Namibia

Nashörner – Eine hautnahe Begegnung

Eineinhalb Stunden liefen wir bereits durch die sengende Sonne, kein Tier war zu sehen. Vielleicht sollte es auch nicht sein, eine Garantie gibt es schließlich in der Wildnis nicht. Doch dann hob Ismael, unser Guide, die Hand. Stehenbleiben, nicht bewegen, nur ducken. Er schlich durch die Buschreihe neben uns und winkte uns zu, wir folgten ihm so leise wie wir konnten. Er prüfte die Windrichtung, blieb stehen, wartete. Zwei Minuten, drei Minuten, nichts. Dann endlich winkte Ismael uns heran, auf die kleine Lichtung zwischen den Büschen. Da standen sie vor uns, keine 40 Meter entfernt. Nashörner! Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Kein Auto, kein Zaun, kein Wasserloch zwischen uns. Nur die Sträucher und Bäume der namibischen Savanne. Ein Bulle hebt den Kopf, schaut in unsere Richtung. Hat er uns gehört? Hat er uns gerochen? Ich mache mir schon mal Gedanken wie ich einem bis zu 45 km/h schnellen Nashorn hier im Sand davonlaufen will.

Nashörner können hervorragend riechen und hören. Deshalb prüft unser Guide immer wieder die Windrichtung, wir unterhalten uns nur flüsternd und durch Zeichensprache.

Wahnsinn, da stehen sie, die 4 Tonnen schweren Kolosse und grasen friedlich vor sich hin. Wir setzen uns leise in den Sand und genießen voller Dankbarkeit diesen Augenblick. Diesen Tieren so nah zu begegnen ist ein unbeschreibliches Gefühl. Die Zeit haben wir irgendwann aus den Augen verloren, aber wir haben lange dort im Schatten der Bäume gesessen und einfach nur beobachtet. Ich glaube wir wären diesem Anblick nie müde geworden.

Ich denke immer wieder daran, dass diese wunderschönen Tiere zu den gefährdeten Arten gehören, zu der Freude die ich empfinde mischt sich auch ein wenig Traurigkeit. Unser Guide erklärt, das Nashörner zum Teil erst mit ca. 8 Jahren das erste Mal ein Kalb gebären. Das Horn des Tieres wächst aber schon bei den ganz jungen schnell und prächtig. Das wird ihnen zum Verhängnis.

Die Tiere vor uns sind zwischen 5 und 8 Jahren alt. Würden sie nicht hier in einem Reservat geschützt leben können, wären sie höchstwahrscheinlich längst Wilderern zum Opfer gefallen, ohne jemals für Nachwuchs gesorgt zu haben.

Bis zu 70.000 Euro werden auf dem Schwarzmarkt für ein Kilo Horn bezahlt. „Und dann gibt es da noch die Großwildjäger, die sind auch eine Gefahr für die Nashörner“ meint Ismael. „Bis zu 350.000 US Dollar sind einige bereit zu bezahlen, um ein Tier zu töten. Geld setzt sich leider über alle Gesetze hinweg.“ Ismael wird still, senkt den Kopf und bohrt mit seinem Stock im Sand herum. Ich drehe mich betroffen weg, weiß nicht was ich sagen soll. Ein Schnauben unterbricht die Stille und ich schaue wie die Kolosse in der Vegetation verschwinden.


Du möchtest immer über die aktuellsten Artikel benachrichtigt werden?
Trage dich einfach in unseren Newsletter ein!

Das könnte Dir noch gefallen

4 Kommentare

  • Antworten
    Genuss Touren
    28. Juni 2016 an 14:12

    Hallo Miriam,

    was für ein tolles Erlebnis auf einer Walking Safari. Ich kann Deine Bedenken nur zu gut verstehen – ich stand bei einer Safari genau zwischen Nashörnern und Elefanten – und das Herz hat mir bis zum Hals geklopft.

    Viele Grüße

    Daniela

    • Antworten
      Miriam
      28. Juni 2016 an 17:04

      Hallo Daniela,
      oh, das kann ich nach lesen Deines Artikels sehr gut nachvollziehen! Was für eine unglaubliche Situation die Du da erlebt hast! Wirklich toll!

      Viele Grüße
      Miriam

  • Antworten
    Miriam
    11. Juni 2016 an 15:59

    Liebe Ulrike,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Nach Nepal möchte ich ja auch unbedingt mal. Ich wusste gar nicht, dass es dort Nashörner gibt 🙂 . Die Tiere so zu sehen ist sehr beeindruckend. Was die Archäologie angeht, wird es hier in der nächsten Zeit auch noch einiges zu lesen geben.
    Ich freu mich, wenn Du wieder vorbei schaust.
    Lg Miriam

  • Antworten
    Ulrike
    11. Juni 2016 an 15:01

    Toll, wie Du deine Begegnung mit den Nashörnern beschreibst! Ich hab Nashörner im Chitwan-Nationalpark in Nepal gesehen. Beeindruckende Tiere. Ich musste schmunzeln, als ich las, wie Du Dir Gedanken um Deine Fluchtmöglichkeiten gemacht hast. Genau das hatte ich damals auch gedacht. Und mein Guide hatte gesagt, ich solle im Notfall auf einen Baum klettern.
    Ich freue mich sehr, dass ich Deinen interessanten Blog entdeckt habe. Uns eint auch ein gemeinsames Interesse, nämlich die Archäologie.
    Liebe Grüße
    Ulrike

  • Hinterlasse ein Kommentar