Island UNESCO Welterbe

Thingvellir National Park in Island: wo Amerika auf Europa trifft

Im Thingvellir National Park (isländisch Þingvellir geschrieben) 50km östlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik, trifft nicht nur die amerikanische auf die europäische Kontinentalplatte, hier hielten auch die Wikinger, die das Land nach und nach besiedelten ihren Rat ab, ein Vorläufer unseres heutigen Parlaments. Der Nationalpark bildet zusammen mit dem Gullfoss und dem Geysir Strokkur eine der Hauptsehenswürdigkeiten im Süden Islands auf dem sogenannten Golden Circle.

Zwischen Amerika und Europa

Dass Islands Natur einmalig ist und man den Naturgewalten bei ihrer Arbeit zuschauen kann, haben wir vielerorts erlebt. Im Þingvellir National Park befindet sich eine Schlucht, die so scharfkantig aussieht, als wäre sie mit einer Säge aus dem Gestein gesägt worden. An diesem Ort trifft Islands Geschichte auf Islands Geologie. In der Allmännerschlucht (Almannagjá) wie auch in der Silfra Spalte, wird besonders gut sichtbar, wie die europäische und nordamerikanische Kontinentalplatte in Ost-West Richtung auseinander driften. Die Magma im Inneren der Erde drückt die Kontinente immer weiter auseinander und Island wächst so jedes Jahr um 2 cm.

Die Allmännerschlucht im Pingvellir Nationalpark.

Weiter Blick über das Talbecken des Nationalparks.

AlÞings – eine Besonderheit in Islands Geschichte

Geschichtlich ist dieser Ort für Island von herausragender Bedeutung. Hier fand im Jahre 930 n. Chr. erstmals das sogenannte AlÞing (auch Althing gesprochenstatt, eine von dem Zeitpunkt an jährlich stattfindende Versammlung von Stammesfürsten und freien Bauern um das rechtliche Zusammenleben auf der Insel zu ordnen.

Die Gegend bot Platz für 4000 Personen die an dem Þing teilnehmen konnten. Von allen Ecken des Landes kamen die Menschen zur Versammlung und übernachteten zum Teil in einfachen Hütten. Insgesamt konnten rund 50 Fundamente dieser Unterkünfte, die mit Steinen begrenzt und wahrscheinlich mit Grassoden als Dach belegt wurden, gefunden werden. Vom Osten des Landes dauerte es 17 Tage bis man am Versammlungsort in Þingvellir eintraf. Die 14 Tage andauernde Versammlung wurde z.B. auch von Ringkämpfen begleitet, oder man nutzte die Gelegenheit und hielt nach guten Heiratsallianzen ausschau, und so wurde das Gebiet in dieser Zeit zum gesellschaftlichen und politischen Mittelpunkt Islands.

Der Gesetzesfelsen, auch Logberg genannt.

Verurteilte wurden gerne in den Flüssen ertränkt.

Logberg – der Gesetzesberg

Auf dem Logberg wurden seit 930 n.Chr. Rechtsprechungen abgehalten, aber auch Menschen zum Tode verurteilt, oder als Missetäter in die Wüste geschickt, wo sie, wenn sie geschickt waren und Glück hatten, überleben konnten. Die Stammesfürsten hatten ihren Sitz auf der Anhöhe des Berges, während die getreuen Bauern und Gefolgsleute ihnen von unterhalb der Bergplattform beipflichteten.

In den frühen Zeiten des AlÞing gab es noch keine schriftlichen Aufzeichnungen und so wurden die Gesetze nur in mündlicher Tradition verfasst und weitergegeben.

Wurden Frauen zum Tode verurteilt, steckte man sie häufig in einen Sack, schnürte diesen zu und ertrank sie im Fluss oder einem stehenden Gewässer. Aber auch das Hängen oder Köpfen waren gängige Methoden um Verurteilte zu bestrafen.

Vergeltung hatte bei den frühen Isländern des 12. und 13. Jh. eine große rechtliche Bedeutung, und so kam es nicht selten zu blutigen Auseinandersetzungen, die heute zum Teil in den isländischen Sagas überliefert sind.

Im Jahr 1000 n.Chr. wurde hier über die Einführung des Christentums entschieden.

1798 tagte das AlÞing zum letzten Mal.

1944 wurde hier vor fast 30.000 Isländern über die Ernennung der Republik Island entschieden und der erste Präsident der Republik wurde auf dem Logberg gewählt.


Der Þingvellir National Park wurde 2004 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

 

Du warst schon mal in Island und hast auch den Þingvellir National Park besucht? Wie hat es Dir dort gefallen? Hinterlass mir doch einen Kommentar!

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7 Kommentare

  • Antworten
    Ellen
    13. Oktober 2017 an 18:02

    Wow! Ein schöner Bericht und so tolle Fotos! Island sollte ich wohl dringend auch mal als Reiseziel in Betracht ziehen.
    Liebe Grüsse,
    Ellen

    • Antworten
      Miriam
      13. Oktober 2017 an 18:22

      Liebe Ellen,
      Island kann ich nur empfehlen, am besten in der Nebensaison fahren, dann ist es nicht so überlaufen😁!
      Lg Miriam

  • Antworten
    Michaela
    14. August 2017 an 12:59

    Wow, das sieht ja traumhaft schön aus!! Dein Bericht und vor allem deine Bilder machen wirklich Lust auf Island 🙂
    Liebe Grüße,
    Michaela

    • Antworten
      Miriam
      14. August 2017 an 14:14

      Hallo Michaela,
      ja, Island erstaunt Dich hinter jeder Ecke auf’s neue und ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert!
      Lg Miriam

  • Antworten
    Ines
    23. Juli 2017 an 17:19

    Hallo liebe Miriam,
    wir waren heuer zum zweiten Mal in Thingvellir und auch zwei Mal schnorcheln in der Silfra Spalte – das hat echt Suchtfaktor. Danke für deine schönen Bilder, träume mich gerade zurück nach Island…
    Liebe Grüße Ines

  • Antworten
    Annette
    22. Juli 2017 an 20:47

    Island, ein ewiger Punkt auf meiner Bucket List. Deine eindrucksvollen Fotos haben mir erneut bewiesen, dass ich dieses Land endlich mal in Angriff nehmen sollte.

    • Antworten
      Miriam
      22. Juli 2017 an 23:22

      Liebe Annette, vor allem kann man dort tauchen! Nicht nur in der Silfra Spalte sondern an an Tauchspots an der Küste!
      Lg Miriam

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