Deutschland UNESCO Welterbe

UNESCO Welterbe im Harz: Goslar, Rammelsberg und Oberharzer Wasserwirtschaft

UNESCO Welterbe Bergwerk Rammelsberg

In und rund um Goslar gibt es gleich mehrere Stätten die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen: die Altstadt von Goslar, das Bergwerk Rammelsberg und die Oberharzer Wasserwirtschaft.

Altstadt von Goslar

Goslar, eine durch ihr zahlreiches Fachwerk geprägte Stadt im nördlichen Harzgebiet, wird dominiert von der im romanischen Stil erbauten Kaiserpfalz und den ungefähr 47 Kirchen und Kapellen. Schlendert man durch die Gassen der Altstadt wird einem klar, Goslar war eine reiche Stadt, denn davon zeugen die zahlreichen Gilde- und Kaufmannshäuser, genauso wie das kunstvoll geschnitzte Fachwerk und die zahlreichen historischen Gebäude.

Fachwerkfassade in Goslar

In Goslar kommt einfach alles, was für die Harzregion so typisch ist, mit dem historischen Bergbau, den Zeugnissen der frühen Kaiserzeit und dem zahlreichen Fachwerk, zusammen. Schon die Römer erkannten den Harz als wertvolles Gebiet für den Erzabbau. Mit der Zeit bildeten sich Siedlungen heraus, in denen das Erz zu Metall verarbeitet wurde, welches man weit über die heutigen deutschen Grenzen, sogar bis nach Großbritannien nutze.

Die Stadt im Harz ist aus der deutschen Geschichte nicht wegzudenken. Um das Jahr 1000 taucht sie in einigen Schriftquellen erstmals auf. Im Jahr 1040 wurde die Kaiserpfalz unter dem Salier Heinrich III. gebaut, die den Mittelpunkt der gesamten Pfalzanlage bildete. (Pfalzen sind im übrigen sogenannte Wohnstützpunkte für den umherreisenden König gewesen, da nur durch das ständige umherreisen eine stabile Herrschaft möglich war.)

Kaiserpfalz in Goslar

Kaiserpfalz in Goslar

Hier in Goslar wurde eine der ergiebigsten Silberadern Europas entdeckt, die zum Aufstieg der Bergmannsstadt führte.

Erst im Dreißigjährigen Krieg setze ab 1618 ein Niedergang der Stadt Goslar ein. Ab Mitte des 19. Jh. ging es wieder langsam bergauf, da man eine neue Erzlagerstätte entdeckte.

Marktplatz in Goslar mit Brunnen

Brunnen auf dem Marktplatz in Goslar

Patrizierhaus Goslar Marktplatz

Patrizierhaus beim Marktplatz in Goslar

Rund um den Marktplatz mit seinem vergoldeten Reichsadler lassen sich tolle Patrizierhäuser, das gotische Rathaus sowie die Marktkirche bewundern. Besonders gefallen hat mir das Brusttuch, ein imposantes Patrizierhaus von 1521, so genannt aufgrund seines trapezförmigen Grundrisses.

An der Fassade des Hauses lassen sich nämlich schöne Schnitzereien entdecken, u.a. auch die „Butterhanne“ ein Wahrzeichen Goslars. Die Butterhanne ist eine Magd, die mit einer Hand buttert und mit der anderen Hand ihren Popo entblößt. Warum? Na weil die Herstellung von Butter schwere Arbeit war und dazu nicht immer erfolgreich verlief. Viele Menschen brachten die Herstellung der Butter mit dem Hexenwerk in Verbindung. Die Butterhanne aber ließ sich bei ihrer Arbeit von solchen Sichtweisen nicht beirren und zeigte dem Teufel auf dem gegenüberliegenden Fachwerkbalken ihren Hintern.

Butterhanne am Brusttuch in Goslar

Die Butterhanne zeigt ihr entblößtes Hinterteil

In der Altstadt von Goslar findet man auch heute noch zahlreiche Zeugnisse der Stadtbefestigung. So z.B. spaziert man durch das Rosentor, wenn man die Altstadt verlassen möchte um zur Neuwerkkirche zu gelangen, die den Start-bzw. Zielpunkt des Harzer Klosterwanderweges bildet.

Stadttor Rosentor Goslaer Altstadt

Das Rosentor in der Altstadt von Goslar

1992 wurde die Altstadt von Goslar mit dem Bergwerk Rammelsberg zusammen zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Bergwerk Rammelsberg

Grubenbahn Rammelsberg Bergwerk

Das Goslar so eine reiche Stadt war, hat sie vor allem dem Bergbau und dem Bergwerk Rammelsberg zu verdanken. Bereits im 3. Jahrhundert nach Christus wurde am Rammelsberg Bergbau betrieben. Im Mittelalter erlangte der Bergbau am Rammelsberg seinen Höhepunkt und führte zum wirtschaftlichen Aufstieg Goslars und der gesamten Region. Abgebaut wurden vor allem Silber, Kupfer, Blei und Zink. 1988 wurde das Bergwerk Rammelsberg stillgelegt und sollte eigentlich abgerissen werden. Aber wie so oft vieler Orts zu bemerken ist, hat sich auch hier eine Bürgerinitiative gebildet, die dieses Kulturdenkmal erhalten wollte. Mit Erfolg, denn heute kann man das Industriedenkmal nicht nur in einem oberirdischen Museum, sondern auch in geführten Touren unter Tage erleben. Heute sind die 1936 erbauten breiten und markanten Holzgebäude zur Erzaufbereitung, die sich terrassenförmig über den Berg ziehen, der bekannteste Anblick des Bergwerkes.

Bergwerk Rammelsberg Kraftzentrale

Museumshaus Kraftzentrale

Wandgemälde Lohnhalle Bergwerk Rammelsberg

Wandgemälde in der Lohnhalle

Oberharzer Wasserwirtschaft

Oberharzer Wasserwirtschaft Panoramaaufnahme Auerhahnteiche

Panoramaaufnahme der Auerhahn Teiche bei Hahnenklee

Auerhahnteich bei Hahnenklee

Mitte des 19. Jh. erlebte der Bergbau im Harz seine zweite Blütezeit. Dazu wurden ca. 500 km Gräben, 30 km Stollen in den Berg getrieben und 143 Stauteiche im Oberharz angelegt, die den Bergbau bzw. die ca. 250 Wasserräder mit 7-12m Durchmesser mit Antriebswasser versorgten.

Die Schächte im Bergbau wurden im Laufe der Zeit immer tiefer und das eindringende Wasser zu einem immer größer werdenden Problem. Mit unterirdischen Wasserrädern entwässerte man die Stollen und transportierte sogar die Erzkübel und Bergleute damit nach oben. Da der Oberharz sehr regenreich ist, musste man das Wasser nur irgendwo sammeln, und so legte man in der Zeit zwischen 1530 und 1870 auf einer Fläche von 200 km² ein Wasserwirtschaftssystem mit 143 Stauteichen, 500 km oberirdischen Wassergräben und 30km unterirdischen Wasserläufen an, da es noch keine Rohre gab. Dieses System war das größte vorindustrielle Energieversorgungssystem weltweit und wurde deshalb 2010 in das, mit der Altstadt von Goslar und dem Bergwerk Rammelsberg kombinierte, UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Die beeindruckensten Teiche kann man heute noch bei Hahnenklee sehen (Auerhahn Teiche) die kaskadenförmig bergabwärts angelegt sind. Um sie herum führen nicht nur schöne Wanderwege, sondern man hat auch die Gelegenheit aus den am Wegesrand angebrachten Schautafeln viel über das Thema Oberharzer Wasserwirtschaft zu erfahren.

Auerhahnteiche bei Hahnenklee

Info Bergwerk Rammelsberg

Öffnungszeiten

tägl. 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr

letzte Führung: 16:30 Uhr

Führungen

Es gibt insgesamt fünf Führungen zu verschiedenen Themen mit unterschiedlicher Dauer (von 20 Minuten bis 2 Stunden) ohne Anmeldung, sowie zwei Führungen, die nur mit Anmeldung stattfinden (Dauer jeweils 4 Stunden). Im Bergwerk ist es nur 12°C warm, also bloß keine Jacke vergessen!

Übrigens gibt es sogar Führungen bzw. die Möglichkeit für Rollstuhlfahrer in das Bergwerk zu gelangen, denn es sind bereits 70% der für die Besucher zugänglichen Bereiche barrierefrei ausgebaut!

Eintritt

Tageskarte Museum: Erwachsene 9,00€, Kinder 4,50€

Tageskarte Museum + 1 Führung: Erwachsene 16,00€, Kinder 9,00€

Für das Museum und die Führungen gibt es aber auch Familienkarten.

Das könnte Dir noch gefallen

3 Kommentare

  • Antworten
    MS WellTravel
    2. September 2017 an 20:58

    Oh schöner Beitrag! Das lässt mich in Erinnerung schwelgen! Meine Schwester hatte im Harz studiert und das ist schon ein paar mehr Jahre her! Jetzt weiß ich, dass ich bald da mal wieder hin muss! Danke für die schöne Erinnerung!

  • Antworten
    Annette
    18. August 2017 an 15:24

    Liebe Miriam, der Harz – gar nicht so weit weg von Berlin und ich war dennoch erst ein Mal in der Region unterwegs. Das muss ich wirklich ändern. Bei der Gelegenheit werde ich Goslar auch gleich auf meine Harz-Wunschliste schreiben.
    Liebe Grüße
    Annette

    • Antworten
      Miriam
      23. August 2017 an 20:47

      Liebe Annette,
      ich kann den Harz wirklich nur empfehlen und finde es wunderschön dort!
      Lg Miriam

    Hinterlasse ein Kommentar