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Wandern im Harz: der Klosterwanderweg, pilgern von Thale nach Goslar

Harzer Klosterwanderweg Stempel am Kloster Himmelpforte

Im Harz gibt es zahlreiche bekannte Wanderwege, wie den Goetheweg zum Brocken, die Wanderung durchs Bodetal, oder den Liebesbankweg bei Hahnenklee.

Weniger bekannt, aber mindestens genauso schön, ist der Harzer Klosterwanderweg, der auf einer Strecke von 73km von Thale über Blankenburg und Wernigerode bis nach Goslar reicht. Durch Wälder und Wiesen, entlang der Teufelsmauer und dem Nationalpark Harz, führt der Wanderweg vorbei an insgesamt neun Stationen, die aus Kirchen und Klöstern bestehen. Einige, wie die Klöster Wendhusen, Michaelstein, Drübeck und Ilsenburg, liegen zusätzlich an der Straße der Romanik, die mit rund 1000 km quer durch Sachsen-Anhalt führt.

Da wir in Form eines Roadtrips im Harz unterwegs waren, sind wir nicht die gesamten 73 km gewandert, sondern haben uns den Klosterwanderweg durch einzelne Tagestouren erschlossen. Angefangen haben wir in Thale, einer kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt am nordöstlichen Rand des Harzes.

Hinweisschild für den Harzer Klosterwanderweg

Der Klosterwanderweg ist überall gut ausgeschildert.

Der gesamte Klosterwanderweg ist mit einem roten Kreuz in einem roten Kreis auf weißem Grund gekennzeichnet. Zusätzlich gibt es an neun Stellen einen Stempelkasten der Harzer Wandernadel. In einem Begleitheft kann man als Nachweis die Stempel aller Klöster und Kirchen sammeln, ein Pilgerpass sozusagen.

Kloster Wendhusen

Kloster Wendhusen in Thale

Der Ort Thale dient als guter Ausgangspunkt für Erkundungen und Wanderungen im Bodetal. Gleich gegenüber dem Kloster Camping Thale liegt das um 825 gegründete Kloster Wendhusen, welches als einziges dieser Art noch karolingische Bausubstanz besitzt. Während der Bauernkriege wurde das Kloster beraubt und zerstört und 1540 zu einem Rittergut umfunktioniert. Wer sich für die Geschichte des Klosters interessiert, dem sei die Ausstellung zur Gründungsgeschichte im ehemaligen Herrenhaus sehr empfohlen.

Öffnungszeiten:

Mittwoch bis Sonntag 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Eintritt:

Erwachsene 3,00€, Kinder 1,50€

Streckenverlauf:

Von Thale aus wandert man ca. 13 km über die St. Bartolomäuskirche in Blankenburg bis zum Kloster Michaelstein. Die reine Gehzeit liegt bei ca. 3 Stunden. Landschaftlich beeindruckend wird der Weg entlang der Teufelsmauer. Hier unbedingt einen Fotostopp beim Hamburger Wappen einlegen!

Kloster Michaelstein

Kloster Michaelstein, Harzer Klosterwanderweg

Kloster Michaelstein, Harzer Klosterwanderweg

Das 1146 gegründete Kloster liegt sehr idyllisch in Randlage zum Harz in der Nähe von Blankenburg. Nach der Blütezeit im Mittelalter legte Mitte des 16. Jh. der letzte katholische Abt sein Amt nieder.

Heute beherbergt die Anlage die Musikakademie Sachsen-Anhalt. Regelmäßige Aufführungen und Veranstaltungen verschiedener Art prägen das heutige Bild des Klosters. Im Museum kann man sich zum Beispiel in der Ausstellung „KlangZeitRaum“ auf eine musikalische Zeitreise begeben und der Musik von Bach lauschen.

Neben einem Kräuter- und Gemüsegarten, kann man sich im Inneren von der Schlichtheit der Zisterzienserabtei überzeugen.

Öffnungszeiten des Museums:

April – Oktober 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr

November bis März Di – Fr 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr, Sa/ So u. feiertags 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Eintritt:

Erwachsene 5,50 €, Kinder bis 6 Jahre frei, ermäßigt 3,00€, es gibt Familienkarten

Streckenverlauf:

Vom Kloster Michaelstein geht es Richtung Wernigerode. Wer sich hier noch das Schloss anschauen möchte, sollte ungefähr zwei Stunden mehr einrechnen. Der Weg führt am südlichen Ende durch Wernigerode hindurch, bis man wieder in die Waldlandschaft des Harzes eintaucht. Reine Wanderzeit (ohne Schlossbesichtigung, aber mit kleinen Fotopausen ca. 3,5 Stunden für ca. 14 km)

Kloster Himmelpforte

Kloster Himmelpforte auf dem Harzer Klosterwanderweg, Luther Gedenkstein

Luther Gedenkstein beim Kloster Himmelpforte

Luther Gedenkstein beim Kloster Himmelpforte.

Bevor man von Wernigerode kommend auf das Kloster Drübeck trifft, kommt man an den Überresten des ehemaligen Augustiner-Eremitenklosters Himmelpforte vorbei. Allerdings darf man hier nicht viel erwarten, denn es gibt nur noch einige sehr klägliche Überreste von Mauern und Fischteichen, die hier von den Mönchen angelegt wurden.

1517 soll der Reformator Martin Luther hier Gast gewesen sein, zumindest ist das der Inschrift eines Gedenksteins zu entnehmen. Hier soll er den Ablasshandel besprochen haben, bevor er die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg anschlug. In den Bauernkriegen 1525 wurde auch dieses Kloster gestürmt, die Mönche flohen. Die Anlage blieb lange Zeit als Wallfahrtsort erhalten, bis sie Zusehends verfiel. Bis ins 19. Jh wurden die Steine des Klosters als Baumaterial für Häuser in der Umgebung genommen und die Klostergebäude somit fast vollständig abgetragen.

Öffnungszeiten:

Die Überreste sind ganzjährig zugänglich. Parkmöglichkeiten bestehen in Wernigerode.

Von Drübeck aus wandert man ca. 1,5 Stunden etwa 5 km durch schöne Mischwälder.

Kloster Drübeck

Kloster Drübeck, St. Vitus

Klosterwanderweg bei Drübeck

Klosterwanderweg bei Drübeck.

Wer kann, der sollte im Kloster Drübeck auf jeden Fall eine Nacht bleiben. Hier lebten und arbeiteten die Benediktinerinnen Tag ein, Tag aus, bis auch hier der Bauernkrieg über sie hereinbrach und die Nonnen zur Flucht veranlasste. Erstmals urkundlich erwähnt wurde es 960, da Kaiser Otto I. dem Kloster Land schenkte. Im 18. Jh. wurde es zum Damenstift und im 20. Jh. wurden dort Erholungskuren angeboten. Heute ist das Kloster Drübeck ein Tagungshotel, allerdings ohne seinen ursprünglichen Charme zu verlieren. Die Klosterküche ist exzellent und im Kloster-Café kann man sich bei Kaffee und Kuchen erholen oder abends seinen Wein genießen.

Öffnungszeiten:

Abends wird das Tor zum Klostergelände geschlossen. Ansonsten ganzjährig geöffnet.

Eintritt:

Da es sich um einen Hotelbetrieb handelt, ist das Betreten des Klostergeländes kostenfrei.

 Streckenverlauf:

Von Drübeck nach Ilsenburg läuft man zunächst an der Hauptstraße, bis man wieder in den angrenzenden Wald eintaucht. Die Wanderung durch das romantische Ilsetal nach Ilsenburg ist absolut zu empfehlen und wohl mit der schönste Streckenabschnitt. Vom Kloster Drübeck sind es ca. 3km bis nach Ilsenburg.

Kloster Ilsenburg

Kloster Ilsenburg, Kirche

Kommt man aus Richtung Drübeck den Klosterwanderweg entlang, führt dieser durch das wildromantische Ilsetal, bis der Weg einen Steilhang hinauf zum ehemaligen Benediktiner Kloster Ilsenburg führt.

Der Gebäudekomplex wurde erstmals 995 als „Elysynaburg“, also als Burganlage erwähnt, und war Aufenthaltsort von Kaiser Otto III. bei seinen zahlreichen Jagdausflügen. Die Burg wurde dann an den Bischof von Halberstadt übergeben und zu einem Kloster umfunktioniert. Sehr lustig fand ich die Ziegen, die sich unerbittlich an den Rosen zu schaffen machten, ohne von irgendwem aufgehalten zu werden. Das Schloss Café bietet die Möglichkeit zu einer Verschnaufpause bei Kaffee und Kuchen. Wer richtigen Hunger mitbringt, dem können wir die Nagelschmiede (12 min. Fußweg vom Kloster, ca. 1 km, Ilsetal 21, 38871 Ilsenburg) sehr ans Herz legen. Am schönsten sitzt man dort auf der Terrasse. Die Gerichte sind sowohl für den Gaumen als auch für die Augen eine Freude. Hier gibt es junge, regionale und saisonale Küche.

Im Kloster Ilsenburg kann man sich übrigens auch trauen lassen und verschiedene Räume für Feiern mieten.

Öffnungszeiten:

November bis März: 11:00 Uhr bis 15:30 Uhr

April bis Oktober: 09:30 Uhr bis 16:30 Uhr

Eintritt:

Erwachsene 2,00€, ermäßig 1,00€

Streckenverlauf:

Von Ilsenburg geht es Richtung Eckertal über Feldwege und kleine Straßen nach Abbenrode, durch Wiedelah und am Vienenburger See vorbei zum Kloster Wöltingerode. Ca. 20 km Fußweg. Da wir uns ja auf einem Roadtrip befanden, mussten wir das Auto sozusagen „umsetzen“ und sind diesen Streckenabschnitt gefahren und nicht gewandert. Dafür haben aber Anita und Claudia von Aktiv durch das Leben im zweiteiligen Artikel den Weg ausführlich beschrieben: Pilgern auf dem Harzer Klosterwanderweg von Ilsenburg bis Wöltingerode.

Kloster Wöltingerode

Klosterhotel Wöltingerode

Kloster Wöltingerode, Hotel

Als Benediktinerkloster 1147 gegründet wurde es wenig später in ein Kloster für Zisterziensernonnen umgewandelt. Nach einem Brand im 17. Jh. wurde nach dem Wiederaufbau auch die Klosterbrennerei gegründet. Noch heute kann man hier sehr geschmackvolle Liköre und Kornbrände erwerben oder auch bei einem Tasting verschiedene Spirituosen probieren (unbedingt den Ingwer- und den Malzlikör probieren!). Das Kloster Wöltingerode ist heute ebenfalls ein Hotel in dem man sich verwöhnen lassen kann. Die Burgdame Eva hat hier übernachtet und gibt Euch in folgendem Artikel einen Einblick ins Hotel: Übernachten im Kloster auf dem Harzer Klosterwanderweg.

Öffnungszeiten:

Das Gelände lässt sich ohne Eintritt betreten. Es gibt öffentliche Führungen in der Klosterbrennerei und über das gesamte Gelände: jeweils Dienstag, Donnerstag, Samstag und Sonntag um 14:00 Uhr. Dauer ca. 1 Std.

Eintritt:

Führung inkl. Verkostung von ca. 10 Spirituosen 8,00 € pro Person.

Streckenverlauf:

Vom Kloster Wöltingerode führ der Klosterwanderweg weiter über Immenrode durch Felder bis zum Kloster Grauhof, am Rande der Welterbestadt Goslar.  Strecke ca. 8 km, Wanderzeit ca. 2 Std.

Kloster Grauhof

Im ehemaligen Kloster Grauhof kann man heute die Stiftskirche St. Georg des ehemaligen Augustiner-Chorherren Stifts besichtigen. Da die Stiftskirche nur an bestimmten Tagen geöffnet hat, entschieden wir uns sie auszulassen.

Öffnungszeiten:

Sonn-und Feiertag 15:00 bis 17:00 Uhr

Streckenverlauf:

Als letzter Punkt des Klosterwanderweges steht die Neuwerkkirche in Goslar im Pilgerpass. Von Wöltingerode aus sind es gut 3,5 Stunden Wegzeit und ca. 12 km.

Neuwerkkirche in Goslar

Die romanische Klosterkirche befindet sich direkt beim Rosentor, einem früheren Stadttor zur Altstadt von Goslar. Das katholische Nonnenkloster hatte seine kulturelle Blütezeit im 13. Jh. Rund 100 Jahre später wurde es zur Versorgungseinrichtung unverheirateter Töchter aus gutem Hause und erst im 17. Jh. funktionierte man es zu einem evangelischen Damenstift um.

Gleich neben der Kirche befindet sich der kleine Klostergarten, der eine wahre Ruheoase zur trubeligen Altstadt von Goslar bietet.

Hier endet der Harzer Klosterwanderweg.

Öffnungszeiten:

März bis Oktober , Montag bis Freitag 10:00 Uhr bis 16:30 Uhr.


Tipps:

Man kann den Klosterwanderweg auch gerne in einzelnen Tagesetappen wandern, so wie wir. Übrigens kann man mit dem Urlaubsticket HATIX, welches mit der Kurkarte an Übernachtungsgäste in der Harzregion ausgegeben wird, kostenlos die Bus-und Straßenbahnlinien benutzen. Dies ist besonders zu empfehlen, wenn man längere Wegstrecken läuft, denn so kann man den Rückweg dann mit dem Bus fahren.

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4 Kommentare

  • Antworten
    Marina
    18. August 2017 an 19:13

    Das hört sich verlockend an! Ich möchte demnächst auch mal pilgern und Klöster besuchen. Bin noch auf der Suche nach dem geeigneten Weg, aber schaue mir den Klosterwanderweg noch mal genauer an 🙂 PS: ich würde mich an Eurer Tour beteiligen 🙂 Und Jakobsweg hatte ich mal spontan für 2018 gedacht…also nicht den ganzen Weg 🙂 Oder wir starten alle von verschiedenen Ecken und Treffen uns mitten drinnen…mit noch vielen anderen Interessierten…ach das wäre witzig!:-) na vielleicht könnte man da was draus machen. Miriam – wir sehen uns ja bald. 🙂

    • Antworten
      Miriam
      18. August 2017 an 19:31

      Hallo Marina,
      ja coole Idee😁! Den Jacobsweg wollte ich auch mal in Angriff nehmen. Es gibt ja auch noch die Via Baltica, allerdings ist das Klima auf dem Jacobsweg wahrscheinlich schöner! Blogger-Pilger-Reise!
      Lg Miriam

  • Antworten
    Katja vom WellSpaPortal
    14. August 2017 an 8:30

    Was für ein schöner Artikel, der mir richtig Lust macht, meine Klostertour auch endlich zu beschreiben. Denn der Jakobsweg ( eine Runde pilgern bitte) läuft hier fast an meiner Haustüre vorbei.

    Vielleicht können wir ja auch mal gemeinsam eine Tour machen.
    Liebe Grüße Katja

    • Antworten
      Miriam
      14. August 2017 an 8:48

      Liebe Katja,
      auf dem Jakobsweg würde ich ja auch gerne mal wandern/pilgern. Eine gemeinsame Tour klingt super! Es gibt in Deutschland soooo viele tolle Wanderwege, da lässt sich immer etwas finden!
      Es gibt ja auch zahlreiche wanderbegeisterte Blogger!
      Lg Miriam

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