Auf den Spuren von... Namibia

Henno Martin und Herman Korn

Henno Martin Shelter Namibia

Es gibt Bücher, die sind etwas ganz Besonderes. Sie hinterlassen etwas, sie bleiben im Herzen und im Gedächtnis. Manchmal habe ich bei solchen Büchern das Gefühl, dass nicht ich sie, sondern sie mich verschlingen. Sie reißen mich mit in ihre Welt, ich fliege durch Raum und Zeit und bin mitten im Geschehen. Es sind diese Geschichten, die mich mein eigenes Ich und mein eigenes Leben reflektieren lassen.

Vor unserer Reise durch Namibia habe ich mich in dem Buch von Henno Martin „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ verloren. Es schildert den Überlebenskampf und das Abenteuer zweier deutscher Geologen, die sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Namibia befanden. Sie wollten der drohenden Internierung durch die südafrikanische Mandatsmacht entgehen und schmiedeten den Plan, sich in der Wüste, genauer gesagt im heutigen Kuisebcanyon im Namib-Naukluft Park, zu verstecken. Sie hatten in dem Gebiet vorher schon einige Forschungen unternommen. Trotzdem ein tollkühner Plan, denn sie waren mit einem Auto und dem Nötigsten, sowie einer Pistole und einer Schrotflinte ausgestattet.

Henno Martin Shelter Namibia

Henno Martin Shelter Namibia

Insgesamt verbrachten sie rund zweieinhalb Jahre in diesem unwirklichen Gebiet und wechselten in dieser Zeit aufgrund von Wasser- und Wildmangel zweimal ihre Unterkunft.

Henno Martin Shelter Namibia

Henno Martin Shelter Namibia

Sie lernten durch ausprobieren, wie man Fleisch am besten haltbar macht und wann welche Tiere wo zu finden sind. Sie lernten mit und von der Natur zu leben und zu überleben.

„Auf dem Sand aber hinterließ jedes Tier eine charakteristische Spur. Jede sandige Stelle in der Wüste ist eine Schreibtafel des Lebens. Und wer gezwungen ist, hier zu leben, der lernt schnell und ganz von selbst, die Schrift der Hufe, Klauen und Pfoten zu entziffern; bald wird es zur selbstverständlichen Gewohnheit, darauf zu achten. Ab und zu wischt starker Wind die ganze Tafel aus, und zieht feine Wellenzeichen darüber. Am nächsten Morgen sind die Ereignisse der Nacht wieder vom Sand abzulesen.“

Henno Martin Shelter Namibia Kuisib Canyon

Das Alleine sein mit sich selbst erscheint mir eine der wichtigsten Erfahrungen im Leben. Man beginnt nachdenklich, ja manchmal fast schon philosophisch zu werden und über das Leben an sich und gerade auch sein eigenes nachzudenken. Mir erging es im Sossousvlei so, als ich mit mir selber alleine war, nur der eigene Pulsschlag in meinem Ohr war zu hören. Diese Stille, diese Weite und die Einsamkeit lassen einen nachdenklich werden.

Im Zweiten Weltkrieg bekämpften sich die Menschen auf den grünen Wiesen und Wäldern im verregneten Europa, während Henno Martin und Herman Korn mit ihrem Hund Otto in der kargen und trockenen Mondlandschaft des Kuisebcanyons um ihr Überleben kämpften. Sie erkannten die Bedeutung von Leben und Tod und begannen in ihrer Einsamkeit über das Leben, die Entstehung und Entwicklung sowie die Daseinsberechtigung des Menschen selbst zu philosophieren.

„Wir wußten: wir würden ein Leben an der Grenze zu führen haben, rein körperlich an der Grenze der Lebensmöglichkeit überhaupt. Das war das Gesetz der Wüste. Aber auch seelisch würde es nicht anders sein. Wir würden ein primitives Leben führen und uns hart an der Grenze wilder, gestaltloser Rohheit bewegen müssen, wollten wir überleben. Und doch durften wir unsere feiner entwickelten Gefühle und die Oberwelt des wachen Verstandes nicht verleugnen, wenn wir geistig gesund bleiben wollten. Das waren sehr gegensätzliche Bedingungen, die vereint werden mußten. (…) In der sternweiten Einsamkeit dieser stillen Nacht fühlten wir, daß die Zukunft viel von uns fordern würde, daß zu den Abenteuern des Jägerlebens die Abenteuer des Geistes kommen mußten. Wir konnten vielleicht lernen, wie Buschmänner zu leben, aber wir konnten niemals zurückfinden zu ihrer Art des Denkens und Fühlens.“

Henno Martin Shelter Kuisib Canyon

Anfahrt:

Über die C14 gelangt man nach der Überquerung des Kuiseb Passes an ein auf der linken Seite schwer zu erkennendes Straßenschild, welches auf einen „Viewpoint“ hinweist. Hier fährt man von der Hauptstraße ab auf eine Pad, die direkt zum Canyon führt. Nach ca. 6 km erreicht man eine Kreuzung an der man sich links hält. Am Ende dieser Pad befindet sich das Hinweisschild zum „Henno Martin & Hermann Korn Shelter“.


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