Malta UNESCO Welterbe

Die Megalith-Tempel von Malta und Gozo

Die Megalith-Tempel von Malta die bereits seit 1980 unter UNESCO Weltkulturerbe stehen, können durchaus mit anderen archäologischen Stätten wie Stonehenge in Großbritannien o.ä. mithalten, und sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Zudem sind sie sehr viel älter, und wurden bereits zwischen 3600 v.Chr. und 2500 v.Chr. errichtet. Damit gehören sie zu den ältesten freistehenden Strukturen der Welt. (Zum Vergleich: Stonehenge sowie die Cheops Pyramide in Ägypten datieren ca. auf das Jahr 2600 v.Chr.).

Bisher geht man davon aus, dass Malta um 5.200 v.Chr. erstmals (vermutlich von Sizilien aus) besiedelt wurde. Aus der Verschmelzung von ortsansässiger und zugewanderter Bevölkerung entstand im 4. Jahrtausend v.Chr. eine Synthese, die Tempelkultur, welche der steinkupferzeitlichen Kulturstufe angehört.
In diesem Zeitabschnitt entstanden auf Malta die monumentalen Steintempel, die gewaltige Felsgrabanlage mit drei „Tiefgeschossen“ im Hypogäum sowie die opulent ausgeformten weiblichen Statuetten.

Die Megalith-Anlagen bestehen häufig aus zwei Tempeln, die miteinander verbunden sind und jeweils drei bis fünf halbrunde Ausbuchtungen aufweisen. Man kann es auch mit einer leichten Kleeblattform vergleichen.
Häufig betritt man durch den Torbau den inneren Architekturbereich, der sich durch abgerundete Formen auszeichnet. Man findet monumentale Nischen, kleine durchbohrte Türsteine, Korridore und Durchgänge. Eine Außenmauer umgibt die einzelnen Tempel.

Beispielhaft werde ich Euch hier die zwei Stätten Tarxien auf Malta und Ggantija auf Gozo vorstellen.

Die Tarxien Tempel auf Malta


Die Anlage besteht aus vier einzelnen, aufeinanderfolgenden aber auch mit einander verbundenen Tempeln. Einige Steinquader sind aufgrund ihres Erhaltungszustandes durch Repliken ersetzt, die Originale befinden sich im Archäologischen Museum in Valletta.

Der erste Tempel entstand ungefähr 3100 v.Chr. Die Außenmauer der Tempelanlage besteht wie auch bei Ggantija aus Korallenkalkstein, der, weil er besonders hart ist, schwer bearbeitet werden kann. Die inneren Mauern sind aus bis zu 20t schweren Globigerinen-Kalkstein (der ist weicher und somit leichter zu bearbeiten) gefertigt.

Von besonderer Bedeutung und Schönheit sind hier, neben den abstrakten Spiralmustern, die Reliefdarstellungen von Haustieren, wie Ziegen, einem Schwein und einem Stier, die sich auf Altären und Steinplatten befinden. Hier kann man besonders gut die handwerklichen Fähigkeiten der jungsteinzeitlichen Steinmetze erkennen, die für die Bearbeitung der Steine ausschließlich steinerne Werkzeuge zur Verfügung hatten. Schaut man sich manche Steine genauer an, so erkennt man wabenförmige Muster, die mit einfachen Flintklingen (Feuersteinklingen) herausgeschält wurden. Die früheste Dekorationsform besteht aus Serien oder dem kompletten Überzug des Steins mit gedrillten Bohrlöchern.

Besonders faszinierend fand ich den Überrest einer ursprünglich wohl ca. 3m hohen Steinstatue einer Frau, der sogenannten „Magna Mater“. Leider ist nur der Unterleib erhalten geblieben. Ihre Funktion ist unklar, aber auch sie wird wie so oft als Fruchtbarkeitssymbol gedeutet. Allerdings gibt es auch Meinungen, die die Statuetten als Männer bezeichnen.

Im Archäologischen Museum in Valetta kann man die schönen Steinfiguren (auch der anderen Ausgrabungsstätten Maltas) in allen Größen und Formen bewundern. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall.

Ggantija auf der Insel Gozo


Dieser Komplex besteht aus zwei zusammen gebauten Tempeln. Jeder dieser Tempel besteht aus fünf, in der Form eines Ahornblattes/ Kleeblattes angeordneten, Apsiden.
Die Außenmauern sind an manchen Stellen bis zu 6m hoch und die Steinquader aus Korallenkalkstein wiegen z.T. bis zu 50 Tonnen. Archäologen vermuten, dass die Tempel zum Teil auch überdacht waren, das geht zumindest aus einigen aufgefundenen Modellen hervor.

Manche der großen Steinquader weisen Durchbohrungen auf, die, so wird vermutet, vielleicht zur Befestigung von hölzernen Türen oder Vorhängen aus Fell gedient haben könnten.

Neben den typischen Spiralmustern, die man als Gravierungen in den Steinen finden kann, zeigen einige Steinquader auch Anzeichen für Vandalismus. Dieser fand allerdings schon im späten 19.Jh. statt (was natürlich keine Entschuldigung ist). Diese „alten Graffiti“ stehen heute ebenfalls unter Schutz.

Der Name „Ggantija“ soll übrigens von einer Legende abstammen, bei der eine Riesin die Anlage über Nacht errichtet haben soll, wobei sie noch ihr Kind auf dem Arm hielt.

Die archäologischen Arbeiten auf Malta und Gozo bringen immer neue Erkenntnisse zur Besiedlung der Inseln, sowie zur Lebensweise ihrer frühen Bewohner hervor. Wir dürfen also auf die Zukunft gespannt sein.

Die Stätten sind touristisch gut erschlossen und gegen eine geringe Eintrittsgebühr zu besichtigen.


Ihr seid auch schon auf Malta gewesen und habt Euch archäologische Stätten angeschaut? Welche hat Euch am meisten gefallen? Sagt es mir in den Kommentaren.

 

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