Italien

Eine Reise nach Südtirol und das Aufräumen mit meinen Vorurteilen

Klatsch, da musste ich mich doch mal selber ohrfeigen für meine Vorurteilskiste. Wenn jemand mich in den vergangenen 10 Jahren gefragt hatte, warum ich nicht auch einmal nach Südtirol fahre um dort Urlaub zu machen, war meine Antwort meist „da sind nur alte Leute und da fahre ich erst hin, wenn ich in Rente gehe…“. Mit Südtirol habe ich immer nur Deutsche Urlauber einer bestimmten Altersklasse verbunden, die sich mit Bussen nach Norditalien karren lassen, im Sommer „wandern“ gehen (soweit das mit Gehhilfen noch möglich ist…), Speck essen sowie Tonnen davon einkaufen um es Zuhause für schlechte Zeiten zu bunkern, und abends in ihrer Busgruppe zu Volksmusik schunkeln. Im Winter kommen dann die Pistenfreaks, die von einer Piste zu nächsten fahren nur um danach zum  Après-Ski von Bar zu Bar zu ziehen. Ja, ich weiß, das ist gemein. Und nun muss ich mir eingestehen, dass ich mit meinen Vorurteilen total daneben lag!

Zugegeben, es waren einige Busladungen von Menschen der bestimmten Altersgruppe zu sehen, die sich in Lawinen ähnlichen Strömen (nur sehr viel langsamer) durch Sterzing durchgewühlt haben, aber Südtirol ist so viel mehr als das, was ich all die Jahre in meinem Kopf hatte! Ich frage mich, warum meine Vorurteilsschublade so fest verschlossen war.

Bei einem Roadtrip von Hamburg nach Österreich im Frühsommer diesen Jahres, haben wir auch ein paar Tage Südtirol eingeplant um etwas italienische Bergluft zu schnuppern.

Dieser Kurztrip hat gereicht um zu der Feststellung zu gelangen: Ich muss definitiv wiederkommen, denn Südtirol ist einfach wunderschön und die Bergwelten gerade für mich als Flachland geplagte Norddeutsche ein besonderes Erlebnis! Daher möchte ich Euch hier ein paar kleine Highlights der Region vorstellen. Anfangen werde ich mit einigen schönen Städten, die wir dort besucht haben.

Sterzing

Die meisten Reisenden die von Österreich nach Italien fahren, kommen, wie auch schon vor 200 Jahren Johann Wolfgang von Goethe, über den Brennerpass. Etwas südlich vom Brennerpass gelegen befindet sich das kleine mittelalterlich geprägte Städtchen Sterzing, welches sich wunderbar für eine kleine Pause auf der Reise anbietet.

Sterzing Südtirol Nepomuk Statue

Nepomuk Statue in Sterzing

In dieser wunderbar erhaltenen kleinen Stadt reihen sich bunte, mit Laubengängen ausgestattete spätmittelalterliche Häuser aneinander. Zu Reichtum brachte es die Stadt vor allem durch die Silbergruben im Ridnauntal. Wer genau hinschaut, der erkennt den einstigen Wohlstand dieser kleinen Stadt: breite Fassaden und Einfahrten in die Innenhöfe für die beladenen Karren der Händler, wunderbare Fresken an den Häuserwänden die mitunter auch auf das Gewerbe des Besitzers hinweisen.

 

Bäckerei Sterzing Südtirol

Sterzing ist für viele ein Ort, den man nur durchfährt um vielleicht eine kleine Pause einzulegen auf dem weiteren Weg nach Süden. Im Zentrum der Altstadt gibt es zahlreiche urige Restaurants, die sich die Mahlzeiten auf ihrer Karte aber gut bezahlen lassen, wohl im Wissen, dass die meisten Reisenden hier nur eine Zwischenstation einlegen. Dabei lohnt ein Blick nach links und rechts um einige der „Juwelen“ der Altstadt zu entdecken.

Sehr prägnant ist der „Zwölferturm“ auf den man geradewegs zugeht. Dieser zwischen 1468 und 1472 erbaute, 46m hohe Turm trennt die Neustadt von der Altstadt. Zunächst diente er als oberstes Stadttor und wurde später zum Sitz der Feuerwehr, die von diesem Turm einen guten Blick über die Stadt hatte um Feuer zu erspähen.Sterzing Südtirol Zwölferturm

Um einiges weiter südlich gelegen, findet man die Städte Bozen und Meran vor. Gerade im Sommer sind diese beiden Städte von Touristen fast schon überbevölkert.

Bozen

Bozen ist, wahrscheinlich auch wegen seiner Universität, etwas quirliger und hektischer geprägt als zum Beispiel Meran. In den Seitenstraßen des Stadtzentrums hat man als Autofahrer ständig mit die Straße überquerenden Fußgängern, wild hupenden Mofas und absolut chaotisch fahrenden Autos zu kämpfen. Hier kommt die italienische Lebensweise (zumindest im Straßenverkehr) voll und ganz zum Ausdruck.

Bozens Altstadt ist geprägt von deutschen und italienischen Elementen. Allerdings muss ich gestehen, dass die Altstadt zwar durchaus ganz hübsch ist, uns jedoch nicht sonderlich beeindruckt hat, wenn man sie mit anderen historischen Stadtzentren, wie denen von Bruneck oder Meran, vergleicht.

In Bozen lohnt sich allerdings besonders ein Besuch des archäologischen Museums, denn dies widmet sich in der Dauerausstellung voll und ganz der wohl bekanntesten Gletschermumie der Welt: Ötzi!

Meran

Meran wirkt im Gegensatz zu Bozen etwas ruhiger. Die Stadt liegt in einem Tal, umringt von den bis zu 3.000m hohen Bergen der Texelgruppe. Mit seinen fast 300 Sonnentagen im Jahr ist das Klima sehr mild und angenehm. Rund um die Stadt gibt es zahlreiche Gärten und Villenanlagen in denen man jegliche Art von mediterraner Vegetation finden kann. Mit Palmen, Zypressen und Lorbeersträuchern um einen herum, fühlt man sich einerseits wie in einer größeren Stadt direkt am Mittelmeer, wären da nicht die hohen teils mit Schnee bedeckten Bergkuppen, die das Panorama hier einzigartig machen.

Bei einem Bummel durch den historischen Stadtkern, lässt sich unter manchem Häuserputz die Vergangenheit der einzelnen Gebäude wieder entdecken. Wunderschöne Erker und Lauben wechseln sich mit farbenfrohen Wandmalereien an den alten Häusern ab. In den kleinen zum Teil verwinkelten Kopfsteinpflastergassen lassen sich hier und dort einige mit Liebe gestaltete Kunstwerke der Vergangenheit und der Gegenwart entdecken. Meran zeigt, dass sich Moderne und mittelalterliche Kunst zusammen nicht ausschließen müssen.

Meran Südtirol Kunst

Moderne Kunst in schwarz…

Meran Südtirol Kunst

…und weiß

Meran Südtirol alte Wandmalerei

…sowie alte restaurierte Fassadenmalereien

Meran Südtirol Alte Fassade

Fassaden erzählen Geschichten aus früheren Zeiten

Meran Südtirol

Am Ufer der Passer lässt es sich bei einem leckeren gelato und traumhafter Berg Kulisse im Hintergrund unter den Fliederbäumen im Sommer gut aushalten.

Für Meran sollte man tatsächlich mindestens einen ganzen Tag einplanen, da auch die Umgebung einiges zu bieten hat und man sich so das wunderschöne Stadtzentrum anschauen, und danach zum Beispiel das Dorf Tirol besuchen kann. Auch ein Spaziergang auf dem Trappeinerweg ist sehr erholsam und bietet von den steilen Hängen einen wunderschönen Blick über Meran. (Keine Sorge, die Hänge sind zwar steil, der Weg aber einfach zu begehen, denn darauf wurde 1893 beim Anlegen dieses Weges sehr viel wert gelegt, denn die Damen, die der Meraner Mode gehorchten, konnten nur trippeln, und der Weg sollte ja auch ihnen zur Kur dienen…).

Bruneck

Diese kleine im Osten Südtirols gelegene Stadt ist einen Ausflug wert. Über ihr thront das Schloss Bruneck in dem sich eines der MMM (Messner Mountain Museums), nämlich das „Ripa“ befindet, welches sich dem Thema Bergvölker widmet. Auch wenn die Ausstellung leider wegen Umbau geschlossen war, hatten wir von dort oben einen schönen Ausblick auf die Ortschaft.

Der schäumende Bergbach Rienz umfließt die Altstadt, die von schönen Kaufmanns- und Bürgerhäusern sowie Kirchen und alten Toren innerhalb der Stadtmauern dominiert wird.

Bruneck Zentrum

Wer auf der Straße SS49 unterwegs ist, um zum Beispiel zu den berühmten Drei Zinnen in den Dolomiten zu gelangen, dem können wir ein Päuschen in Bruneck sehr empfehlen.

Tipps für Deine Südtirol Reise:

  • Nehmt statt der mautpflichtigen Brennerautobahn lieber die Landstraße (S12). Hier müsst ihr schon in Österreich aufpassen, damit ihr die richtige Abfahrt nehmt. Zum einen spart ihr hierdurch ca. 20 Euro an Mautgebühren (pro Strecke) und zum anderen ist es über die Dörfer (auch wenn es etwas länger dauert bei normalen Verkehr) sehr viel schöner.
  • Wer in der Hauptsaison einen Besuch des Archäologischen Museums in Bozen plant um Ötzi einen Besuch abzustatten, dem sei geraten möglichst früh am Museum zu sein, denn die Schlangen am Eingang können mitunter sehr lang werden.

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