Lettland

Der perfekte Kurztrip nach Riga

Ein Kurztrip sollte es sein um dem fiesen Grau in Grau in Hamburg im Januar mal für ein Wochenende zu entkommen. Eigentlich wären hier Städte wie Lissabon, Barcelona oder Rom wohl die bessere Wahl, aber warum nicht mal etwas Anderes ausprobieren. Vor elf Jahren war ich schon einmal in Riga (allerdings im Sommer) und ziemlich begeistert. Ok, die warmen Temperaturen, die ich eigentlich wollte, konnte ich mir im Januar in Lettland abschminken. Aber wenigstens zeigte das Thermometer an diesem Wochenende nur um die 0 Grad an, statt wie noch eine Woche zuvor -16 Grad.

Warum es sich auch, oder gerade im Winter lohnt die lettische Hauptstadt zu besuchen, möchte ich Dir hier erzählen.

Das historische Zentrum von Riga ist recht übersichtlich, denn der mittelalterliche Kern der Stadt umfasst lediglich einen Quadratkilometer. Hier gibt es also die geballte Ladung an Stadtgeschichte aus 800 Jahren an schmalen Gassen, alten Speichern und Kaufmannshäusern zu entdecken. Wir hatten knapp zwei Tage Zeit und konnten gemütlich sowohl das historische Zentrum erkunden, als auch der Neustadt mit seinem Jugendstilviertel und der anderen Uferseite der Düna gemütlich einen Besuch abstatten. Riga ist also ideal für einen Wochenendtrip.

Riga ist (noch) günstig

Für ein Wochenende haben wir mit Flug und Hotel ca. 160€ bezahlt (Frühstück inkl.).

Insgesamt sind den Preisen für Essen nach oben natürlich keine Grenzen gesetzt, aber wir haben immer fantastisch gegessen und das zu einem, mit deutschen Verhältnissen verglichen, kleinen Preis. So gibt es beispielsweise Restaurantketten mit einem Selbstbedienungsbuffet, bei dem am Ende nach Gewicht des Essens bezahlt wird. Viele Restaurants bieten zudem zur Mittagszeit auch einen Mittagstisch an, welcher zwischen 4-8€ liegt. Darin enthalten ist eine Suppe, eine Hauptmahlzeit und häufig auch ein Getränk.

In meinem kulinarischen Guide für Riga habe ich Dir Restaurants und Cafés sowie regionale Spezialitäten zusammengefasst, die ich wirklich empfehlen kann.

Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Beispiel von der Altstadt auf die andere Düna Seite fahren möchte, der sollte seine Fahrkarte für den Bus oder die Straßenbahn schon an einem der Fahrkartenautomaten (Menü auch auf englisch tw. auch auf deutsch) kaufen, denn beim Fahrer kosten sie fast doppelt so viel! Die elektronischen Tickets heißen „e talons“. Sie werden mit einem Guthaben aufgeladen, für z.B. eine bestimmte Anzahl an Fahrten oder für eine zeitliche Begrenzung. Beim Einsteigen in den Bus oder die Straßenbahn hält man das Ticket dann kurz an einen kleinen Automaten, um die jeweilige Fahrt abzubuchen. Es muss pro Person ein Ticket gekauft werden, welches man dann entsprechend aufladen kann.

Achtung: man kann aber nicht in bar bezahlen, sondern nur via EC-Karte!!! Eine einfache Fahrt kostet am Automaten ca. 1,15€.

Sehenswertes

Da das historische Zentrum von Riga recht übersichtlich ist, kommt man automatisch an allen Sehenswürdigkeiten vorbei. Die kleinen und großen Gassen mit ihren alten Speicher- und Kaufmannshäusern zeugen von der Zeit der Hanse, einer Vereinigung von niederdeutschen Kaufleuten, die von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 17. Jahrhunderts bestand.

Ein Highlight ist natürlich das Schwarzhäupterhaus am Rigaer Rathausplatz, welches bereits in der Hansezeit als Versammlungs- und Veranstaltungshaus  für die Compagnie der Schwarzen Häupter diente. Allerdings muss man hier bedenken, dass das reich verzierte Backsteingebäude im zweiten Weltkrieg so stark beschädigt wurde, dass man es 1948 sprengte. Erst nach der Unabhängigkeit Lettlands 1991 wurde es wieder errichtet.

Die „Drei Brüder“

Spaziert man durch die schmalen Kopfsteinpflastergassen der Altstadt, so kommt man an z.B. auch an den Drei Brüdern vorbei. In der estnischen Hauptstadt Tallinn gibt es übrigens das Pendant, nämlich die Drei Schwestern. Das auf dem Bild ganz linke Haus (in weiß) darf sich auch mit dem Titel „ältestes Wohnhaus in Riga“ schmücken, denn sei Bau wird in das 15. Jahrhundert datiert. Das jüngste Haus, (in grün) beherbergt heute das Lettische Architekturmuseum.

Der Basteiberg (Bastejkalns) und Kronvaldspark

Mitten durch den Kronvaldspark und den Basteiberg fließt der Stadtkanal Pilsetas kanals an dessen Verlauf man deutlich noch die Form der früheren Bastionen und Schutzwälle der Stadt erkennen kann. Wo im Frühling und Sommer die Grünanlagen zum Sonnenbad und der Stadtkanal zu einer Bootstour einlädt, bietet der Park auch im Winter einiges zu entdecken. So gibt es zum Beispiel eine Eislaufbahn, aber auch immer wechselnde Kunstinstallationen zu bestaunen.

Ganz besonders eindrucksvoll fand ich die 12m hohe Statue eines Affen im Kosmonautenanzug. Von einem russischen Künstler wurde er „Sam“ getauft und ist ein Tribut an alle Tiere, die bei Testflügen in der Raumfahrt ums Leben gekommen sind. Noch immer werden Tiere bei nationalen Raumfahrtprogrammen von z.B. China, den USA oder Frankreich eingesetzt.

Markt im Kalnciems Viertel

Kalnciema iela 35, Bus 22, 32, 35, 43, 53 bis Haltestelle „Melnsila iela“ (www.kalnciemaiela.lv)

Jeden Samstags von 10 bis 16 Uhr findet in der Kalnciema Straße im Stadtteil Pardaugava –jenseits der Düna„, an der auch schön restaurierte Holzhäuser stehen, der wöchentliche Markt statt. Hier findet man ausschließlich lokal hergestellte Produkte und garantiert keine Massenware. Hier kann man sich von einem zum nächsten Marktstand durchschlämmen. Von Brot, Gemüse, Fisch, Kaviar bis selbstgebackenem Kuchen oder Sklandrausis, Kochutensilien aus Holz oder die berühmten bunt gestrickten Handschuhe, hier bekommt man alles.

Nächtlicher Spaziergang durch die Altstadt

Eine ganz besondere Stimmung wie ich finde, kommt am späten Abend oder in der Naht in der historischen Altstadt auf, wenn Nebelschwaden von der Düna aufsteigend durch die engen Gassen der Altstadt ziehen, die wenigen Straßenlaternen ein schummriges Licht werfen und die Fassaden der Gebäude leicht beleuchtet werden. Keine Angst, ich empfand es nicht gruselig, sondern eher faszinierend schön.

Die Laima Uhr. Benannt nach der beliebten Schokoladenmarke.

Nächtlicher Winterzauber am Stadtkanal.

Das Schwarzhäupterhaus bei Nacht.

Das Jugendstilviertel

Wer Riga besucht, der sollte auch einen Abstecher ins Jugendstilviertel machen. Die bekanntesten und wohl auch eindrucksvollsten Häuser liegen in der Neustadt, in der Alberta iela (Albert Straße) und der Elizabetes iela (Elizabeth Straße), nur einen nur ca. 20 minütigen Fußmarsch von der Altstadt entfernt. Die rund 800 Häuser des Jugendstilensembles in Riga, von denen sich die meisten in der Neustadt befinden, gehören mittlerweile auch zum UNESCO Weltkulturerbe. Dabei sind sie fast der Abrissbirne zum Opfer gefallen, denn es fehle schlichtweg das Geld zur Erhaltung. Aber es fehlte auch Gott sei Dank das Geld zum Abriss. So wurden die meisten Häuser erst in den 1990er Jahren wieder aufwendig restauriert. In meinem extra Artikel über den Jugendstil in Riga erfährst mehr.

Jugendstilfassade in der Rigaer Neustadt.

Ein paar tolle Tips für Riga, von wo man z.B. einen fantastischen Blick auf die Stadt hat, verrät Nicole in ihrem Blog Passenger X – hier, jetzt, woanders in ihrem Artikel „15 Riga Highlights, die dich ganz sicher begeistern werden„.

Auch auf dem Fernsuchtblog von Isolde gibt es in ihrem Artikel „48 Stunden in Riga“ ein paar schöne Tipps, z.B. stellt sie Dir die Rigaer Speicherstadt und die sogenannte Moskauer Vorstadt vor (für einen Besuch hatten wir leider keine Zeit mehr).

Schöne Frühlingsbilder aus der Stadt an der Daugava hat auch Thomas vom Blog Breitengrad66 eingefangen, die Du Dir hier anschauen kannst.

Auch Iris von Reiseschnappschüsse hat einen schönen Artikel über den Zentralmarkt in Riga geschrieben, auf dem man herrlich einkaufen kann „Riga – Einkaufen im Hangar„.


Du warst auch schon in Riga und hast noch Tipps? Immer her damit. Hinterlasse mir doch einen Kommentar.

Das könnte Dir noch gefallen

1 Kommentar

  • Antworten
    Rauszeiten im April 2017 || Reiseblog TRIP TO THE PLANET
    1. Mai 2017 an 11:35

    […] Der perfekte Kurztrip nach Riga | North Star Chronicles […]

  • Hinterlasse ein Kommentar