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Wandern in der Lüneburger Heide: der Totengrund

Es ist noch frisch an diesem Morgen im Mai und es ist früh. Verdammt früh. Genauer gesagt 4 Uhr morgens als ich aufstehe. Eine Stunde später treffen wir uns mit unserem Gäste-und Wanderführer Dieter Rademacher der uns zum Sonnenaufgang an einen ganz besonderen Ort in der Lüneburger Heide bringen wird: dem Totengrund.

Die Vögel zwitschern bereits und kündigen den neuen Tag an, die ersten zarten Sonnenstrahlen lassen sich durch das dichte Blätterdach des Waldes bereits erahnen.

Wir folgen Dieter Rademacher, einem Herren in seinen 70ern, der so manchen von uns mit seinem flotten Schritt ganz schön abgekämpft aussehen lässt durch den Wald, bis dieser sich lichtet und wir mitten in der typischen Heidelandschaft stehen. Die Sonne ist bereits zum Teil zu erkennen und spielt mit Bäumen und Büschen ein Spiel aus Licht und Schatten. Nebel zieht fast schon gespenstisch um die Heide und hüllt die Landschaft in eine seltsame Stimmung. Euphorie macht sich breit, denn die Szenerie wird immer schöner. Der Morgentau, der sich in den Spinnennetzen sammelt, aufgereiht wie eine Perlenkette, glitzert wie ein teures Collier. Die Natur hat sich schick gemacht für uns.

Wo der Saum der Hügelketten
Fern den müden Himmel hält,
dort zerfließt in violetten
Farbentönen schon die Welt.

Bäume heben scharf umrissen
sich hervor am Bergesrand,
rings im fahlen, ungewissen
Lichte träumt das Heideland.
(Ausschnitt aus dem Gedicht „Auf der Heide“ von Rainer Maria Rilke)

Wir steigen einen Hügel hinauf und wissen gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollen. Jeder Wacholder, jeder Heidestrauch, jeder Baum dieser Landschaft ist in diesem Moment Bestandteil eines unglaublichen Gemäldes der Natur in den wunderbarsten Farben. Es gilt keine Zeit zu verlieren, um noch die schönsten Momente des Sonnenaufgangs erleben zu können. Dieter Rademacher ist kaum noch zu halten.

Im Talkessel, dem sogenannten Totengrund, der unterhalb des Hügels liegt, scheint es als ob die Nebelschwaden durch die Wacholder hindurch fließen, immer weiter durch die Heide, bis sie gänzlich von Sonnenstrahlen verschluckt werden. Die Silhouetten der Bäume, die sich im Nebel abzeichnen und durch die tief stehende Sonne wunderbare lange Schatten in die Landschaft werfen, lassen einen für einen kurzen Moment denken, es handele sich um einen Friedhof mit Grabsteinen. Doch weit gefehlt. Der Name bedeutet wahrscheinlich, aufgrund des Wassermangels, eher „Toter Grund“, denn für die früheren Bauern in der Heide war der Boden wertlos, also tot.

Völlig verzaubert vom Anblick dieser Landschaft wandern wir rings um den Talkessel auf einem der gut ausgeschilderten Wanderwege, die durch Wälder und eben die Heidelandschaft führen, herum. Der Nebel lichtet sich nach und nach und die Sonne lässt nun die pastellfarbene Landschaft in immer kräftigeren Farben erscheinen. Müde aber überschüttet mit Endorphinen wandern wir langsam zurück. Es ist mittlerweile 8 Uhr. Unser Frühstück wartet in unseren Hotels. Und Kaffee. Vor allem Kaffee.


Wo kann ich in der Lüneburger Heide übernachten?

Im Raum Bispingen gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Übernachten z.B. in den Center Parcs, im Zentrum von Bispingen oder etwas weiter ins Naturschutzgebiet hinein. Ich habe in der Pension „Das kleine Landhaus“ in Oberhaverbeck direkt am Naturschutzgebiet gewohnt. Eine ideale Ausgangslage für alle die gerne wandern möchten. Die Pension bietet sowohl Doppel- als auch Einzelzimmer inkl. Frühstück an. In einem liebevoll gestalteten Speiseraum kann man sich morgens am Frühstücksbuffet für den Tag stärken und auch sonst tun Kristan und Claudia alles, damit es einem an nichts fehlt.

Eine Übersicht, wo wir in der Region Bispingen alle übernachtet haben, hat Tanja von Spaness erstellt. Dort findet ihr auch die Berichte zu den einzelnen Unterkünften.

Weitere tolle Bilder zum Sonnenaufgang am Totengrund findet ihr bei Kerstin vom Blog Ein zweiter Blick.

Mein Dank geht hier ganz speziell an unseren tollen Gästeführer Dieter Rademacher, der sich bereit erklärte, unseren spontanen Plan einer so frühen Wanderung fachkundig zu begleiten. Danke auch an Bispingen Touristik e.V., die mich zu diesem Aufenthalt eingeladen haben.

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10 Kommentare

  • Antworten
    Ellen
    16. Oktober 2017 an 7:06

    Ich war schon ewig nicht mehr in der Heide. Dein Artikel macht Lust darauf gleich loszulaufen. Tolle Bilder!
    Liebe Grüsse
    Ellen

  • Antworten
    Heike Bohm
    3. Juli 2017 an 13:10

    Ich konnte mich ja an dem Morgen nicht aufraffen und „mitten in der Nacht“ aufstehen. Aber je mehr ich all die tollen Bilder sehe und Berichte lese, je mehr bereue ich das. Traumhaft schöne Bilder, liebe Miriam.
    Liebe Grüße, Heike

    • Antworten
      Miriam
      22. Juli 2017 an 11:57

      Ach Heike, aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben, oder wie heißt es so schön! Das nächste Mal bist Du dabei 😉
      Ich hatte mich auch echt hoch gequält und das ohne Kaffee! (Absoluter Graus!!!) Dafür hab ich dann ja im Anschluss mit Tanja und Petra im schönen Landhaus Haverbeckhof frühstücken können.
      Es war wirklich so toll mit Euch allen!
      Liebe Grüße
      Miriam

  • Antworten
    Rauszeiten im Juni 2017 || Reiseblog TRIP TO THE PLANET
    1. Juli 2017 an 19:41

    […] Wandern in der Lüneburger Heide: der Totengrund […]

  • Antworten
    Anita und Claudia
    1. Juli 2017 an 14:38

    Liebe Miriam.
    Was für wunderschöne Bilder hast du da gemacht! Absolut toll!
    Danke für den schönen Bericht, in der Lüneburger Heide sind wir noch nicht gewandert… vielleicht sollten wir mal 🙂
    Liebe Grüße
    Anita und Claudia

    • Antworten
      Miriam
      1. Juli 2017 an 16:05

      Liebe Anita, liebe Claudia,
      ich hatte die Region immer eher so für Rentner abgestempelt, aber musste das genaue Gegenteil feststellen! Zum Wandern ist die Region ein Traum (zur Heideblüte natürlich etwas voller). Und auch sonst hat z.B. die Region Bispingen einiges zu bieten. Ich kann Euch die Lüneburger Heide wirklich nur empfehlen!
      Lg Miriam

  • Antworten
    Tanja
    29. Juni 2017 an 22:46

    Wunderschöne Bilder. Ich bin immer wieder begeistert. 🙂
    Wir sollten vielleicht bei unserem Schäfertreffen in der Heide auch noch eine weitere Sonnenaufgangswanderung anhängen… da gibt es ja noch einige schöne Orte für so eine Tour. 🙂

    Liebe Grüße, Tanja

    • Antworten
      Miriam
      1. Juli 2017 an 16:02

      Liebe Tanja,
      auf jeden Fall! Da gibt’s noch so viele schöne Ecken! Wenn die nur halb so schön wie der Totengrund sind, stehe ich gern noch einmal so früh auf!
      Lg Miriam

  • Antworten
    Lena
    23. Juni 2017 an 19:21

    Das klingt so toll! Da hat sich das Aufstehen echt gelohnt. Jetzt bedauere ich noch mehr, dass wir nicht dabei gewesen sind. 🙂

    • Antworten
      Miriam
      23. Juni 2017 an 22:09

      oh ja, es war großartig! Aber glaub mir, danach waren wir alle fertig und wollten nur noch frühstücken und Kaffee trinken. Das war dann aber auch umso schöner 😉

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