Polen UNESCO Welterbe

Krakau – die Magische

Die polnische Kulturhauptstadt Krakau wird auch oft als „die Magische“ bezeichnet, und ich muss sagen, dass ich dieses Attribut nachempfinden kann. Diese Stadt hat wirklich einen gewissen Zauber. Das liegt zum einen an ihren prachtvollen alten Bauwerken wie der Wawel, der alten Königsburg, die hoch über der Altstadt thront, ihren wunderschönen Häusern und Kirchen, zum anderen aber auch an ihren wundervollen Plätzen wie dem Rynek, der zum Kaffee trinken einlädt oder dem Planty (einer Parkanlage), der sich einmal um die Altstadt herumzieht und mit seinen Bäumen im Sommer den Spaziergängern Ruhe und Schatten bietet.

Krakau´s gesamtes Zentrum wurde zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Steht man mitten auf dem Rynek und schaut sich um, dann wird einem auch schnell bewusst, warum nicht nur ein Teil der Stadt zum Welterbe erklärt wurde, sondern man gleich das gesamte Zentrum in die Liste aufnahm.

Krakau ist ein wunderbares Ziel für ein verlängertes Wochenende oder auch gerne ein paar Tage mehr.
Die Altstadt lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Ein paar Möglichkeiten wie ihr Eure Zeit in der magischen Stadt verbringen könnt, zeige ich Euch hier.

Rynek – der größte mittelalterliche Platz Europas


Der Marktplatz bildet das Herz der Innenstadt und ist umgeben von eindrucksvoller Architektur aus verschiedenen Jahrhunderten, einer einzigartigen Kirche und Denkmälern. In der Mitte des Platzes stehen die ehemaligen Tuchhallen, an deren Außenseite sich heute Cafés und Shops befinden, innen kann man heute allerlei Souvenirs kaufen.

Nach einem ausgiebigen Stadtbummel kann man sich in den zahlreichen Cafés und Restaurants rund um den Platz mit kulinarischen Spezialitäten verwöhnen lassen oder einfach nur ein kühles Bier genießen. Auch wenn die Preise hier aufgrund der Lage etwas höher sind als anderswo, lohnt es sich trotzdem die Stadt hier einfach auf sich wirken zu lassen.

Vom Turm der Marienkirche aus hat man einen wundervollen Blick über die gesamte Stadt. Nach dem Turmabstieg lohnt es sich auch einen Blick in das Innere der Kirche zu werfen.
Die vielen Pferdekutschen, die rund um den Rynek stehen bieten zwar ein schönes Bild im historischen Zentrum, dennoch sollte man von einer Fahrt Abstand nehmen. Ich habe beobachtet, dass im Sommer die Tiere den ganzen Tag in der prallen Sonne stehen, niemand hat ihnen Wasser angeboten, während die Kutscher im Café ein kühles Bier genossen. Generell finde ich übrigens solche Kutschfahrten in Innenstädten nicht angebracht.

Der Rynek in Krakau mit seinen Cafés

Der Rynek in Krakau mit seinen Cafés von den Tuchhallen aus gesehen.

Sehr empfehlenswert ist das Museum unter den Tuchhallen (Untergrund des Marktplatzes „Podziemia Rynku“). Mit über 6000 m² Fläche ist es die weltweit größte Ausstellung dieser Art. Das frühere Krakau lag (wie natürlich alle Städte) viel tiefer als die heutige Stadt. So wandelt man auf ehemaligen Straßenzügen, passiert verschüttete Friedhöfe und wird mitgenommen in den Alltag der Menschen vor einigen hundert Jahren.

Planty – Park mit historischer Vergangenheit


Wo früher noch im 18. Jh. die Stadtmauer und die Wassergräben entlangliefen, dient der grüne Gürtel heute als kleines Erholungsgebiet für Touristen, geplagte Büromenschen und Familien. Der etwa 4 km lange Spaziergang rund um die Altstadt führt praktischer Weise auch zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten.
Im Norden (am Ende der Straße ulica Florianska) sind einige Meter der alten Stadtmauer, sowie das alte Florianska Tor erhalten geblieben. Davor liegt der sogenannte Barbakan, ein Verteidigungsbollwerk welches dem Stadttor im Mittelalter vorgelagert war.

Barbakane Krakau

Der Park rund um die Altstadt ist gespickt mit zahlreichen Statuen von Malern, Dichtern oder auch fiktiven Personen aus allerlei Dramen und Legenden. Ich glaube, es ist gerade dies, was ihn zu einem meiner Lieblingsplätze in der Stadt gemacht hat. Er bietet ein wenig Ruhe vom Trubel der Altstadt.

Statue für den polnischen Maler Jan Matejko.

Statue für den polnischen Maler Jan Matejko.

Das jüdische Viertel Kazimierz


Mein absolutes Lieblingsviertel in Krakau ist Kazimierz. Wie fast überall in der Stadt atmet man auch hier die Geschichte ein. Kazimierz war vor dem 2. Weltkrieg ein blühendes Viertel, welches sich natürlich mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung in die Ghettos durch die Nationalsozialisten änderte. Auch heute noch sind zahlreiche Häuser stumme Zeugen dieser Zeit. Von ihren Wänden blättert der Putz und blinde Fensterscheiben der verlassenen Häuser strahlen eine tragische Melancholie aus.

Aber schon hinter der nächsten Häuserecke erklingen die Melodien der Klezmer Musik, lassen es sich Menschen in einem der zahlreichen Cafés ihren Kaffee und Kuchen schmecken. Die Häuserfassaden sind restauriert und bilden einen wunderbaren Farbklecks. Blumen blühen, die Menschen genießen die Sommersonne, eine Stadtführungsgruppe zieht an mir vorbei. Das Leben erblüht wieder, das Viertel ist voller Hoffnung.
Wer in Kazimierz die Gassen entlang schlendert, vorbei an den zahlreichen Synagogen, gelangt auf den Plac Nowy auf dem das Leben tobt. Hier kann man übrigens die meiner Meinung nach besten Zapiekanki und Pierogi ganz Krakaus essen. Hier gibt es Samstags einen Flohmarkt, an den anderen Wochentagen werden hier Lebensmittel verkauft. Cafés und Restaurants wechseln sich mit kleinen Hinterhof-Biergärten ab. Alleine in Kazimierz kann man sich einen ganzen Tag aufhalten, ohne das es einem langweilig wird.

Der Wawel – die alte Königsburg


Hoch über der Stadt erhebt sich der Wawel mit dem Königsschloss von dem aus das Land regiert wurde. Viele verschiedene Baustile (romanisch, gothisch, Renaissance) erzählen von der wechselvollen Geschichte. Die Anlage thront auf einem Karsthügel der von Höhlen durchzogen ist. Übrigens wohnte in der Höhle direkt unter der heutigen Schlossanlage ein Drache (Smok), der die Jungfrauen der Stadt verschlang. Ein Schusterjunge half dem König Krak mit einem genialen Plan. Er füllte ein ausgestopftes Schaf mit Schwefel und warf es dem Drachen zum Fraß vor. Dieser verschlang das Tier, aber das Feuer in seinem Magen und das mit Schwefel gefüllte Schaf waren keine gute Kombination. Aufgrund seines starken Sodbrennens stürzte sich der Drache in die Weichsel und trank solange Wasser bis er platzte.

Happy End: der Schusterjunge durfte natürlich die Prinzessin heiraten. Vom König Krak leitet sich der heutige Name Krakau ab. Und Drachen findet man übrigens heute überall in der Stadt, man muss nur genau hinsehen!

Blick von der Marienkirche auf den Hügel Wawel mit dem Königsschloss

Blick von der Marienkirche auf den Hügel Wawel mit dem Königsschloss.

Der gesamte Wawel-Hügel mit seinem Königsschloss sind einen Besuch wert. Man sollte sich ausreichend Zeit nehmen um auch zum Teil kuriose Details wahrzunehmen. So gibt es über dem Eingang in die Kathedrale sehr mysteriöse Knochen zu bestaunen oder Menschen, die sich gegen Wände lehnen (und das nicht vor Erschöpfung). Nach einer Lehre aus dem Hinduismus soll nämlich der Gott Shiva sieben magische Steine auf die Erde geworfen haben. Einer landete auf dem Wawel-Hügel. Hindus, aber auch viele Esoteriker wollen hier die magische Kraft spüren und in sich aufnehmen. Daher gibt es mittlerweile ein offizielles Anlehnverbot!!!

 

Reiseinformationen


Anreise
Easyjet, Ryanair und Germanwings fliegen Euch z.B. von Hamburg, Berlin, Stuttgart und Dortmund aus ab ca. 50,00€ hin und zurück.

Vom Flughafen Jan Pawel II./Krakow-Balice fahrt ihr bis ins Zentrum ca. 35 min. (am Flughafen nehmt ihr den Bus Nr. 208 oder 292).

Rund um Krakau

Wer genügend Zeit mitbringt, der kann vom Hauptbahnhof Glowny in Krakau bis zur UNESCO Weltkulturerbe Stätte des Salzbergwerkes in Wieliczka fahren (ca. 30 min. Fahrtzeit).

Mit der Regionalbahn rund 1,5 Stunden von Krakau entfernt, liegt das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Je nach Jahreszeit ist in der Gedenkstätte Auschwitz die Besichtigung nur mit einer obligatorischen vierstündigen Führung möglich (April – Oktober 10-15 Uhr). Alternativ kann man die Tour auch mit einem der vielen kleinen Tourenanbieter in Krakau durchführen.


Du möchtest immer über die aktuellsten Artikel benachrichtigt werden?
Trage dich einfach in unseren Newsletter ein!

Das könnte Dir noch gefallen

Keine Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar