamam, der Balane, und erzählt von der letzten Generation seiner Art. Untermalt wird das Ganze noch mit einer audio visuellen Vorführung.

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Das Erlebnis wird auch hier wieder von einem Audioguide vervollständigt und ist in 8 Sprachen hörbar.

Eintritt: 

Erwachsene 25 Shekel (ca. 5,80€)

Kinder 18 Shekel (ca. 4,20€)

Ich empfehle hier das Kombiticket „groß“ (62 Shekel, ca. 14,40€) mit der Zitadelle, dem türkischen Bad, dem Templer-Tunnel sowie zwei Museen. Auch wenn man vielleicht nicht alles besichtigen will und kann, kann man gegenüber dem Einzelpreis Geld sparen wenn man sich, so wie wir, die Zitadelle, den Templer-Tunnel und das Badehaus anschauen möchte.

 

Der Hafen

Heute liegen im Hafen von Akko eher kleine Fischerboote und Yachten. Dies täuscht aber ein wenig über die historische Bedeutung hinweg, denn der Hafen von Akko mit seinen Minaretten und Kirchtürmen, war seit der Antike einer der wichtigsten Häfen Palästinas. Über die Zeiten hinweg, lagen hier die Schiffe der Ägypter, Griechen, Römer und Phönizier, später die großen Segelschiffe der Kreuzfahrer und Händler vor Anker.

Wer gerne Fisch isst, findet hier zahlreiche Restaurants, in denen er zum Mittag oder Abendessen einkehren kann.

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Die Karawanserei Khan al Umdan

Zu fast jeder orientalischen Stadt gehören die Karawansereien, denn hier fanden die zahlreichen Händler und ihre Lasttiere eine Unterkunft und Platz für ihre Waren. Die Tiere wurden in den Ställen im unteren Teil untergebracht, die Händler hatten im oberen Stockwerk ihren Platz.

Khan al Umdan, die „Karawanserei der Säulen“, ist die größte noch erhaltene Karawanserei in ganz Israel. Ende des 18. Jahrhunderts wurde sie unter Ahmed Jezzar fertig gestellt. Wer genauer hinsieht erkennt, dass für den Bau dieser Karawanserei zahlreiche Elemente älterer Bauwerke verwendet wurden, hauptsächlich aus der Kreuzfahrerzeit. 1906 wurde der weithin sichtbare hohe Glockenturm angefügt.

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Die Altstadt heute

Die Gassen der Altstadt sind noch so, wie sie immer waren. Hektisches Treiben und Verhandeln prägen die Gassen des weißen Bazars. Bunte orientalische Kleider hängen neben modernen Stücken „Made in China“. Alte Keramik reiht sich neben bunt bemalte und vor kurzem gefertigte Stücke genau so ein, wie die zahlreichen Plastik- und Küchenutensilien. Wer fernab von den touristischen Restaurants am Hafen authentische orientalische und israelische Küche essen möchte, der wird hier fündig. Luxus darf man hier nicht erwarten, dafür aber unglaublich leckere und vielseitige Speisen zu sehr kleinen Preisen.

 

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Kurioses findet man überall…

 

Anreise Akko:

Von Tel Aviv aus ist Akko mit dem Auto ca. 2 1/2 Stunden entfernt, von Haifa aus nur ca. 45 Minuten.

Außerdem ist es auf der Bahnstrecke von Tel Aviv nach Nahariya zu erreichen.

 

 

 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Ines
    1. Mai 2018 an 19:12

    Liebe Miriam,
    da hast du aber ein paar sehr schöne Tipps gesammelt. Ein toller Beitrag. Sieht nach einer spannenden Reise aus!
    Liebe Grüße
    Ines

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